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„Beim Erdöl steht die Ampel auf Gelb!“

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 19.06.2009 11:32

Deutschland ist außerordentlich stark von Energieimporten abhängig. Außer Kohle hat die Bundesrepublik keine nennenswerten Vorräte an entsprechenden Energierohstoffen. Daher beobachtet die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe im Auftrag der Bundesregierung die Situation bei den wichtigsten Produkten. Die aktuelle Übersicht für das Jahr 2007 wurde jetzt veröffentlicht.

Sleipner-BohrplattformDie Erdölförderung der Welt ist 2007 erstmals nicht gestiegen, sondern leicht gesunken. „Eine Verknappung durch mangelnde Lagerstättenkapazitäten ist nicht die Ursache“, betonte allerdings Hilmar Rempel von der BGR auf der Vorstellung der aktuellen Verfügbarkeitsstudie zu Energierohstoffen. In ihrer Bilanz für das vergangene Jahr kommen die Rohstoffexperten zu dem Schluss, dass die Erdölproduzenten ihren Ausstoß aus Marktgründen freiwillig verringerten.

Der sogenannte „peak oil“, der Punkt, an dem die Förderung nicht mehr gesteigert werden kann, weil die Lagerstätten nicht mehr hergeben, ist damit noch nicht erreicht. Ihn erwarten die BGR-Experten für 2020. „Dennoch steht beim Erdöl die Ampel zumindest auf gelb“, betont BGR-Präsident Professor Hans-Joachim Kümpel. Schließlich unterstellen die Experten eine „moderaten Verbrauchsanstieg“, der für drastisch wachsenden Konsum aus Entwicklungs- und Schwellenländern nur wenig Spielraum lässt. Zusätzliche Vorkommen des bis auf weiteres wichtigsten Energieträgers erwarten die Rohstoffexperten nur noch in der Arktis und in der Tiefsee, ansonsten bleibe die bessere Ausbeutung bekannter Vorkommen.

KohlekraftwerkBei den anderen Energieträgern sieht die BGR die Situation dagegen entspannter, auch wenn sich, mit Ausnahme der Braunkohle, Deutschlands Importabhängigkeit verschärfen wird. Erdgas wird noch für Jahrzehnte genügend vorhanden sein und Europas räumliche Nähe zu den größten Vorkommen in Sibirien wird den Alten Kontinent weiterhin zu einem sehr attraktiven Kunden für Russland machen. Denn beim Erdgas sind die Transportkosten ein gravierender Faktor. Die Pipelineverbindung zwischen Europa und Sibirien ist gut ausgebaut, die Rohrleitungen nach Fernost dagegen erst in der Planung. Die Gasverflüssigung und ihr Transport mit Tankern wird den Pipeline-Transport allerdings in steigendem Maß ergänzen.

Kohle ist von allen Energieträgern am reichhaltigsten vorhanden, hat aber auch die größten Umweltfolgen. Bei gegenwärtigem Verbrauch reicht die Steinkohle noch 125 Jahre, Braunkohle sogar noch 200 Jahre. Wenn die Menschheit die schädlichen Klimafolgen der Kohleverbrennung neutralisieren kann, etwa durch CO2-Abscheidung und -Speicherung, billigt die BGR der Kohle eine noch wachsende Bedeutung für die Energieversorgung der Erde zu.

Die größte Reichweite verzeichnet die BGR bei den Kernbrennstoffen. Obwohl sich der Preis für Uran seit 2002 auf das Siebenfache erhöht habe, sei noch keine Behinderung der Nutzung erkennbar. Bei Kernkraftwerken heutigen Standards macht der Brennstoff nur fünf Prozent der Gesamtkosten. Stattdessen dürften Akzeptanzprobleme und die Notwendigkeit eine sichere Entsorgung der Rückstände zu entwickeln, die Nutzung der Kernkraft beschränken.

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