10. Feb. 2017

Typischer Strand auf Mauritius mit vulkanischem Gebirge.

Im Untergrund des Indischen Ozeans stecken vermutlich Reste des einstigen Superkontinents Gondwana. Darauf deuten mehr als 2,5 Milliarden Jahre alte Zirkone, die Geowissenschaftler aus Südafrika, Norwegen und Deutschland in "Nature Communications" vorgestellt haben. Die Zirkone stammen von Mauritius, einer gerade neun Millionen Jahre alten Vulkaninsel. Die Wissenschaftler werten sie als Spuren von untergegangener Kontinentkruste.

Der Zerfall des Superkontinents Gondwana ging nicht ohne Verluste ab. Als der Gigant vor rund 200 Millionen Jahren zu zerbrechen begann, blieben nicht nur die heute noch existierenden Landmassen Südamerika, Afrika, Madagaskar, Indien, Australien und Antarktis übrig, sondern auch viele kleine Splitter kontinentaler Kruste. "Das war keine saubere Trennung, sondern eine ziemlich unordentliche Veranstaltung", sagt Lewis Ashwal, Geochemie-Professor an der südafrikanischen Universität des Witwatersrands in Johannesburg.

Ashwal hat zusammen mit Trond Torsvik von der Universität Oslo in Norwegen und Michael Wiedenbeck vom Deutschen Geoforschungszentrum GFZ in Potsdam Indizien für Gondwana-Reste unter Mauritius gefunden und vermutet weitere Splitter unter dem Indischen Ozean. In ihrem Aufsatz in "Nature Communications" konstruieren die drei Geowissenschaftler daraus sogar einen eigenen Kontinent namens Mauritia, dessen Reste unter einer Handvoll Inseln im Indischen Ozean liegen sollen. "Wir zeigen, dass zwischen Indien und Madagaskar ein kontinentaler Streifen existierte, den wir Mauritia nennen", so Ashwal. Außer Maritius sollen auch etliche andere Archipele bis zu den Laccadive-Inseln vor der Südwestküste Indiens auf Mauritia-Bruchstücken sitzen.

Wirklich greifbar davon sind bislang nur drei Zirkon-Körner, die Ashwal und seine Kollegen aus einer Trachyt-Probe von Mauritius isoliert haben. Trachyt ist ein vulkanisches Gestein, und Mauritius eine Vulkaninsel. Die drei Zirkonkörner, auf die Ashwal und seine Kollegen sich stützen, sind allerdings zwischen 2,5 und 3 Milliarden Jahre alt. "Das Alter ist spektakulär", sagt Ashwal, "die Körner sollten eigentlich gar nicht da sein." Denn Mauritius selbst ist nicht älter als neun Millionen Jahre. Die Lösung des Rätsels: Der Magma-Plume, der damals die ältesten Teile von Mauritius schuf und vor 5,7 Millionen Jahren den Trachyt hinterließ, den die Geowissenschaftler jetzt beprobten, hat auf seinem Weg nach oben ein uraltes Stück Krustengestein durchstoßen und Teile davon mitgenommen.

Die Trois Mammelles im Südwesten von Mauritius zeugen von der vulkanischen Entstehung der Insel.
Bild: H. Kroker
Bathymetrische Karte des Indischen Ozeanbodens.
Bild: Journal of Petrology/Lewis Ashwal et al.
Gravimetrische Karte des Indischen Ozeans, die die Dicke der Kruste angibt.
Bild: Nature Geoscience/Trond Torsvik et al.
Lewis Ashwal beprobt Trachyt-Vorkommen auf Mauritius.
Bild: Nature Communications/Susan J. Webb/Universität des Witwatersrands
Ein Zirkon in vulkanischem Gestein.
Bild: University of the Witwatersrand

Die Zirkondatierung flankieren Ashwal und seine Kollegen mit geophysikalischen Daten über die Krustendicke unter Mauritius. "Das Schwerefeld-Signal zeigt unter den Seychellen eine dicke Kruste an und diese Kruste reicht den ganzen Ozean nach Süden bis Mauritius", sagt der südafrikanische Geochemiker. Die Seychellen sind eindeutig ein Splitter kontinentaler Kruste, auf den Hauptinseln gibt es Granit, ein typisches Kontinentgestein. Zum hypothetischen Kontinent Mauritia zählen die Inseln gleichwohl nicht, stattdessen bilden sie eine eigene Mikroeinheit, die man auch schon Seychellea genannt hat und die seit der Auflösung Gondwanas im sich damals bildenden Indischen Ozean driftet.

Mauritia dagegen hatte Pech: Der Landstreifen zwischen den Laccadive-Inseln im Norden und Mauritius im Süden wurde durch die tektonischen Kräfte gedehnt, in Stücke geteilt und in der Tiefe versenkt. Seine Bruchstücke verschwanden unter der neugebildeten ozeanischen Kruste des Indik und kommen nur mit Hilfe von Vulkanausbrüchen zutage. Ashwal hat eine geochemische Analyse des Mauritius-Trachyts durchgeführt, die das Krustenstück unterhalb des Ozeanbodens ebenfalls belegen. "Ich konnte zeigen, dass die Isotopen-Zusammensetzung zumindest konsistent mit einem Granitanteil von drei oder vier Prozent im Magma ist", sagt Lewis Ashwal. Das sei zwar ebenfalls kein Beweis, aber zumindest eine Stütze der Hypothese.