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Ozeane schnappen nach Luft

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 22.06.2009 10:26

Die Ozeane geraten durch den menschlichen Treibhausgasaustoß an mehreren Fronten unter Druck: Zur ansteigenden Versauerung kommt jetzt noch ein sinkender Sauerstoffgehalt – auch er wird durch die Klimamodelle vorhergesagt. Die Gründe sind vielfältig, doch sie haben alle mit der steigenden Wassertemperatur zu tun.

„Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff als kaltes“, nennt der Ozeanograph Lothar Stramma vom Kieler Meeresforschungsinstitut IFM-Geomar den Hauptgrund. Allerdings sinkt der Sauerstoffgehalt nicht gleichmäßig, obwohl die Modelle das mit ihren globalen Aussagen suggerieren. Tatsächlich gibt es sauerstoffreiche und sauerstoffarme Regionen in den Weltmeeren. „Die Mangelgebiete liegen typischerweise im Osten der Ozeanbecken“, berichtet Strammas Koautorin Janet Sprintall vom Scripps-Institut für Ozeanographie in La Jolla, Kalifornien.

Sauerstoffmangel im AtlantikIm Pazifik liegt das Gebiet vor der Westküste Südamerikas, im Atlantik vor derjenigen Afrikas. Nur im Indischen Ozean liegt die Mangelzone im Norden, zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Indischen Subkontinent. Diese Meeresgebiete haben sich die Forscher im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Klima – biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean“ näher angesehen, und offenbar geht es dort noch einmal drastisch bergab mit dem Sauerstoffgehalt.

Da zeigte sich, dass in manchen dieser Regionen die Konzentration des lebensnotwendigen Gases in den vergangenen 50 Jahren um bis zu 15 Prozent abgenommen hatte. „Gleichzeitig dehnten sich diese Zonen vertikal in der Wassersäule aus“, so Sprintall. Befand sich früher der obere Rand dieser sauerstoffarmen Zonen in rund 300 Metern Tiefe, so reichen sie jetzt bis in 150 Meter Tiefe hinauf. Insgesamt, so schätzen die Forscher, hat die Ausdehnung dieser Zonen um 85 Prozent zugenommen. „Das hat unsere Erwartungen übertroffen“, kommentiert die Forscherin. Insbesondere im Atlantik stellten die Forscher einen beschleunigten Sauerstoffabbau fest. In diesem Ozean war der Mangel in der Mangelzone schon bislang nicht so ausgeprägt wie im Pazifik und im Indischen Ozean, und dort ist auch den jüngsten Zahlen zufolge die Situation immer noch etwas besser. Der Grund ist nicht ganz klar, dürfte aber, Lothar Stramma zufolge, mit den Meeresströmungen zusammenhängen.

In den Sauerstoffmangelgebieten des Pazifik und des Indischen Ozeans lässt sich besichtigen, was passiert, wenn der Gehalt an lebensspendendem Gas unter einen kritischen Wert fällt: „Dort passiert ein Umschlag in der Biogeochemie“, so Stramma, „dort wird nicht mehr Sauerstoff abgebaut, oder veratmet wird, sondern Nitrat.“ Höhere Organismen können in diesen Zonen schon lange nicht mehr leben und die vorherrschenden Einzeller stellen ihren Stoffwechsel entsprechend auf Nitratveratmung um. Beide Zonen sind daher die einzigen im Weltmeer, wo in großem Maßstab Nitrat zerstört wird. „Nitrat ist aber einer der wichtigsten Nährstoffe, die für die biologische Produktion notwendig sind“, erklärt der Ozeanograph weiter. Eine Ausdehnung dieser Nitratsenken in den Ozeanen könnte daher gravierende Folgen für das Leben in den Weltmeeren haben. „Es könnte weniger Fotosynthese und biologische Prozesse im Oberflächenwasser geben“, meint Stramma, „und das hätte auch wieder die Folge, dass weniger Kohlenstoff im Ozean fixiert wird.“ Und das drehte die Klimaspirale erneut um eine Drehung weiter.

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