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Andalusische Mammuts

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 17.07.2009 08:52

Mammuts, riesige Verwandte der heutigen Elefanten, gehören zu den Ikonen der Eiszeitfauna. Auf großen Teilen der Nordhemisphäre machten sich die Tiere während der vergangenen Kälteperioden breit, soweit die Tundren sich ausdehnten. Denn Mammuts waren auf die Kräuter und Büsche der nach ihnen benannten Steppe angewiesen. Deshalb hatten sie auch keine Chance, als die aktuelle Warmzeit anbrach. Vor rund 6000 Jahren kam das Ende der eindrucksvollen Tiere: auf der Wrangel-Insel im sibirischen Polarkreis. Doch immerhin waren Mammuts auf ihren ausgedehnten Wanderungen zuvor sogar bis nach Andalusien gekommen, so weit südlich wie sonst kaum auf der Welt.

MammutDie Mammuts kamen bis Granada. In El Padul, einer Hochebene 20 Kilometer südlich der ehemaligen Maurenmetropole, wurden die Überreste von mindestens vier männlichen Vertretern des Wollhaarmammuts gefunden. Die Knochen, unter ihnen ein Stoßzahn, stammen aus einem ehemaligen Moor, das sich von vor rund 50.000 bis vor 5100 Jahren dort befand. Die andalusischen Mammuts sind zwischen 40.000 und 30.000 Jahren alt und zählen damit zu den südlichsten Vertretern der Art, die während der Eiszeiten im ganzen Tundragebiet der nördlichen Halbkugel verbreitet war. In der aktuellen Ausgabe von „Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology“ unternehmen Forscher aus Spanien, Deutschland und den Niederlanden eine Bestandsaufnahme. Für die Wissenschaftler besteht kein Zweifel, dass die Dickhäuter nicht nur sporadisch vorbeikamen. „Die Tiere gehörten damals zu den dauerhaften Bewohnern Granadas“, erklärt Diego Álvarez-Lao von der Universität Oviedo.

El Padul heuteDie Periode vor 40.000 bis 30.000 Jahren war eine grundsätzlich kühle Zeit mit starken Klimaschwankungen. Sie begann und endete jeweils mit einem besonders kalten Einschnitt, doch auch dazwischen lagen die Temperaturen weit unter den heutigen Werten. Pollenanalysen zeigen, dass sich auf der iberischen Halbinsel tundrische Kaltsteppe und mehr oder weniger dichten Wäldern aus Kiefern, Eichen, Birken und Wacholder abwechselten. Die Mammuts waren ausgesprochene Liebhaber der Kräuter und Büsche der Tundra und durchstreiften die Kaltsteppe, wo auch immer sie sie antrafen. Während der Eiszeiten hatten die gewaltigen Tiere damit einen riesigen Lebensraum zur Verfügung, der weite Teile Europas, Asiens und Nordamerikas umfasste, und offenbar blieb die Art auch auf diesem ungeheuren Areal intakt. „Die spanischen Mammuts sind anatomisch nicht von ihren Artgenossen in nördlicheren Regionen zu unterscheiden“, berichtet Mammutexperte Dick Mol, der ehrenamtlicher Mitarbeiter des Naturmuseums Rotterdam ist.

Mammut-UnterkieferDie Mammuts wanderten offenbar hauptsächlich nordwestlich über einen Küstenstreifen an den Pyrenäen vorbei auf der iberischen Halbinsel ein, möglicherweise umrundeten sie das für sie unüberwindliche Gebirge zum Teil auch südöstlich auf der Mittelmeerseite. Das Flachland beiderseits der Pyrenäen war damals breiter als heutzutage, weil der Meeresspiegel weit niedriger lag. Weite Teile der Nordsee lagen damals trocken, zwischen Asien und Nordamerika bestand die beringische Landbrücke und auch in der Biscaya und im Mittelmeer lag mehr Land trocken als heute. In Andalusien kamen die Tiere allerdings nicht bis zur Mittelmeerküste, sondern sie mussten vor der Sierra Nevada haltmachen.

Mammut-FundstätteDie Mammuts von Granada gehören zu den südlichsten Vertretern ihrer Art, die bislang bekannt sind. Sie sind aber beileibe nicht allein. „Die Funde zeigen, dass die Tiere vor 30.000 bis 40.000 Jahren auch außerhalb Europas in Richtung Süden vorstießen“, berichtet Ralf-Dietrich Kahlke vom Senckenberg-Forschungsinstitut in Weimar. Die südlichsten unumstrittenen Funde liegen in China. Doch im gewaltigen Raum zwischen Spanien und Kanada wanderten die Elefantenverwandten vielfach in Richtung Süden. So hat man Überreste der Tiere im italienischen Apulien gefunden, auf der Krim und am georgischen Nordhang des Kaukasus. In der kasachischen Hungersteppe tauchten sie offenbar ebenso auf, wie in der westchinesischen Provinz Xinjiang, in der Mongolei und in Zentralchina. In Nordamerika sind Wollhaarmammuts bis hinab in die US-Bundesstaaten Utah und Colorado zu finden, weiter südlich wird die Art vom verwandten Kolumbianischen Mammut abgelöst, das statt Kräuter und Buschwerk Gras als Nahrung bevorzugte.

Verweise
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