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Perm

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 11.09.2007 20:05

Das Massenaussterben am Ende des Perms war das größte in der Erdgeschichte. Vor 250 Millionen Jahren starben etwa 95 Prozent aller bekannten marinen Arten und rund 70 Prozent aller bekannten landlebenden, darunter auch viele säugetierähnliche Reptilien, die Therapsiden. Diese Ahnen der Säugetiere waren damals die Herrscher der Kontinente, die der Saurier spielten keine Rolle, sondern lebten bescheiden am Rand.

Als das Perm zu Ende ging, waren alle Kontinente zu einer einzigen, gigantischen Landmasse verschmolzen, die vom Nord- bis zum Südpol reichte, zu Pangäa. Während das Landesinnere von einer gewaltigen Wüste beherrscht wurde, hatte es das Leben an den Rändern leicht. Riesige Bärlappwälder gingen in weite Steppen über, überall krabbelten und flogen große Insekten, die von Reptilien gejagt wurden. Das Leben hatte sich weitgehend vom Wasser emanzipiert. Die Therapsiden hatten sich den Kontinent erobert.

Manche von ihnen hatten gelernt, vegetarisch zu leben, es gab Insekten- und vor allem Fleischfresser. Ihr Schädel war so gebaut, dass das Gehirn wachsen konnte. Ihre Beine wurden länger, das war gut für die schnelle Jagd. Einige von ihnen waren wohl schon teilweise warmblütig, konnten ihre Körpertemperatur also selbst regulieren. Auch das ist ein großer Vorteil bei der Jagd. Noch ein paar Millionen Jahre weiter, und die ersten Säugetiere wären über die Erde gelaufen. Doch es sollte anders kommen: Vor 251 Millionen Jahren unterbrach das schlimmste Massenaussterben der gesamten Erdgeschichte ihre Evolution. Die Therapsiden wurden fast vollständig ausgelöscht.

Eigentlich gab es damals zwei Krisen, die etwa 10 Millionen Jahre weit auseinanderliegen. Über das etwas ältere Desaster ist kaum etwas bekannt, nur, dass es die Tiere im Meer traf und anscheinend etwas mit einem rasch fallenden Meeresspiegel zu tun hatte. Ob an Land etwas passiert ist, ist unklar. Dieser erste Schlag hatte keine langfristigen Konsequenzen Danach sahen die Lebewesen auf der Erde nicht wesentlich anders aus als zuvor. Aber dann kam der zweite Schlag - und der hatte es in sich. Die Folgen dieses größten Massenaussterbens aller Zeiten können wir heute noch an den Tieren und Pflanzen ablesen, die mit uns den Planeten teilen. Die Überlebenden von damals haben eine vollkommen neue Welt geschaffen. Vor 251,5 Millionen Jahren starben mehr als 95 Prozent aller Tierarten im Meer und mehr als 75 Prozent aller Arten an Land aus (jedenfalls von denen, die wir als Fossilien kennen). Am Ende sollen - je nach Schätzung - nur noch 45.000 bis 240.000 Arten auf der Erde gelebt haben.

Brachiopoden, wie hier die überlebende Lingula wurden durch das Massenaussterben im Perm drastisch dezimiert. Foto: Wikipedia Der Auslöser des großen Sterbens ist umstritten. Klar ist, dass alles sehr schnell ging, vielleicht innerhalb von 100.000 Jahren, so zeigen es neue Datierungen. Die derzeit wahrscheinlichste Theorie geht davon aus, dass der größte bekannte Vulkanausbruch aller Zeiten in die Geschichte verwickelt war. "Vor 251 Millionen Jahren schoss der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre in die Höhe, genau zu der Zeit, als die Sibirischen Trapps ausgebrochen sind", beschreibt es David Bottjer von der University of Southern California in Los Angeles. Es handelt sich dabei um einen Ausbruch von Flutbasalten, einen Ausbruchtyp, den die Menschheit noch nicht in voller Größe erlebt hat. Sonst gäbe es sie nicht mehr. Als nach dem Ende des Perm die Trias begann, war aus der Erde ein Wüstenplanet geworden. "Diese Flutbasalte schufen Bedingungen in der Atmosphäre, die durchaus dem gleichen, was uns heute beunruhigt. Die Eruptionen setzten sehr viel Kohlendioxid frei, und das Ergebnis war ein Treibhauseffekt, der die Temperaturen weltweit nach oben springen ließ", fährt Bottjer fort. Zwischen drei und zehn Grad betrug der zusätzliche Treibhauseffekt. Das muß eine ganze Kaskade von Reaktionen ausgelöst haben, davon ist er mittlerweile überzeugt: "Es ist ein komplexes Geschehen. Heizt sich die Atmosphäre stark auf, erwärmen sich die Meere, und die Meeresströme verlieren an Fahrt. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff in die tieferen Meeresschichten. Gleichzeitig arbeiten Wind und Wellen das CO2 aus der Luft auch ins Meer ein und verändern seine Chemie. Durch die erdgebundenen Prozesse eines Vulkanausbruchs startet also eine für das Leben toxische Zeit, bei der nur wenige Organismen überleben."

In Sibirien waren 1,6 Millionen Kubikkilometer Basalt ausgeflossen - nicht gleichmäßig, sondern über eine Million Jahre hinweg, in gewaltigen Pulsen, die die Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre überforderten. Die Menge Basalt reicht aus, um die ganze Erde mit einer 30 Zentimeter dicken Schicht zu bedecken, so Bottjer. Gegen einen solchen Ausbruch nimmt sich der des Pinatubo wie ein Streichholzfunke aus. Außerdem setzten die Eruptionen Unmengen an Schwefel frei, der als saurer Regen auf die Erde fiel: Die Chemie des Planeten geriet weiter aus dem Gleichgewicht, die Böden versauerten. Wenn große Mengen an Flutbasalten ausbrechen, geht es dem Leben sehr schlecht. So etwas könnte einen Umwelteffekt hervorrufen, der einige Millionen Jahre lang anhalten. Außerdem hat das Magma in Sibirien Kalkschichten und Kohlelagerstätten regelrecht gekocht. Mehr und mehr Kohlendioxid und Methan dampften heraus. Die Temperaturen kletterten weiter - in der Atmosphäre und auch in den Meeren. Das könnte Methaneisknollen im Meeresboden zum Schmelzen gebracht haben, so die Theorie weiter.

Die gewaltigen Methanmengen, so glauben die Geologen heute, heizten dem Treibhaus Erde weiter ein. Dazu kam dann ein zweiter, noch gefährlicherer Effekt. In der Luft oxidiert Methan zu Kohlendioxid - was viel Sauerstoff verbraucht. Tatsächlich zeigen die Analysen, daß vor 250 Millionen Jahren der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre und im Ozean deutlich absank. "Betrachtet man das Muster des Aussterbens, müssen in den Meeren die Veränderungen in der Chemie tödlich gewesen sein. Das vergiftete Wasser scheint aus der Tiefsee aufgestiegen zu sein. Es ist erstaunlich, wie effizient das Töten war: Die Brachiopoden beispielsweise haben einen Schlag erhalten, von dem sie sich nie wieder erholten", so Bottjer.

Treibhauseffekt, saurer Regen, Sauerstoffmangel: Bedrohung addiert sich zu Bedrohung: Je mehr es sind, desto schwieriger das Überleben. Die Flutbasalte Sibiriens wären dieser Theorie zufolge der "Trigger", die Veränderungen im Klima und im Meer die "Killer".

Als die Meerestemperaturen stiegen und sich das Wasser mehr und mehr veränderte, starben die Riffe. Damit verschwand ein ganzer Lebensraum aus dem Ozean. Keine der alten Korallen, keiner der alten Schwämme überlebt. Stattdessen taucht etwas auf, was seit Urzeiten vergessen scheint: Bakterienriffe. Mikroben türmen am Meeresgrund hohe Mauern und Hügel auf, denn es gibt niemanden mehr, der sie abgrasen könnte. Der Ozean verwandelte sich in eine bizarre Bakterienwelt, in der Einzeller in dicken Schleiern waberten.