13. Apr. 2017

Teleocrater rhadinus frisst einen säugetierähnlichen Cynognathus.

Die Trias, die früheste Periode des Erdmittelalters, war die Zeit, in der die Karten für die folgenden 140 Millionen Jahre gemischt wurden. Der Grund für die lange Herrschaft der Dinosaurier wurde zu Beginn der Trias gelegt, denn an Land entstanden zwei Gruppen von Reptilien, die Dinosaurierartigen und die Krokodilartigen. Bislang konnten Paläontologen nur spekulieren, wie sich beide Gruppen entwickelten, denn frühe Formen fehlten in der Überlieferung. Ein Fund aus Tansania bringt jetzt etwas Licht in die Entwicklung der Reptilien in der unteren Trias. Veröffentlicht wird er nun in "Nature".

"Die ersten Dinosaurier sind in der klassischen Sicht relativ kleine, zweibeinige Fleisch- oder Allesfresser gewesen, aber sie müssen auch irgendwie nahe verwandt mit den untersetzten, vierbeinigen Vorfahren der Krokodile gewesen sein. Wir wissen nur nicht wie", skizziert Paul Barrett, Professor für Wirbeltierpaläontologie am Naturhistorischen Museum in London eines der klassischen Probleme seiner Zunft: Nur wenige Millionen Jahre nach dem größten Massenaussterben in der Geschichte des irdischen Lebens bevölkerte in der Trias eine ungeheure Vielfalt reptilischer Lebewesen den Riesenkontinent, zu dem alle Landmassen vereinigt waren. Doch der Weg, den das Leben dorthin genommen hat, ist völlig unklar.

Ein neuer Fund und ein Fossil, das seit den 30er Jahren im Magazin des Naturhistorischen Museums lagerte, haben jetzt etwas Licht ins Dunkel dieser Entwicklung gebracht. Beide Funde stammen aus den Mandaba Beds im südlichen Tansania und gehören zu Teleocrater rhadinus, einem schlanken und beweglichen Fleischfresser auf vier Beinen, der in der unteren Trias auf Beutefang ging. "Das Tier war etwa so groß und schwer wie ein größerer Hund, der Hauptteil seiner Körperlänge von zwei bis drei Meter entfiel auf den Schwanz", beschreibt Barrett den räuberischen Vierbeiner, der Jagd auf kleinere Reptilien und Säugetiere machte. "Aus der Entfernung dürfte er ein bisschen wie ein Waran gewirkt haben, weil er auch einen langen Hals hatte", ergänzt Sterling Nesbitt, Paläobiologie-Professor am Virginia Institute of Technology, der die jüngsten Funde in Tansania machte, "aber seine Beine standen wohl senkrecht unterhalb des Körpers nicht seitlich."

Stammbaum der frühen Reptilien und Einordnung von Teleocrater rhadinus.
Bild: NHM London/Barrett
Teleocrater rhadinus wird ausgegraben.
Bild: Nature/Virginia Tech/Roger Smith
Künstlerische Darstellung von Teleocrater rhadinus mit erbeutetem Cynodonten.
Bild: Nature/Museo Argentino de Ciencias Naturales Bernardino Rivadavia/G. Lio

Mit dieser Kombination aus vierbeiniger Fortbewegung, grazilem Körperbau und senkrechter Beinstellung unterhalb des Körpers steht Teleocrater zwischen Dinosauriern und Vögeln auf der einen Seite und Krokodilen und ihren ausgestorbenen Verwandten auf der anderen Seite. "Er ist der früheste Vertreter der Dinosaurier- und Vogel-Gruppe", sagt Ken Angielczyk vom Field Museum in Chicago, auch er ein Mitglied des Paläontologenteams, "doch er hat diese unerwarteten krokodilähnlichen Kennzeichen." So konnte er seine Füße offenbar eher wie Krokodile in den Gelenken drehen, während Dinosaurier und Vögel nur eine Auf-und-Ab-Bewegung vollführen können. Dadurch wird Teleocrater wohl eher wie ein Krokodil gelaufen sein.

Der Fund aus dem heutigen Tansania zeigt, dass die Welt der frühen Trias vielfältiger war als bislang gedacht und dass sich vor allem an vielen Stellen des Riesenkontinents Pangäa Vorfahren von Krokodilen und von Dinosauriern nebeneinander weiterentwickelten und zunehmend unterschiedliche Lösungen zeigten, mit den Herausforderungen ihrer Zeit zurechtzukommen. "In Gesteinen der mittleren und sogar der oberen Trias finden wir Teleocrater und seine Verwandten", sagt Sterling Nesbitt, "doch am Ende der Trias sterben sie alle aus und es überleben nur die Dinosaurier.