Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Vermischtes Presse Fassadengruen steigert Wohnqualitaet in Grossstaedten

Fassadengruen steigert Wohnqualitaet in Grossstaedten

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Die Mehrheit der Koelner Bevoelkerung steht einer Begruenung von Gebaeudefassaden als Mittel der Stadtgestaltung positiv gegenueber. Sowohl die Bewohner begruenter als auch diejenigen unbegruenter Haeuser sind der Meinung, dass die Bepflanzung von Fassaden besonders in optisch-aesthetischer bzw. psychosozialer Hinsicht die Wohn- und Lebensqualitaet in Staedten verbessert. Solche Aspekte wurden bei der Entwicklung und Erforschung von Konzepten zur optimalen Begruenung bislang jedoch nicht ausreichend beruecksichtigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die Dr. Susanne Schloesser im Rahmen ihrer Dissertation innerhalb der "Forschungsgruppe Fassadenbegruenung" am Geographischen Institut der Universitaet zu Koeln durchgefuehrt hat. Die Forschungsgruppe wurde 1996 von Dr. Manfred Thoennessen gegruendet und widmet sich der Erforschung natur- und gesellschaftswissenschaftlich relevanter Aspekte des Themas "Fassadenbeguenung mit Kletterpflanzen".

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Anzahl von Gross- und Millionenstaedten in Deutschland stark gewachsen. Soziooekonomische Faktoren wie zum Beispiel die Verfuegbarkeit von Arbeitsplaetzen oder aber die kulturelle Vielfalt in den Metropolen locken immer mehr Menschen vom Land in die Stadt. Die physikalischen und psychosozialen Umweltbelastungen in Grossstaedten mindern allerdings die Lebensqualitaet und das Wohlbefinden. Aus diesem Grund kommt der Stadtgestaltung eine immer hoehere Bedeutung zu. Besonders in den Innenstaedten herrscht meist ein erhebliches Defizit an Gruenflaechen. Einige Stadtkerne sind mittlerweile vollstaendig versiegelt. Gerade in solch verdichteten Gebieten stellt die Bepflanzung von Gebaeuden eine einfache Moeglichkeit dar, mehr Gruen in die Staedte zu bringen. Das grosse Gestaltungs- und Flaechenpotential von Fassadengruen ist allerdings insbesondere im staedtischen Raum noch bei Weitem nicht ausgeschoepft. Dabei ist die Fassadenbegruenung auch aus oekonomischer Sicht ein aeusserst attraktives Mittel der Stadtgestaltung, da die Nutzung solcher Flaechen haeufig in Eigeninitiative aus Privatgeldern finanziert werden kann. Daneben fuehrt eine von Bewohnern und Stadtplanern gemeinschaftlich getragene Begruenung zu einer hoeheren Identifikation der Staedter mit ihrem Wohnumfeld.

Die Befragung sowohl von Koelnern, die bereits in begruenten Gebaeuden leben, als auch von Buergern ohne Hausbepflanzung ergab, dass die Mehrheit beider Gruppen eine Fassadenbegruenung befuerwortet. Ueber 80 Prozent der Befragten mit Gebaeudebepflanzung und knapp drei Viertel der Personen ohne Fassadengruen gaben an, dass die Vorteile ueberwiegen. Allerdings ist die Akzeptanz bei den Bewohnern begruenter Haeuser von weitaus weniger Faktoren abhaengig. Die Aspekte Gebaeudeisolierung oder Klimaverbesserung zum Beispiel fallen fuer sie bei der Bewertung kaum ins Gewicht. Auch die Bedenken von Bewohnern unbepflanzter Haeuser hinsichtlich einer Belaestigung durch Spinnen und Insekten werden von den Koelnern, die bereits Erfahrung mit Fassadenbegruenungen gesammelt haben, nicht geteilt.

Eine besonders wichtige Rolle bei der Beurteilung der Vor- und Nachteile begruenter Fassaden spielt bei beiden Gruppen der optisch-aesthetische und psychosoziale Bereich. Die Mehrheit aller Befragten ist der Meinung, dass Bepflanzungen zu einer Verschoenerung von Gebaeude, Strasse und Stadt beitragen, ein wohltuendes Stueck Natur darstellen und somit das persoenliche Wohlbefinden der Bewohner foerdern. Fuer eine negative Bewertung sorgen dagegen in erster Linie zeitoekonomische Faktoren wie die Laubentsorgung und das haeufige Zurueckschneiden von Pflanzen. Auch einige bauphysikalische Aspekte, beispielsweise verdunkelte Zimmer, verstopfte Dachrinnen oder Schwierigkeiten bei der Renovierung wurden hier genannt.

Fassadenbegruenung als Mittel der Stadtgestaltung setzt an der Nahtstelle zwischen privatem und oeffentlichem Raum an. Besonders die Bewohner bereits begruenter Haeuser fordern von den Kommunen immer wieder, die Bepflanzung von Fassaden nicht ausschliesslich als private Initiative, sondern bewusst auch als oeffentliche Aufgabe anzusehen. Die in der Studie befragten Koelner, die in bepflanzten Gebaeuden leben, wuenschen sich von den oeffentlichen Stellen neben einer staerkeren finanziellen Foerderung insbesondere mehr Hilfe bei der Pflege der Fassadenpflanzen. Auch Buerger, die zwar grundsaetzlich an einer Begruenung ihrer Haeuser interessiert sind, aber beispielsweise bautechnisch begruendete Zweifel hegen, koennten durch gezielte Beratung von Fassadengruen ueberzeugt werden. So sollten die verantwortlichen Behoerden zum Beispiel Hilfe bei der Pflanzenwahl anbieten oder ueber entsprechende Massnahmen gegen eine Zunahme von Insekten informieren. Darueber hinaus wuenschen sich die Koelner von den Kommunen eine staerkere und sachgemaess durchgefuehrte Begruenung oeffentlicher Gebaeude. Denn dies haette Vorbildcharakter, wuerde fuer weitere Bepflanzungen werben und somit Privatpersonen als Ansporn dienen.

Ansprechpartner:
Dr. Manfred Thoennessen
Tel: 0221/470-3518
Fax: 0221/470-5124

Weitere Informationen:
Presse- und Informationsstelle
der Universitaet zu Koeln
Albertus-Magnus-Platz 1
50923 Koeln
Tel. 0221 470 2202
Fax 0221 470 5190