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Suedhalbkugel wichtiger fuer Klima als angenommen

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Meerestemperaturen und Gletscherdaten lassen Forscher umdenken<br><br> Der Suedozean koennte eine groessere Rolle bei kurzfristigen Klimaaenderungen spielen, als bisher angenommen. Dies fanden Potsdamer und Bremer Geowissenschaftler jetzt anhand von einmaligen Meeressedimenten aus chilenischen Kuestengewaessern heraus. Die Ablagerungen dokumentieren sowohl die Klimageschichte des Meeres, als auch die des chilenischen Hinterlandes. Zusammen mit Kollegen aus Norwegen und den USA berichten die Geowissenschaftler in der juengsten Ausgabe der Zeitschrift Science am 25. Juni 2004 ueber ihre Erkenntnisse.

Waehrend und nach der letzten Eiszeit schwankten die Temperaturen innerhalb weniger Tausend Jahre mehrfach - und das gleich um einige Grad Celsius. Aus groenlaendischem Eis und nordatlantischem Meeresschlamm kennen Wissenschaftler diese heftigen Veraenderungen des Klimas gut. Im wohl erforschten Nordatlantik vermuteten sie bis jetzt auch den Motor des weltweiten Klimageschehens. Allerdings sind sich die Forscher noch nicht einig, ob die Suedhalbkugel waehrend der letzten 50.000 Jahre dem Klimarhythmus der Nordhalbkugel folgte oder einen gegensaetzlichen Rhythmus hatte. Denn: Waehrend die Antarktis warm war, wenn es im Norden kalt war und umgekehrt, scheinen zum Beispiel die Gletscher in Nord- und Suedamerika gleichgeschaltet gewesen zu sein.


(c)Knorr & Lohmann, Nature 2003

Die jetzt vorliegende Studie wirft Licht auf diese Frage. "Unsere Daten zeigen uns erstmals, dass die Antarktis das Klimageschehen der Suedhalbkugel wesentlich staerker und grossraeumiger beeinflusst, als bisher angenommen", erlaeutert Frank Lamy vom Geoforschungszentrum Potsdam und Erstautor der Studie. "Die Meeressedimente, die wir untersucht haben, zeigen deutlich, dass vor Chile die Temperaturen des Oberflaechenwassers mit dem Klimageschehen der Antarktis eng zusammenhaengen." Ko-Autor Jerome Kaiser vom DFG-Forschungszentrum Ozeanraender in Bremen fuegt hinzu: "Nicht nur das: Auch die Wassertemperaturen aus anderen Ozeangebieten rund um die Suedhalbkugel scheinen von der Ausdehnung des antarktischen Meereises abzuhaengen".

Auswirkungen hat das Meereis auch auf die Gletscher des Patagonischen Eisschildes. Allerdings reagieren diese auf veraenderte Meerestemperaturen um bis zu 1.000 Jahre verzoegert. Dies zeigten die Analysen der Meeressedimente. Sie enthalten Erosionsprodukte des Gletschers und dokumentieren so den Schmelzwassereintrag. Dies koennte die widerspruechlichen Ergebnisse fuer die Nord- und Suedhalbkugel waehrend der letzten 50.000 Jahre erklaeren. "Unsere Daten lassen vermuten, dass zumindest die patagonischen Gletscher zu langsam reagieren, um solch abrupte Klimawechsel verlaesslich nachzuzeichnen", sagt Lamy.

Die untersuchten Meeressedimente wurden im Rahmen des internationalen "Ocean Drilling Programs (ODP) erbohrt. Sie gewaehren erstmals einen detaillierten Einblick in das weitgehend unerforschte Klimageschehen des Suedost-Pazifik waehrend der letzten Eiszeit. Die jetzige Studie bestaetigt Daten aus Klimamodellen, die einen staerkeren Einfluss der Suedhalbkugel auf das globale Klimageschehen postuliert haben. Solche Einblicke in die Vergangenheit ermoeglichen genauere Prognosen fuer das Klima der Zukunft. Dementsprechend ist eine der groessten Herausforderungen moderner Klimaforscher die Ursachen schneller Klimaumschwuenge und deren Konsequenzen zu verstehen.

Weitere Informationen:

GFZ
RCOM-Bremen