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Roter Planet mit hellen Punkten

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 19.06.2009 11:17

Der Mars hat möglicherweise doch Bedingungen geboten, unter denen sich Leben hätte entwickeln können - allerdings nur vorübergehend und örtlich stark begrenzt. Ein Team aus den USA und aus Frankreich hat Spektralbilder der US-Marssonde Reconnaissance Orbiter von der Umgebung des Einschlagskraters Isidis Planitia genau untersucht und dort Hinweise auf Magnesiumkarbonat oder Magnesit gefunden. Karbonate entstehen nur, wenn das beteiligte Wasser nicht sauer, sondern neutral bis leicht alkalisch ist. Diese Voraussetzung gilt auch, damit sich Leben entwickeln kann. Die Forscher publizieren ihre Erkenntnisse in „Science“ und stellen sie auf der Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union in San Francisco vor, die derzeit stattfindet.

Nahaufnahme Nili FossaePlanetenmodelle unseres Roten Nachbarn produzieren regelmäßig Ergebnisse, in denen Kalkstein eine Rolle spielt, doch die geballte Armada irdischer Raumsonden und Landefahrzeuge hat bisher keinerlei Anzeichen für große Kalksteinvorkommen gefunden. Einzig ein bisschen Kalkstaub hat der US-Rover „Spirit“ im Gusev-Krater entdeckt, doch der dürfte von irgendwoher angeweht worden sein, die Quelle bleibt unbekannt. Jetzt haben Planetologen um Bethany Ehlmann, Postgraduate-Studentin der Brown-Universität im US-Bundesstaat Rhode Island, einige Bilder der Umgebung von Isidis Planitia näher untersucht, die der Mars Reconnaissance Orbiter geschossen hat. Isidis Planitia ist ein großer Einschlagskrater am Rand der riesigen Tiefebene Utopia Planitia auf der Nordhalbkugel des Mars. Auf diesen Aufnahmen entdeckten sie Spektren, die für Magnesit sprechen, ein Mineral aus Magnesium und Karbonat.


Es sind immer noch keine so gewaltigen Vorkommen, wie sie auf der Erde etwa die Dolomiten oder die Weißen Klippen von Dover darstellen, aber trotzdem zeigen die Magnesit-Signale, die die Forscher in einem Gebiet von über zehn Quadratkilometern feststellten, die ersten Kalksteinvorkommen des Roten Planeten an. Sie befinden sich in den Nili Fossae, einem System von Gräben und Spalten westlich des Isidis-Einschlagskraters und nordöstlich des Schildvulkans Syrtis major, das ohnehin schon mit vielfältigen Gesteinen und Mineralen aufgefallen ist. Kleinere Magnesiumkarbonat-Vorkommen fanden Ehlmann und ihre Kollegen auch in Tyrrhena Terra und den Libya Montes, die südlich von Isidis Planitia liegen.


ehlmann1HR.jpgDer Magnesit stammt offenbar aus dem Übergang zwischen dem ersten Marszeitalter, dem nach Noah benannten Noachian, und dem zweiten Hesperian genannten, also aus einer Zeit vor 3,8 bis 3,5 Milliarden Jahren. Damals soll der Mars allgemein vergleichsweise warm und vor allem ziemlich feucht gewesen sein. Dieses allgegenwärtige Wasser war zumindest in den Nili fossae neutral oder alkalisch genug, dass sich Karbonate bilden und auch erhalten konnten.


Anzeichen für die auf der Erde typischen dicken Kalksedimente fanden die Forscher allerdings nicht. Stattdessen dürfte der Magnesit entweder mit Hilfe von Grundwasser gebildet worden sein, das durch das Muttergestein Olivin tröpfelte, oder entlang von Klüften und Spalten im Olivin, durch die Wasser strömte. „Magnesit ist hier die dominante Signatur“, erklärt Bethany Ehlmann, „allerdings finden wir auch Tonspuren und Anzeichen für Bitterspat, also Magnesiumkarbonat mit Kristallwasser und sogar für Breunerit, bei dem Eisen in die Magnesiumkarbonate eingelagert ist.“


Von allen bisher entdeckten Milieus auf dem Mars, dürften solche die bisher bestmöglichen Bedingungen für die Entstehung von Leben auf dem Mars bieten. Allerdings existierten auch sie nur in einem sehr schmalen Zeitfenster, das sich spätestens vor drei Milliarden Jahren schloss.

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