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Die "Wege des Wassers" kennen keine Grenzen

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Laenderuebergreifendes, euregionales Projekt betrachtet Fluesse erstmals ganzheitlich

Wasser bedeutet Leben, bedeutete in der Vergangenheit vor allem Handel und Austausch, aber auch Nahrung und Energie - dies beweisen die vielen grossen Staedte und kleinen Doerfer, die an Fluessen oder Baechen angesiedelt sind. Gewaesser machen nur vor natuerlichen Barrieren halt. Trotzdem werden Fliesgewaesser heutzutage oft nur als linienhafte Elemente in einer durch politische Grenzen geteilten Landschaft wahrgenommen. Nach den Vorgaben des Europaeischen Rates in der "Europaeischen Wasserrahmenrichtlinie" (beschlossen Dezember 2000) sollen in Zukunft alle Einflussfaktoren der Fliessgewaesser ganzheitlich betrachtet und somit der Blick auch auf gesamte Einzugsgebiete ausgedehnt werden. In der Euregio Maas-Rhein wird dieser Integrationsaspekt ergaenzt durch das Vorhaben, grenzueberschreitend zusammenzuarbeiten. Hieraus ergibt sich eine weitere Herausforderung fuer Fachbehoerden, Wissenschaft und Oeffentlichkeit.

Das Projekt "Wege des Wassers" - eine Kooperation mit Pilotcharakter, gefoerdert unter anderem von der EU und dem Land NRW - will die Rahmenbedingungen und Konsequenzen dieser neuen Sicht auf die Fluesse und Baeche der Euregio untersuchen. Wie beeinflussen Klima, Geologie, Relief und Landnutzung die Gewaesser? Welche Auswirkungen haben die spezifischen kulturellen und historischen Bedingungen der beteiligten Regionen auf die Fluesse und Baeche? Sind die regionalen Unterschiede messbar? Wie sind diese Effekte im Hinblick auf das zukuenftige Entwicklungspotential der Gewaesser zu bewerten?

Das Geographische Institut der RWTH Aachen hat eine in ihrer Konstellation einzigartige Mannschaft von Wissenschaftlern (Universitaeten Aachen, Luettich, Amsterdam) und Wassermanagern (Staatliches Umweltamt Aachen, Wasserverband Eifel Rur, Rijkswaterstaat Limburg, Waterschap Roer en Overmaas) fuer dieses Projekt gewinnen koennen. Nur in einem solchen Zusammenschluss, in dem alle Partnerlaender der Euregio Maas-Rhein vertreten sind, koennen die Antworten auf diese Fragen gegeben werden. Erste Ergebnisse liegen bereits vor: Es zeigt sich, dass neben den zahlreichen natuerlichen Faktoren, die auf die Gewaesser wirken, auch die kulturellen und historischen Rahmenbe-dingungen in den drei Partnerlaendern einen messbaren Einfluss auf die Qualitaet der Oberflaechengewaesser haben. Diese unterschiedlichen Startvoraussetzungen gilt es zu beruecksichtigen, wenn das Ziel ein grenzueberschreitend guter Wasserzustand ist. Eine interessante Spur verfolgt die Projektgruppe auch in den Sedimenten, die sich entlang der Fluesse ueber Jahrhunderte und Jahrtausende angehaeuft haben. Sie sind ein Spiegel der einzigartigen Geschichte unserer Region, die Schicht fuer Schicht rekonstruiert wird: Beginnend von der letzten Eiszeit ueber die Phase der Montanindustrie bis hin zum Uebergang in eine postindustrielle, europaeische Zukunft.

Die Projektpartner haben fuenf laenderuebergreifende Arbeitsgruppen gebildet, um die "Wege des Wassers" von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten: Die Gruppe "Fluss-oekologie" fuehrt vergleichende Untersuchungen zur Wasserqualitaet in Belgien, den Niederlanden und Deutschland durch. Die Gruppe "Flussdynamik" untersucht, wie sich der Verlauf der Fluesse in historischer Zeit geaendert hat und was diese Verlagerung beguenstigt hat. Eine wichtige Rolle spielt dabei, wie der Mensch die Landschaft veraendert hat. Dies ist Gegenstand der Arbeitsgruppe "Landnutzungswandel". Die Gruppe "Sedimentologie und Bodenkunde" untersucht die Sedimente, die sich entlang der Fluesse abgelagert haben und welche Rolle die Boeden der Region als Wasserspeicher spielen. Die Gruppe "Datenintegration" versucht, politische Grenzen aus den behoerdlichen Daten zu entfernen, denn hier sind einheitliche Standards in Europa noch laengst nicht gegeben.

Ebenso international wie die Projektgruppe sind auch die "Sponsoren". In erster Linie ist die EU zu nennen, aus deren INTERREG III A-Foerdertopf 50 Prozent des Projektvo-lumens bestritten werden. Mit dem INTERREG III A Programm werden Projekte gefoerdert, die die "Kohaesion in der Europaeischen Union mittels der grenzueberschreitenden Zusammenarbeit" staerken. Die zweite Haelfte der Projektgelder stammt vom Land NRW, der Region Wallonne sowie von den Partnerinstitutionen.

Weitere Informationen und Bildmaterial:
Koordinationsbuero "Wege des Wassers"
Geographisches Institut der RWTH Aachen
Lehrstuhl fuer Physische Geographie und Geooekologie
D-52056 Aachen
Tel.: +49/(0)241/8099381
Fax: +49/(0)241/8092157
Email: info.wegedewassers@geo.rwth-aachen.de