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Die Spur des Elfenbeins

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 01.10.2012 11:05

Seit 1989 ist der internationale, kommerzielle Handel mit Elfenbein weltweit fast vollkommen verboten. Daraufhin erholten sich in Süd- und Ostafrika die Bestände wieder. Allerdings nicht die der Waldelefanten in Zentralafrika, dort ging die Wilderei weiter wie gehabt. Inzwischen jedoch wachsen auch die Probleme in den anderen "Elefanten-Nationen" Afrikas wieder an. Bislang war es kaum möglich, die Herkunft von Stoßzähnen zu bestimmen, doch ein neues Verfahren, das der WWF gemeinsam mit der Universität Mainz und dem Bundesamt für Naturschutz entwickelt, ermöglicht die genaue Bestimmung der Herkunft des Elfenbeins.

2011 brachte einen traurigen Rekord: Weltweit wurden mehr als 23 Tonnen illegales Elfenbein sichergestellt. Diese 23 Tonnen stehen für mindestens 2.500 getötete Elefanten. Dazu kommt, dass der Zoll nur ein Bruchteil des illegalen Elfenbeinhandels aufdeckt. "Seit etwa zehn Jahren sehen wir in Afrika wieder eine Zunahme der Wilderei. Der Markt für 99 Prozent dieses illegalen Elfenbeins ist Ostasien", erklärt Stefan Ziegler, Artenschutzreferent beim WWF Deutschland. 10.000 bis 12.000 Tiere, so schätzt Ziegler, kostete dieser Trend das Leben.

Besonders Zentral- und Ostafrika sind davon betroffen. In den Ländern des südlichen Afrikas kann wegen des guten Managements die Wilderei in Schach gehalten werden. Südafrika ist sogar so erfolgreich, dass man in den dortigen abgezäunten Nationalparks Elefanten töten muss, damit die Bestände nicht außer Kontrolle geraten. Südafrika würde deren Elfenbein gerne verkaufen, "aber", so Ziegler, "die restlichen Staaten Afrikas wollen das nicht". Der Grund: Legales südafrikanisches Elfenbein lässt sich nicht von illegalem aus Zentral- oder Ostafrika unterscheiden, es würde Schleusen, die heute noch eher schlecht als recht halten, endgültig öffnen.

Detektivischer Spürsinn gefragt

Elefanten plündern gern die Felder im Umkreis der Serengeti. (Bild: Holger Kroker)Unter anderem um das zu verhindern, entwickelten Forscher der Universität Mainz und des WWF ein Verfahren, mit dem sich die Herkunft des Elfenbeins bestimmen lassen soll, und zwar anhand des Isotopenfingerabdrucks des Elfenbeins. "Wir messen die stabilen Isotope von Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel und Kohlenstoff", erklärt Dorrit Jacob, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geowissenschaften der Universität Mainz, "in der Kombination dieser Parameter kann man etwas herausfinden über die Region, wo diese Elefanten gelebt haben." Die Methode erfordert einigen detektivischen Spürsinn: Wasserstoff und Sauerstoff geben den Fingerabdruck des Trinkwassers und damit Informationen über die Klimazonen. Die Kohlenstoff- und Stickstoffvarianten verraten, welche Art von Pflanzen das Tier überwiegend gefressen hat. Über Schwefelisotope erfahren die Wissenschaftler etwas über den Boden. "Wir haben mit den Isotopen fünf Parameter", sagt Jacob, "wenn man die Elefanten-Verteilungskarten dann noch dazu nimmt, dann haben wir einen sechsten Parameter, und das muss man über statistische Methoden kombinieren und ausloten und quantifizieren."

Damit sich die Isotopenwerte zuordnen lassen, mussten Elfenbeinproben untersucht werden. Die 37 betroffenen Nationen wurden angesprochen, und aus fast allen erhielten die Wissenschaftler die notwendigen paar Gramm Elfenbein: teilweise direkt von den Staaten, teilweise aus Museen und teilweise von Trophäenjägern. Stefan Ziegler: "Es fehlen uns noch ein paar Länder: Nigeria, da ist auch ein hoher Wildererdruck. Das gleiche gilt für die zentralafrikanische Republik." Mittlerweile haben die Forscher allerdings am belgischen Afrika-Museum in Tervuren 120 Stoßzähne aus der ehemaligen Kolonie Kongo beproben dürfen, so dass dort die weißen Flecken stark nachgelassen haben.

Großregionen lassen sich unterscheiden

Die afrikanischen Großregionen lassen sich derzeit schon gut unterscheiden, das südliche Afrika, aus dem legales Elfenbein auf den Weltmarkt kommen soll, kann mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent vom Rest Afrikas unterschieden werden. "Das ist ja schon einmal eine ganz gute Hausnummer", meint WWF-Mitarbeiter Stefan Ziegler. Damit könnte man schon einmal beim Zoll rings um die Welt etwas anfangen. Doch das Washingtoner Artenschutzabkommen fordert eine Zuordnung auf Länderebene, und da hapert es. Ziegler: "Da wird das aufgrund der Migration der Elefanten über Staatsgrenzen hinweg natürlich ein bisschen unschärfer. Mit etwa 85 Prozent können wir Proben auf die Länderebene zuordnen." Damit das Verfahren gerichtsfest wird, müssen die Messverfahren standardisiert und dann die Ergebnisse aus den Mainzer Laboratorien von unabhängigen Isotopenlaboren bestätigt werden. Dann fließt alles in eine Datenbank ein, so der Plan.