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Auf welchen Wegen wanderte der fruehe Mensch?

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Internationaler Workshop "Continental Rifting" an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften - Professor Friedemann Wenzel: "Unser Bild von den biogeografischen Vorgaengen hat deutlich an Kontur gewonnen"

Die Totes-Meer-Verwerfung (Dead Sea Fault) und der Rheingraben (Rhine Graben) sind die imposantesten durch Plattentektonik entstandenen Landschaftseinbrueche in Europa und im Mittleren Osten. Diese ungewoehnlichen Grabenstrukturen sind jedoch nicht nur unter geologischen Aspekten fuer die Forschung interessant. Sie beeinflussen auch in hohem Masse das Klima und damit die Entwicklung von Flora und Fauna in den umliegenden Landschaftsraeumen. Die Grabenbrueche selbst stellen biogeografische Inseln dar, in denen sehr spezifische Arten beheimatet sind. Damit nahmen und nehmen sie immer wieder Einfluss auf den Verlauf der Evolution auch in anderen Lebensraeumen. Doch wie kann dieser Einfluss auf die globale Artenvielfalt genauer bestimmt werden? Wie sehen diese Einfluesse aus und waren sie zu allen Zeiten gleich stark?

Vom 14. bis zum 17. Juli kamen an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften rund 30 Wissenschaftler zusammen, um die Frage nach der besonderen Bedeutung der Grabenbrueche fuer die Biodiversitaet im allgemeinen sowie fuer die menschliche Entwicklung im besonderen zu dokumentieren. "Continental Rifting, Human Dispersion and Natural Hazards", so lautete der Titel des internationalen Workshops, den die Heidelberger Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit der Israel Academy of Sciences organisierte. Geologen, Geophysiker, Archaeologen, Klimatologen, Anthropologen und Palaeobiologen versuchten gemeinsamen der Frage auf den Grund zu gehen, ob die ersten Migrationsbewegungen von Homo erectus aus Afrika (vor rund 1,8 Millionen Jahren) massgeblich durch geologische Strukturen gelenkt wurden.

Unsere eigene Spezies, Homo sapiens, entstand im Grabensystem des oestlichen Afrika, nahm ihren Weg nach Europa vermutlich durch den Levante Korridor. Der Rheingraben scheint danach einer der ersten Siedlungsplaetze des Fruehmenschen auf dem neu besiedelten Kontinent gewesen zu sein. Es ist also auch kein Zufall, dass die rund 600.000 Jahre alten Ueberreste des Homo heidelbergensis ausgerechnet in Mauer bei Heidelberg im Sediment einer ausgetrockneten Schleife des Neckarbetts gefunden wurden. Doch nicht nur im Pleistozaen, noch bis in die Gegenwart hinein ueben Grabenbrueche auf Wanderbewegungen und kulturelle Evolution des Menschen Einfluss aus. Graeben sind ideale Siedlungsplaetze mit einem meist stabilen Klima und fruchtbaren Boeden. So pflanzten die Roemer im Rheingraben Weinstoecke an und betrieben von hier und vom Rhonegraben aus ihre Expansion in die Gebiete noerdlich der Alpen. Zugleich sind menschliche Siedlungen in Graeben aber auch unweigerlich bedroht von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Fluten.



"Mit dem Ergebnis unseres Workshops bin ich ausserordentlich zufrieden", so Friedemann Wenzel, Professor am Geophysikalischen Institut der Universitaet Karlsruhe und Leiter der Forschungsstelle "Weltkarte der tektonischen Spannungen" der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. "Die einzelnen Forschungsperspektiven zusammenzubringen, die ja nicht nur durch das jeweilige Fachgebiet, sondern immer auch durch einen regionalen Fokus gepraegt sind, war unser Anliegen. Tatsaechlich koennen wir jetzt viel praeziser Fragen an die Vertreter der anderen Disziplinen formulieren. Das gemeinsam entwickelte Bild der biogeografischen Vorgaenge vom Pleistozaen bis in die Gegenwart, hat deutlich an Kontur gewonnen!" Saemtliche Referate und Diskussionen des Workshop wurden auf Tonband mitgeschnitten und sollen in der Schriftenreihe der Heidelberger Akademie der Wissenschaften veroeffentlicht werden.

Rueckfragen bitte an:

Dr. Johannes Schnurr
Referent fuer Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33 55

Prof. Dr. Friedemann Wenzel
Forschungsstelle Weltkarte der tektonischen Spannungen
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Tel.: 0721 / 4431
Fax: 0721 / 71173