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Ausgedörrte Zukunft

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 18.02.2015 17:41

In den vergangenen Jahren haben gleich mehrere Studien dem amerikanische Südwesten für die Zeit nach 2050 schwere Dürren prognostiziert. Wie schlimm es dabei kommen könnte, berichteten Wissenschaftler auf der Jahrestagung der der US-Wissenschaftsorganisation AAAS in San Jose. Nachlesen lassen sich ihre Ergebnisse in der ersten Ausgabe des neuen Wissenschaftsmagazins "Science Advances": Danach wird die Region durch den Klimawandel bis 2100 trockener sein als zu jemals zuvor während der vergangenen 1.000 Jahren.

Blick auf das rissige Bett eines ausgetrockneten Flusses in Kalifornien. (Foto: NOAA)In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts könnte der Klimawandel dem Südwesten und dem Mittleren Westen der USA Mega-Dürren bringen, die statt mehr als 30 oder gar 40 Jahre andauern könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, liegt bei mehr als 80 Prozent. Damit jedenfalls rechnen Wissenschaftler der NASA, der Columbia und der Cornell University. "Selbst wenn wir uns aus den vergangenen 1000 Jahren die schlimmste Dürre als Vergleich auswählen würden, wäre die immer noch der Garten Eden im Vergleich zu dem, was wir zum Ende des 21. Jahrhunderts erleben werden", beschreibt Jason Smerdon vom Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University.

"Unseren Analysen zufolge stehen uns außergewöhnliche Dürreperioden bevor, die schlimmer sind als alle anderen während der vergangenen 1.000 Jahre", erklärt Benjamin Cook vom NASA Goddard Institute for Space Studies in New York City. Seine Prognose beruht auf den Ergebnissen, die 17 unterschiedliche Computersimulationen zu Dürren und drei weitere zur Bodenfeuchtigkeit geliefert haben. Gleichgültig, welches Modell die Wissenschaftler laufen ließen, es kam immer das gleiche Ergebnis heraus. Auch als sie die Zuverlässigkeit der eingesetzten Modelle prüften, in dem sie sie das Klima für die vergangenen 1.000 Jahre berechneten und die Resultate mit Daten wie Baumringanalysen prüften, war die Überstimmung zwischen der wirklichen und der virtuellen Vergangenheit sehr hoch.

Lake Mead, das größte Trinkwasserreservoir im Südwesten der USA. (Foto: Wikimedia Commons/Doc Searls)
Den Ergebnissen zufolge wird die Dürre im Südwesten das Ergebnis einer Kombination von zwei Faktoren sein. Durch den Klimawandel werden einmal die Niederschläge nachlassen und zum anderen werden die steigenden Temperaturen mehr Wasser aus den Böden verdunsten lassen. Letzteres sehen die Forscher auch für die Great Plains voraus. Für diese Region ist jedoch unsicher, ob auch dort die Niederschlagsmengen nachlassen werden: "Aber auch wenn in den Great Plains der Regen gleich bleibt, lässt die stärkere Verdunstung die Böden austrocknen", so Benjamin Cook.

Schon heute zwingt eine langjährige Dürre beispielsweise die Bauern im Central Valley von Kalifornien weite Landflächen brach liegen zu lassen, weil die Behörden die Wasserlieferungen aus dem Norden kappen mussten. "Wir verfügen heute zwar über Strategien, um mit Dürren fertig zu werden, etwa indem wir trockenheitsresistentere Getreide anpflanzen. Sich an eine Mega-Dürre anzupassen, wäre ungleich schwieriger", so Benjamin Cook. Auch deshalb möchten die Forscher nun vor allem eines herausfinden: Wie lange wird der Übergang dauern - wird er in 20 Jahren einsetzen, oder erst in 50?

 

Ein Staubsturm tobt über Stratford, Texas, im Jahr 1935. (Foto: NOAA)  Die Austrocknung der Böden in Nordamerika, wie sie eine Modellrechnung für das Jahr 2095 vorsieht. (Bild: NASA GSFC)