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Freund und Feind zugleich

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 11.09.2007 20:28

Auf der Nordhalbkugel ist Waldbrandsaison. In Spanien und Portugal, in Kalifornien oder auch auf den britischen Inseln, die seit Jahren unter einer ungewöhnlichen Trockenheit leiden, brennt es mehr oder weniger heftig. Den dramatischen Bildern zum Trotz ist das Feuer Bestandteil der Ökosysteme rundum die Welt - und in vielen sogar unverzichtbar.

Im Nordwesten der iberischen Halbinsel bekommen die Einsatzkräfte die Brände langsam wieder unter Kontrolle. Ein Großaufgebot von Feuerwehr und Armee sowie Tausenden von Freiwilligen hat inzwischen die Mehrzahl der Feuer in der spanischen Region Galizien eingedämmt. Über 50.000 Hektar Wald- und Buschland sind inzwischen verbrannt, mehr als einmal waren die Flammen nahe an die Vororte galizischer Großstädte herangerückt.

"Wir haben bislang ein ganz normales Feuerjahr", erklärt Professor Johann Georg Goldammer, Leiter des Zentrums für Globale Feuerüberwachung (GFMC) an der Universität Freiburg, wo die Informationen über Waldbrände weltweit zusammenlaufen. Die Brände im Mittelmeerraum sind nach seinen Angaben weitaus weniger umfangreich als diejenigen, die 2003 wüteten. Auch in anderen chronisch Waldbrand gefährdeten Gegenden, wie Australien oder Indonesien hält sich das Ausmaß der Brände im normalen Rahmen. Dafür brannte es in Gegenden, die sonst eher unbehelligt bleiben, etwa in Island, das Ende März das größte Feuer seiner Geschichte meldete. Auch Europas "Regenloch" Westnorwegen meldete nach einer Trockenperiode Brände und in den Anrainerstaaten des Himalaya kam es im sehr trockenen Winter ebenfalls zu zahlreichen Bränden.

Ohnehin gehört Feuer in vielen Ökosystemen einfach zur Normalität, für manche ist es sogar unverzichtbar. Regelmäßige Brände halten das Unterholz kurz und Bäume wie Eukalyptus, Banksien oder viele Kiefernarten brauchen geradezu den Brand, damit sie sich fortpflanzen können. Im Mittelmeerraum, den USA oder Australien sind Waldbrände so alltäglich, dass auf Tafeln der aktuelle Gefährdungsgrad angezeigt wird. Doch es ist gerade der Mensch, der das eingespielte System außer Kontrolle geraten lässt. In Australien und den USA fressen sich die Städte immer weiter in die Umgebung hinein, wenn es dort brennt, wird das schnell zur Gefahr für menschliche Siedlungen. Im Mittelmeerraum wiederum trägt die Anlage von Forsten und Plantagen und vor allem die Landflucht dazu bei, dass sich die Feuer besonders schnell ausbreiten können. "Dort zeigen sich Probleme", so Goldammer, "die auch in Deutschland am Horizont zu sehen sind."

Dabei plädiert der Forstwissenschaftler gerade in Deutschland für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Feuer. Gerade die hierzulande inzwischen selten gewordene offene, vom Menschen geprägte, aber nicht ausschließlich genutzte Landschaft brauche die Hilfe des Feuers, damit sie nicht von Bäumen und Buschwerk überwuchert wird. Auch vielen Wäldern tut der kontrollierte Gebrauch des Feuers gut. Das wird Goldammers Arbeitsgruppe demnächst in der Nähe von Breisach in Baden-Württemberg an ausgewählten Kiefernwäldern demonstrieren. Das letzte Vorhaben dieser Art wurde vor fast 30 Jahren durchgeführt und stieß auf große Vorbehalte. "Aber inzwischen", so Goldammer, "hat sich die Einstellung gewandelt."

Zusätzliche Informationen unter:

Satellitengestützte Beobachtung

Waldbrände im Devon

Feuerkontinent Afrika