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Mond mit Meer

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 26.06.2009 15:19

Der Saturnmond Enceladus wird immer mehr zum Star unter den Trabanten des Ringplaneten. Der mit nur 500 Kilometer Durchmesser kleine Brocken aus Fels und Eis ist tektonisch aktiv und besitzt offenbar flüssiges Wasser, in dem obendrein offenbar auch noch Salze gelöst sind. Damit verfügt der Winzling über die Mindestvoraussetzungen für die Entstehung von Leben - was ihn zu einem vorrangigen Ziel für irdische Astrobiologen macht.

Fontänen des EnceladusEine Forschergruppe um den Heidelberger Physiker Frank Postberg vom Max-Planck-Institut für Kernphysik berichtet in der aktuellen „Nature“, sie habe in den Wasserfontänen, die aus Spalten am Enceladus-Südpol herausschießen, Spuren von Natrium entdeckt. Die Wissenschaftler nutzen Daten der US-Raumsonde Cassini, die direkt durch die Fontänen geflogen war und dort Eispartikel gesammelt hatte. „Unsere Beobachtung zeigt, dass es unter dem Eispanzer flüssiges Wasser gibt“, betont Postberg.

Natrium sei ein wertvoller Indikator für flüssiges Wasser, schreibt auch der US-Planetologe John Spencer vom South-West Research Institute in Denver in seinem Kommentar für „Nature“. Denn das Alkalimetall sei vergleichsweise leicht wasserlöslich und könne durch seine charakteristische Reflexion im orangen Bereich des sichtbaren Lichts leicht erkannt werden. Ins Wasser gelangt Natrium aber nur durch längeren Kontakt von flüssigem Wasser zu einer Gesteinsunterlage. Wenn also die Fontänen am Südpol des Mondes auch Salzwasser enthalten, muss es unterhalb der Eisoberfläche größere Mengen flüssigen Wassers geben.

Rund sechs Prozent der von Cassini eingesammelten Proben bestand aus Salzwasser und sie sind genauso zusammengesetzt, wie Mitglieder von Postbergs Arbeitsgruppe bereits im vergangenen Jahr vorhergesagt hatten. Jürgen Schmidt von der Universität Potsdam und Nikolai Brilliantov von der Universität Leicester hatten damals modelliert, wie ein möglicher Ozean auf Enceladus zusammengesetzt sein könnte - die Cassini-Proben haben das Modell jetzt bestätigt.

Der Saturnmond Enceladus, aufgenommen mit dem NASA-Raumsonde CASSINIAllerdings berichtet eine zweite Astronomengruppe in einem parallel in „Nature“ erscheinenden Aufsatz, dass sich das Natrium in einiger Entfernung von Enceladus nicht mehr nachweisen lasse. Die Forscher hatten mit Erdteleskopen den so genannten E-Ring des Saturn untersucht, der gemeinhin auf die Wasserfontänen des Enceladus zurückgeführt wird. Dort hatten die Wissenschaftler um Nicholas Schneider von der Universität von Colorado in Boulder, keinerlei Spuren von irgendwelchen Salzen gefunden. Sie bezweifeln daher, dass ein Ozean mit größeren Salzanteilen die Quelle der Wasserpartikel von Enceladus sein kann. Wenn er doch vorhanden sei, dann müsse er sich in größerer Tiefe befinden. Alternativ käme auch festes oder partiell geschmolzenes Eis des Saturnmondes als Quelle in Frage.

Die Forscher geben allerdings auch zu, dass man im Fall des fernen Saturnmondes auch an die Grenzen der Technik stößt. „Die derzeit vorhandenen Daten könnten unzureichend sein, um die Frage nach der Quelle zu beantworten“, schreiben sie in ihrer Veröffentlichung. Kommentator John Spencer glaubt, dass sich beide Veröffentlichungen nicht widersprechen. Die Anzahl der Salzwassertröpfchen in den Fontänen sei zu gering, um mit Erdinstrumenten gemessen zu werden, offenbar, so der US-Planetologe, gäbe es auf Enceladus einen Prozess, der das Natrium beim Austritt des Wassers zurückhalte.

Die US-Raumsonde Cassini hat also noch viel zu entdecken, wenn sie zu Enceladus zurückkehrt. Bis Mitte des kommenden Jahres sind noch vier weitere Besuche geplant. Sollte die Nasa die Cassini-Mission bis 2015 verlängern, wären zwölf weitere Stippvisiten möglich.

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