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Geheimwaffe mit Ladehemmung

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 28.02.2014 16:18

Im zukünftigen Kampf gegen den Klimawandel sollte sich die Menschheit nicht auf "Wunderwaffen" verlassen. Der leichte Weg, statt drastischer Emissionskürzungen bei den Treibhausgasen, sogenannte Geoengineering-Methoden einzusetzen, stellt sich immer mehr als gefährlicher Holzweg heraus.

Geoengineering: Aufforstung als Mittel gegen den Klimawandel? (Bild: Worldwide Happy Media/Wikimedia)In der aktuellen Ausgabe von "Nature Communications" haben Forscher des DFG-Schwerpunktprogramms "Climate Engineering. Risks, Challenges, Opportunities" fünf Methoden untersucht, den Kohlendioxidgehalt der Erdatmosphäre künstlich zu senken, oder zumindest die Treibhauseffekte zu verringern. Die Ergebnisse waren ernüchternd. "Wir sehen, dass wir so ungefähr ein Zehntel unserer heutigen CO2-Emissionen kompensieren könnten", erklärt Andreas Oschlies, Professor für Biogeochemische Modellierung am Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Geomar). Der Preis dafür ist allerdings extrem hoch: Man müsste, so Oschlies, "zum Beispiel massiv aufforsten, ganze Kontinente umkrempeln, Ökosysteme vernichten, neue aufbauen und damit doch in großen Gebieten eine andere Welt schaffen".

Die Forscher haben vier Methoden zur CO2-Bindung und eine Methode zur Abschirmung gegen Sonnenstrahlen angeschaut und in Computermodellen simuliert, welchen Effekt sie bei größtmöglicher Anwendung haben können. Zu den vier CO2-Bindemethoden gehörte die großflächige Aufforstung, die Ozeandüngung, der Transport nährstoffreichen Tiefenwassers an die Oberfläche der Ozeane und die Kalkung des Oberflächenwassers. Als Abschirmmethode wurde die Injektion von Feinstaub in die oberen Atmosphärenschichten simuliert.

Zur Überraschung der Forscher stellte sich die Aufforstung der Wüstengebiete Nordafrikas und Australiens geradezu als kontraproduktiv heraus. Sie brachte einerseits nur eine Verminderung des atmosphärischen CO2-Gehalts um rund zehn Prozent. Weil aber der dunkle Wald wesentlich weniger Sonnenenergie zurückstrahlt als die vergleichsweise hellen Wüstengebiete, würden sich in Nordafrika und Australien die Temperaturen sogar noch erhöhen. "Das heißt, das Weltklima wird in unserem Modell bei dieser großskaligen Aufforstung noch wärmer, als es ohnehin schon wird", sagt Oschlies, "das ist nicht der gewünschte Effekt." Auch die anderen CO2-Bindungs-Verfahren haben ungewünschte Nebenwirkungen. So scheint die Ozeandüngung doch die Bildung von Sauerstoffmangelzonen in tieferen Meeresstockwerken zu fördern. Die heute schon existierenden "Todeszonen" würden sich ausdehnen.

Am unvorteilhaftesten erwies sich jedoch der Sunblocker aus Feinstaub. Er wirkt zwar tatsächlich temperaturdämpfend und das sogar überraschend gut - allerdings hat der Sonnenschutz eine fatale Nebenwirkung: Man darf den Nachschub an Feinstaub nicht unterbrechen. Wenn man die Maßnahme einstellt, rieseln die Partikel binnen zwei oder drei Jahren zu Boden. Damit jedoch setzt eine umso stärkere Erwärmung ein, denn die temperatursteigernden Treibhausgase sind ja weiterhin in der Atmosphäre. "Wir kämen mit diesem Instrument in die Situation des Zauberlehrlings", so Oschlies, "wir begännen etwas, was wir nachher nicht mehr kontrolliert beenden können."

In einigen Staaten der Welt wird bereits an konkreten Geoengineering-Tests gearbeitet. Oschlies sagte gegenüber DPA, Schwerpunkte der Forschung seien die USA, Großbritannien und Kanada. Doch das dürfte sich nach Ansicht der Kieler Erdsystemforscher als trügerisch herausstellen. "Allein Climate Engineering hilft uns nichts", so Oschlies weiter, "wir müssen uns auf die bisher auch diskutierten Optionen - Reduzierung von Emissionen, beziehungsweise Vermeidung oder auch Anpassung - konzentrieren."