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Viel Schnee und wenig Lawinenopfer - Bilanz des Winters 2003/04

erstellt von Leonards zuletzt verändert: 17.11.2016 13:35 — abgelaufen

Der Winter 2003/2004 zeichnete sich in der Schweiz durch allgemein sehr gute Schneeverhaeltnisse und durch wenig Lawinenopfer aus: Bis zum 25. Mai starben zehn Personen in den Schweizer Alpen bei Lawinenunfaellen - das ist weniger als die Haelfte verglichen mit dem langjaehrigen Mittelwert.

Bis zum 25. Mai verloren drei Tourenskifahrer, zwei Schneeschuhlaeufer, ein Variantensnowboarder, drei Variantenskifahrer und ein Kleinkind bei Lawinenunfaellen ihr Leben. Diese Opferzahl liegt deutlich unter dem langjaehrigen Mittel von 25 Lawinentoten pro Jahr.

Dem Eidg. Institut fuer Schnee- und Lawinenforschung SLF - es gehoert zur Eidg. Forschungsanstalt WSL - wurden 80 Lawinen gemeldet, die etwa 130 Menschen mitgerissen hatten. Das entspricht dem Mittelwert der letzten zehn Jahre; es gab also nicht weniger Lawinen als in anderen Jahren. Thomas Stucki, Leiter des Lawinenwarndienstes des SLF, kommentiert: "Mehrere Beispiele deuten darauf hin, dass vor allem viel Glueck zu dieser tiefen Opferzahl beigetragen hat. So gab es verschiedene Unfaelle zu verzeichnen, bei denen mehrere Personen erfasst wurden, aber nur in einem Fall kamen dabei zwei Menschen ums Leben. Sonst war es jeweils hoechstens eine Person, meistens aber gluecklicherweise gar niemand. Bei einem weniger glimpflichen Ausgang steigt die Opferzahl natuerlich rasch."

Schnee bis in tiefe Lagen
Charakteristisch fuer den Winter 2003/2004 waren mehrere Schneefaelle bis in tiefe Lagen. Rechtzeitig auf die Weihnachtsferien herrschten auch unterhalb von 1000 Metern gute Wintersportbedingungen. Ausgepraegt waren die Schneefaelle auch um Mitte/Ende Maerz: Am 11. Maerz lagen in Locarno Monti (360 m) 25 Zentimeter Schnee, am 24. Maerz in St. Gallen gar ein halber Meter. Auch anfangs April schneite es im Norden nochmals bis in tiefe Lagen.

"Goetterdaemmerung" durch Saharastaub
Im Gebirge wurde ein frueher Winterbeginn verzeichnet: Das Einschneien (Bildung einer bis zum Fruehling durchgehenden Schneedecke) erfolgte auf dem Weissfluhjoch (2540 m) bereits am 4. Oktober. Das ist zwei Wochen vor dem mittleren Termin; und einzig 1975 wurde zu diesem Zeitpunkt bereits mehr Schnee verzeichnet (die Messungen begannen im Winter 1936/37). In der zweiten Januarwoche regnete es zum Teil bis deutlich ueber 2000 m hinauf intensiv. Dadurch wurden unzaehlige Nassschneelawinen ausgeloest. Im Berner Oberland mussten sogar Strassen wegen Ueberschwemmungen gesperrt werden. Der Februar war zuerst von fruehlingshaften Verhaeltnissen gepraegt, die Nullgradgrenze stieg auf 3500 m. Am Morgen des 21. Februar herrschte eine gespenstige Stimmung: Eine Suedstaulage fuehrte reichlich Saharastaub ueber die Alpen; der Himmel - und in der Folge der Schnee - war gelb-rot gefaerbt. Insgesamt war der Winter 2003/2004 schneereich; Schoenwetterperioden waren eher kurz; Kalt- und Warmperioden wechselten sich haeufig ab. Die Schneedecke war im Allgemeinen eher stabil aufgebaut. Fuer die Jahreszeit liegt momentan vor allem am Alpennordhang, in Graubuenden und im Sueden noch viel Schnee. Es herrschen schoene Fruehlingsskitouren-Verhaeltnisse.

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