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Stürmische Aussichten

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 02.01.2008 14:46

Richtige weiße Weihnachten wird es in diesem Jahr auch wieder nur an wenigen Orten in Deutschland geben. Seit rund drei Jahrzehnten geht das schon so, sind die Winter nicht mehr das, was sie einmal waren. Weniger Schnee, weniger Kälte, aber dafür mehr Stürme, so sieht der Trend hierzulande und im Rest Europas aus. Sogar in Nordamerika verläuft die Entwicklung ähnlich.

Im vergangenen Winter tobte der Orkan Kyrill über Europa hinweg und sorgte für schwere Verwüstungen. Auch Nordamerika wurden von starken Stürmen heimgesucht – und zwar von doppelt so vielen, wie in den Wintern der vergangenen 70 Jahren zuvor. John Fyfe vom Kanadischen Zentrum für Klimamodellierung und – analyse in Victoria hat für den aktuellen IPCC-Bericht die Stürme analysiert: “Wir haben alle Stürme gezählt, die auf beiden Hemisphären verzeichnet wurden und sind dabei zurück bis in die 40er gegangen.

Die Gesamtzahl ist demnach leicht zurück gegangen, aber die Zahl der starken Stürme ist gestiegen.” Als die Geophysiker diese Entwicklung mit Modellen nachvollziehen wollten, gelang ihnen das nur, wenn sie den dem Menschen zugeschriebenen Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre berücksichtigten. Ohne das zusätzliche Treibhausgas veränderte sich bei Anzahl und Stärke der Stürme nichts. „Das dürfte bedeuten“, so Fyfe, „dass wir Menschen für die Vermehrung der starken Stürme verantwortlich sind.“ Die Klimaforscher vermuten, dass sich die Zahl der Stürme verringert, weil das Temperaturgefälle zwischen dem Äquator und den Polen bei steigenden Atmosphärentemperaturen verringert. „Gleichzeitig wirkt jedoch noch ein anderer Effekt“, so Fyfe, „je wärmer es wird, umso mehr Wasser verdampft und damit steigt die Menge an latenter Energie in der Atmosphäre. Diese latente Energie speist die Gewalt von Gewitterstürmen, und deshalb werden, so glauben wir, die Winterstürme stärker und stärker.“

Bis 2100 soll die Zahl der wirklich schlimmen Orkane den Modellen zufolge um 20 Prozent steigen und, so John Fyfe, „auch die Sturmbahnen verlagern sich“. In Australien hat das drastische Auswirkungen, denn hier haben die alljährlichen Stürme vor allem auch Niederschläge gebracht. Wasser aber ist etwas, das der fünfte Kontinent dringend braucht. Fyfe: „Australien leidet immer stärker unter sehr langen Dürren. Wir denken, dass das daran liegt, dass nun der Regen fehlt, den die Stürme früher brachten, denn die Sturmbahnen verlaufen nun seltener über den Kontinent, sondern weiter südlich.“ Inzwischen ist die Lage für die australische Landwirtschaft bedrohlich geworden. Immer mehr Farmer müssen infolge der regelmäßigen Dürren aufgeben, sogar der Weinanbau in den gemäßigten Zonen des Südens gerät in Bedrängnis. Und die Buschbrände nehmen immer gewaltigere Ausmaße an.

Auf der Nordhalbkugel seien die Bahnverlagerungen geringer, meint John Fyfe, „und wir verstehen nicht, woher der Unterschied kommt“. Die Stürme werden also weiterhin Europa von Nord nach Süd bestreichen, kombiniert mit der erhöhten Zahl der starken Stürme bedeutet das jedoch unbehagliche Aussichten.