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Internationale Kooperation bleibt erhalten

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 18.11.2011 10:33

Das internationale Meerestiefbohrprogramm IODP wird doch fortgeführt. Im Sommer hatte die US-amerikanischen National Science Foundation überraschend angekündigt, am ab Oktober 2013 anlaufenden Nachfolgeprogramm nicht teilzunehmen. Jetzt wird das International Ocean Discovery Programm, ebenfalls IODP abgekürzt, anlaufen. Der Name ändert sich demnach gegenüber dem Vorgänger nur leicht, die Struktur jedoch wird gehörig durchgeschüttelt.

Das japanische Bohrschiff Chikyu im Einsatz (Bild: Jamstec/IODP)."Am Ende, so hoffe ich, wird sich das neue Programm als flexibler und gerechter erweisen", schreibt Jochen Erbacher, Leiter des deutschen IODP-Koordinierungsbüros, "und, viel wichtiger, die Wissenschaftler werden nur sehr wenig Veränderung spüren." Den Durchbruch ergab offenbar ein Treffen am 3. November im spanischen Granada.

Demnach bleibt der im Sommer verabredete Arbeitsplan für das bis 2023 laufende zweite IODP in Kraft, auch die Arbeitsgeräte, Plattformen genannt, - die beiden Bohrschiffe Chikyu und Joides Resolution sowie die von den Europäern entsprechend dem konkreten Bedarf gecharterten Fahrzeuge - stehen weiterhin zur Verfügung. Gleiches gilt für den Zugang zu den Bohrkernen und Daten, die derzeit in drei Bohrarchiven auf drei Kontinenten gelagert werden: Sie sollen weiterhin jedem interessierten Wissenschaftler offen stehen. Gleich bleibt auch, dass ein gemeinsames Wissenschaftlergremium die IODP-Projekte begutachtet und bewilligt und dass es eine gemeinsame Organisationsstruktur geben wird.

Bohrschiff "Vidar Viking" (im Vordergrund) eskortiert von zwei Eisbrechern (Bild: IODP).Allerdings wird diese Struktur sehr viel schlanker als die derzeitige Management-Gesellschaft, die beim japanischen Meeresforschungszentrum Jamstec angesiedelt ist. Das zeigt schon das künftige Budget, das nach Angaben von Rodey Batiza, Programmdirektor bei der National Science Foundation, von derzeit rund 20 Millionen auf dann nur noch zwei bis drei Millionen sinken soll. Ausdrückliches Ziel soll die Beschleunigung im Projektablauf sein - in der Vergangenheit gab es vor allem aus den USA häufig Kritik an bürokratischen Abläufen innerhalb des Programms. Außerdem soll die Gelder der einzelnen IODP-Mitglieder nicht mehr in einem Topf landen und dann auf die Projekte verteilt werden, sondern sie sollen direkt von den Geldgebern zu den Bohrschiff-Betreibern fließen. Was das für die Europäer bedeutet, die neben den beiden Haupt-Geldgebern Japan und USA mit je 40 Prozent einen Anteil von 20 Prozent am derzeitigen IODP halten, bleibt abzuwarten.

Ein starker Akzent liegt beim neuen Programm auf der Finanzierung von außen, "auf Projektbasis oder sogar für einzelne Plattformen", wie es in der Pressemitteilung der drei Partner heißt. Als Co-Finanziers kommen zum Beispiel Einzelstaaten, seien sie bereits IODP-Mitglied oder nicht, die Industrie oder die Europäische Kommission in Frage. Als letzten Punkt erwähnt die Pressemitteilung, dass die Zusammenarbeit mit anderen Internationalen Forschungsprogrammen wie das Kontinentale Tiefbohrprogramm verstärkt werden soll. Die Einzelheiten des neuen Programms sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden, sodass der Wechsel von einem IODP zum nächsten planmäßig am 1. Oktober 2013 stattfinden kann.