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Bewegung auf dem Mond

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 10.11.2014 11:39

Der Erdmond gilt als Himmelskörper, der schon seit langer Zeit geologisch tot ist. Der Vulkanismus soll vor spätestens einer Milliarde Jahren erloschen sein. In "Nature Geoscience" berichten Wissenschaftler aus den USA und Deutschland jetzt von insgesamt 70 kleinräumigen Strukturen, die auf sehr jungen Vulkanismus auf dem Mond hindeuten.

70 kleinräumige Lavaflüsse haben Forscher in der Region des Mare Tranquillitatis entdeckt. (Bild: NASA/GSFC/Arizona State University)Der Mann im Mond hat es länger warm gehabt, als man traditionell dachte. 70 relativ kleine Strukturen werten Planetologen der Arizona State University in Tempe und der Universität Münster in "Nature Geoscience" als Lavaströme. Das Alter dieser "Irregular Mare Patches" (IMP) genannten Flecken mit Durchmessern von 100 bis 5000 Metern wurde auf weniger als 100 Millionen Jahre, in einem Fall sogar auf geradezu jugendliche 18 Millionen Jahre geschätzt. "Wenn diese IMP durch Vulkanismus entstanden, zeigt das, dass das Innere des Mondes längere Zeit warm war als bislang gedacht", erklärt Carolyn van der Bogert vom Institut für Planetologie in Münster.

Blick auf den Sosigenes-Graben auf dem Mond mit einem Vulkanfluss. (Bild: NASA/GSFC/Arizona State University)Damit gerät die bisherige Vorstellung von Zusammensetzung und Entwicklung des Mondes in Bedrängnis. Unser Trabant kennt gewaltige Vulkanausbrüche. Die Energie, um das Mondgestein flüssig zu halten, kam wie bei der Erde auch, aus dem radioaktiven Zerfall von Elementen wie Thorium. Doch diese Ausbrüche, die die Maria genannten dunklen Becken füllten, die man mit bloßem Auge erkennen kann, sind drei Milliarden Jahre her. Hinweise deuten darauf hin, dass der radioaktive Zerfall noch vor einer Milliarde Jahre genug Energie lieferte, um einzelne Ausbrüche hervorzurufen. Doch danach, so die vorherrschende Meinung, dürfte diese Energiequelle versiegt sein.

"Sollten die IMPs so jung sein, wie wir annehmen", so van der Bogert, "dann hat der Mond vielleicht mehr radioaktive Elemente gehabt, als wir bisher gedacht haben." Die Forscher hatten die vergleichsweise kleinen Flecken auf hochaufgelösten Fotos entdeckt, die die Nasa-Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" von der Mondoberfläche geschossen hat. Sie sind nur ein paar Tausend Quadratmeter groß und bestehen aus einem leicht erhöhten Teil mit glatter und einem Teil mit rauher Oberfläche. Diese Morphologie stützt einen vulkanischen Ursprung", meint van der Bogert, "denn wir kennen diese Oberflächen von Lavaflüssen hier auf der Erde."

Eine der größeren IMPs auf dem Mond in Aufsicht: INA. (Bild: NASA/GSFC/Arizona State University)Die Strukturen auf dem Mond wurden mit einer Ausnahme in Basaltbecken wie dem Mare Tranquillitatis gefunden, in dem am 20. Juli 1969 die ersten Menschen auf dem Mond landeten. "Schon das deutet darauf hin", so die Wissenschaftlerin, "dass es einen Zusammenhang mit dem Mare-Vulkanismus gibt." Um das Alter der Strukturen zu ermitteln, haben die Mondforscher die Einschlagskrater gezählt, die man auf den Bildern erkennen kann, Material für eine radiologische Datierung gibt es schließlich nicht. Stattdessen wird von der Zahl der Krater auf die Zeit zurückgeschlossen, die die fragliche Oberfläche dem Strom aus Meteoriten ausgesetzt war, der sich über Mond und Erde ergießt. Diese Datierungsmethode ist für den Mond recht zuverlässig.

Was es genauer mit dem jungen Mondvulkanismus auf sich hat, müssen weitere Analysen ergeben - möglicherweise wird man auch erst mit einer Sondenmission, die Bodenproben zur Erde zurückbringt, endgültige Klarheit bekommen. "Wir stehen erst am Anfang", meint Professor Harald Hiesinger vom Institut für Planetologie an der Universität Münster. Was etwa die auffällige Häufung dieser kleinen Basaltflächen in der Nordwestecke des Tranquillitatis Beckens bedeuten mag, ist völlig unklar. Auch was das flüssige Magma an die Oberfläche getrieben haben könnte, ist unbekannt. "Uns fehlen schlichtweg gesicherte Daten", so Hiesinger, "Fakt aber bleibt, dass Material im Inneren bis vor kurzem heiß genug gewesen sein muss, um diese IMPs zu produzieren."

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