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Tierische Konkurrenz für Bakterien

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 27.06.2014 15:09

Das Phänomen Riff reicht weit in die Erdgeschichte zurück. Schon die Bakterien nutzen die Methode, sich mit Kalk und Sandkörnchen eine bessere Position zu verschaffen. Später versuchten sich unterschiedlichste Meerestiere damit - von den Korallen bis hin zu den Muscheln. Nun haben Geologen in Südnamibia ein Riff entdeckt, dass es auf fast 550 Millionen Jahre bringt. Und das Besondere daran ist, dass es von den ersten uns bekannten Tieren mit einer harten Schale gebaut worden ist. In der neuen Science steht mehr.

Ausschnitt des versteinerten Cloudina-Riffs aus dem Ediacarium. (Bild: Science/Fred Bowyer)Vor 547 Millionen Jahren bedeckte ein Ozean den Süden Namibias. In ihm wuchsen große Bakterienriffe, die noch heute als Hügel in der Landschaft sichtbar sind. Es war das Ediacarium, das Zeitalter, bevor im Kambrium zahlreiche vielzellige Arten scheinbar wie aus dem Nichts auftauchten. Vielzellige Tiere waren selten und noch seltener waren solche mit einem stabilen Außenskelett. Der Pionier war Cloudina. Ihre Fossilien sehen aus, als hätte jemand winzige Eistüten mehr oder weniger ordentlich übereinander gestapelt. Cloudina baute ihre Außenskelette aus Calciumcarbonat. Was ihre Einordnung angeht, könnte sie zu den Nesseltieren gehören, also entfernt verwandt sein mit Korallen oder See-Anemonen. Sicher ist das jedoch nicht. Das Tier selbst war winzig, lebte wohl im obersten „Hörnchen“ seines Stapels. 

Geländearbeit in der Nama-Formation in Namibia. (Bild: Science/Rachel Wood)„Im vergangenen Dezember haben wir auf einem sieben Kilometer langen und etwa 300 Meter mächtigen Bakterienriff ein kleines, aufgesetztes Riff gefunden, das von Cloudina aufgebaut worden war“, erzählt Amelia Penny von der University of Edinburgh. Damit verdient sich Cloudina nicht nur den Rang des ersten Tiers mit Außenskelett, sondern sie hat auch als erste mit dem Riffbau begonnen: „Wenn Sie zu diesem Riff getaucht wären, hätten sie auf dem großen von Bakterienmatten aufgebauten Komplex „Tupfen“ von Cloudina-Riffen gesehen.“ Die waren eher klein, vielleicht einen Meter weit und einen halben Meter hoch. Cloudina nutzte das Bakterienriff als harte Unterlage für ihren eigenen Riffbau: Sie schied dabei nicht nur das für den Aufbau ihres Skeletts notwendige Calciumcarbonat ab, sondern bauten damit auch kleine Brücken, mit denen sie sich zu einer starren Struktur verband.

Die Fundstelle des Cloudina-Riffs: Driedoornvlagte in Namibia. (Bild: Science/Fred Bowyer)Fossilien von Cloudina finden sich in den entsprechend alten Schichten rund um die Welt. Dass sie Riffe aufbauten, ist bislang jedoch nur dieses erste Mal in Südnamibia gesehen worden. Etwas muss sie zur Verhaltensänderung gezwungen haben: „Für Tiere bringt der Bau eines Riffs wahrscheinlich drei große Vorteile", meint Penny, "zunächst einmal bietet es einen gewissen Schutz vor Räubern. Das wäre ein interessanter Grund, denn es ist nicht viel über räuberisch lebende Tiere im Ediacarium bekannt.“ Zweitens könnten sich Riffbildner im Kampf um den besten Siedlungsplatz besser durchsetzen, erklärt Amelia Penny, und drittens sei ein durch das Riff erhöhter Platz für kleine Tiere wie Cloudina praktisch, die ihre Nahrungspartikel aus dem Wasserstrom filterten. Denn die Cloudina-Kolonie zeigt eine bevorzugte Wachstumsrichtung. Das könnte daran liegen, dass sie sich nach der Strömung ausrichtete.

Welcher Vorteil jedoch ausschlaggebend war oder ob alle drei gleich wichtig waren, ist offen. Cloudina hat mit dem Riffbau vor der Entwicklung der komplexen Tierwelt begonnen. Die Selektionsmechanismen, die damals herrschten, seien noch nicht wirklich verstanden, erklärt Amelia Penny, vielleicht sind noch nicht einmal alle bekannt. Und so wird in der nächsten Grabungssaison weitergesucht.

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