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Zweiundzwanzigste Antarktisexpedition der Polarstern endet in Bremerhaven

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Am 21. Juni, voraussichtlich gegen 18 Uhr, wird der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung von der 22. Antarktisexpedition in Bremerhaven zurück erwartet.

Auf der achtmonatigen Expedition waren über 200 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland an Bord. Mehr als 30 Institute waren an dem in fünf Abschnitte unterteilten Forschungsprogramm im Südatlantik, Weddellmeer und der Scotiasee beteiligt.

Während der Fahrt von Bremerhaven in die Antarktis im Oktober 2004 wurden die Echolot- und Sonarsysteme der Polarstern optimiert. Mit Hilfe des Sedimentecholotes entdeckten die Wissenschaftler südlich von Afrika im Agulhas-Becken eine etwa tausend Meter hohe Erhebung, die einen unterseeischen Vulkan vermuten lässt. Die gewonnenen Daten wurden an die Internationale Hydrographische Organisation übermittelt, um internationale Seekarten zu verbessern.


(c)Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven

Ein Höhepunkt der Expedition war die Verankerung der Polarstern an einer sechzehn Quadratkilometer großen Eisscholle im Weddellmeer. Im Rahmen des vom Alfred-Wegener-Institut organisierten Forschungsvorhabens ISPOL (Ice Station POLarstern), war die driftende Eisscholle von Dezember 2004 bis Januar 2005 Arbeitsplatz für 55 Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Bereichen. Sie untersuchten die Veränderung des Meereises und der Lebewesen während des Frühjahrs auf der Südhemisphäre, wenn die Eisdecke auf ihrer Drift nach Norden langsam aufbricht und zerfällt. Die Forscher entdeckten einen überraschend hohen Austausch zwischen Scholle und Atmosphäre, der auch auf die unerwartet hohe biologische Aktivität unter und im Eis zurückzuführen sein dürfte. Der Einsatz der wissenschaftlichen Tauchgruppe des Alfred-Wegener-Instituts und eines kleinen Unterwasser Roboters ergab einen faszinierenden Blick unter das Eis. Die Forscher entdeckten, dass die Unterseite der Eisscholle von großen Krillschwärmen abgeweidet wird.

Ende Januar führte die Reise von Kapstadt ins Weddellmeer, wo ozeanographische Untersuchungen zur Erforschung der Rolle des antarktischen Ozeans im globalen Klimageschehen stattfanden. Im Weddellmeer erfolgt die Bildung von Tiefenwasser, das sich in die Becken des Weltmeeres ausbreitet und das tiefste Stockwerk der globalen Meereszirkulation darstellt. Das auf Polarstern durchgeführte Projekt ANDEEP-III (ANtarctic benthic DEEP-sea biodiversity) diente der Charakterisierung des Ökosystems Tiefsee im südlichen Ozean. Die Wissenschaftler untersuchten die biologische Vielfalt am Meeresbodens und ob das Weddellmeer ein Ursprungsgebiet für die Tierwelt angrenzender Tiefseegebiete darstellt.

Auf der Rückreise der Polarstern aus der Antarktis wurde vom Kieler Institut IFM-GEOMAR bei etwa 30°S ein Forschungsprogramm durchgeführt und längerfristige Veränderungen der Wassermasseneigenschaften gemessen. Die Verfügbarkeit langfristiger Messreihen ist eine wesentliche Grundlage für Modelle, die Prognosen zu den Auswirkungen von Klimaänderungen erlauben.

Polarstern wird am 21.Juni in Bremerhaven einlaufen und in einer vier Wochen andauernden Werftzeit auf die nächste Expedition in die Arktis vorbereitet. Bereits am Sonntag, den 26. Juni, ist POLARSTERN von 11 bis 17 Uhr im Rahmen der Veranstaltung "Open Ship" auf der Lloydwerft in der Bückingstraße zu besichtigen. Näheres dazu erfahren sie auf den Internetseiten des Alfred-Wegener-Instituts.

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Ude Cieluch, Tel. 0471 4831-2008; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.