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Helgoländer Schlick als Umweltdatenbank

erstellt von kirsi zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Vom 8. bis 11. November 2003 treffen sich im Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst etwa 40 Wissenschaftler aus mehreren europäischen Ländern. Die Forscher stellen neue Ergebnisse zur europäischen Klima- und Umweltentwicklung während der letzten 2.000 Jahre vor. Im Mittelpunkt des Treffens stehen Befunde, die größtenteils anhand von Ablagerungen der flachen europäischen Küstenmeere gewonnen wurden.

Wissenschaftler, die einen Blick in unsere Klimavergangenheit werfen wollen, haben ein Problem: instrumentelle Messungen etwa per Thermometer, die sich für die Untersuchung der Klimaentwicklung natürlich optimal eignen, sind bestenfalls für die letzten 150 Jahre verfügbar. Für weiter zurück reichende Datenreihen müssen die Forscher auf andere Informationsquellen zurückgreifen. Sedimente vom Meeresboden z.B. der Nordsee sind dabei oft erste Wahl.

In den Klimaarchiven am Grund der europäischen Küstenmeere sind viele unterschiedliche Umweltinformationen verborgen. Ein wissenschaftliches Highlight, das Mitarbeiter des DFG-Forschungszentrums Ozeanränder Bremen auf der Tagung präsentieren, geht auf die Beprobung von Nordsee-Sedimenten vor Helgoland zurück. Im Schlick vom Meeresboden entdeckten die Wissenschaftler Hinweise auf die Entwicklung des Salzgehalts in der Deutschen Bucht. Der hängt in erster Linie vom Süßwasserzufluss aus der Elbe ab. Wieviel Wasser die Elbe führt, wird naturgemäß von den Niederschlägen im Einzugsgebiet des 1.140 Kilometer langen Flusses bestimmt. Besonders bemerkenswert: Mit rund 148.000 Quadratkilometern ist das Elbe-Einzugsgebiet knapp fünf Mal so groß wie Belgien. "Die Helgoländer Daten liefern somit klimarelevante Informationen über die Geschichte der Niederschlagsentwicklung in einem weiten Bereich Mitteleuropas", sagt der Geowissenschaftler Dr. Dierk Hebbeln. "Solche Daten können dann direkt in Klimamodelle eingespeist werden. Viele dieser Puzzleteile sind nötig, um die Modelle zu verbessern und um ein treffenderes Bild der zukünftigen Klimaentwicklung zu zeichnen", ergänzt der Mitarbeiter des DFG-Forschungszentrums.

In Delmenhorst werden die Wissenschaftler über Messergebnisse diskutieren, die sie während der letzten drei Jahre im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts HOLSMEER (Late Holocene Shallow Marine Environments of Europe = Meeresumwelt europäischer Flachmeere im späten Holozän; Holozän: die letzten 10.000 Jahre der Nacheiszeit) gewonnen haben. Die dabei bearbeiteten Seegebiete decken nahezu die gesamte Wetterseite des Europäischen Kontinents ab: von den Küstenmeeren Islands, Norwegens und Englands über die Nordsee bis hinunter nach Spanien und Portugal. Ziel des Treffens ist es, die vorhandenen Daten aus den einzelnen Regionen zusammen zu fassen und damit zu einem besseren Verständnis der Klimaentwicklung Europas während der letzten 2.000 Jahre beizutragen.

Informationen/Interviews/Bildmaterial: Kirsten Achenbach, Öffentlichkeitsarbeit, DFG Forschungszentrum Ozeanränder, Tel. 0421 - 218-9000, mail: achenbach@rcom-bremen.de, www.ozeanraender.de,

Während der Tagung (8.-11.11.) Hanse-Wissenschaftskolleg, Ingeborg Mehser, Lehmkuhlenbusch 4, 27753 Delmenhorst, Tel. 04221 - 9160-104, mail: imehser@h-w-k.de, Anfahrt: www.h-w-k.de/fsdeu2.htm