Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Wissen Unglückliche Mutter

Unglückliche Mutter

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 24.01.2011 14:16

Zentrales Kennzeichen der Wirbeltiere ist, dass es bei ihnen zwei Geschlechter gibt. Der Unterschied zwischen Männchen und Weibchen kann dabei wie bei Tigern oder Hunden kaum sichtbar sein, oder wie bei vielen Vögeln, Gorillas oder Löwen sehr auffällig sein. Für ausgestorbene Tiere ist die Geschlechtsbestimmung häufig schwierig, um so wichtiger sind in dieser Hinsicht eindeutige Fossilien. Eines davon präsentieren Paläontologen jetzt in der Wissenschaftszeitschrift "Science". Es handelt sich um eine Flugsauriermutter mitsamt ihrem Ei.

Darwinopterus-Weibchen, fossilEs war ein schlechter Tag für die werdende Mutter - und gleichzeitig der letzte für sie und ihr Ei. Das Darwinopterus-Weibchen, ein rund einen Meter großer Flugsaurier aus dem mittleren bis oberen Jura, wurde offenbar mitten im Flug von einer Windböe oder einem Sturm überrascht und vom Himmel geholt. Flugsaurier waren nur in der Luft elegant, am Boden krochen sie, nach allem was man weiß, mehr als unbeholfen herum, bis sie wieder starten konnten. Das Darwinopterus-Weibchen machte da keine Ausnahme, hatte sich zudem durch den Sturz wohl einen Flügel gebrochen und war obendrein noch im Matsch gelandet. Für Mutter und Ei bedeutete das das Ende, nur um rund 160 Millionen Jahre später als sensationeller Fossilfund aus der sowieso schon so ergiebigen chinesischen Provinz Liaoning im Wissenschaftsmagazin "Science" porträtiert zu werden.

Fossiles Ei"Ein Fossil, bei dem wir das Geschlecht mit Sicherheit bestimmen können, ist extrem selten", erklärt David Unwin von der Universität Leicester, einer der Autoren, "für Flugsaurier ist es das erste Mal." Zwar ist mancher Paläontologe, etwa Kevin Padian von der Universität von Kalifornien in Berkeley gegenüber "Science", noch nicht überzeugt, dass Unwin und seine chinesischen Kollegen tatsächlich ein Ei gefunden haben, aber falls es so ist, könnte Mrs. T, wie das Fossil von seinen Entdeckern genannt wurde, gleich eine Reihe von Fragen beantworten: Etwa die nach dem Sexual-Dimorphismus, also ob sich Männchen und Weibchen voneinander unterscheiden. Bei den Darwinopteri gab es offenbar große Unterschiede zwischen den Geschlechtern, denn Mrs. T hat keinen Kamm, wie die bisher gefundenen Vertreter der Gattung, sie hat dafür ein breites Becken.

Fossil Darwinopterus"Das Ei ist relativ klein und hat eine weiche, pergamentartige Schale, genau wie das Reptilienei", erklärt Unwin, "und völlig anders als die großen Vogeleier mit harter Schale." Die Autoren schätzen, dass das Ei nur sechs Gramm wog, verglichen mit geschätzten 110 bis 220 Gramm Körpergewicht, die die geschlechtsreifen Tiere haben konnten. Die Flugsaurier scheinen auch weniger wie Vögel gebrütet zu haben, stattdessen legten sie ihr Ei nach Unwins Ansicht wohl eher so ab, wie es viele Reptilien immer noch tun: Auf die Erde, mehr oder weniger gut von Erdreich bedeckt und weitgehend sich selbst überlassen. Konsequenterweise dürften die schlüpfenden Darwinopteri daher bereits flugfähig gewesen seien.

Verweise
Bild(er)