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Viel Geld für angewandten Klimaschutz

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 20.11.2007 10:28

Das Jahr 2007 steht im Zeichen des Klimawandels. Im ersten Halbjahr dominierte der Klimafolgen-Expertenrat der UN, das IPCC, die Schlagzeilen mit seinem 4. Sachstandsbericht. Zum Jahresende treffen sich in Bali die Staats- und Regierungschefs der Welt zum Klimagipfel, um die Beratungen über eine Strategie nach dem Ende des Kyoto-Protokolls einzuleiten. Zwischendrin erhielt das IPCC zusammen mit dem zum Klimaaktivisten avancierten ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore den Friedensnobelpreis. Bei all den internationalen Großereignissen gerieten die Bemühungen der Bundesregierung etwas ins Abseits.

Dabei hatte Bundesforschungsministerin Annette Schavan im Mai eine Diskussion darüber initiiert, wie man mit Forschung und Hightech dem Klimawandel begegnen könne. Auf dem zweiten Klima-Forschungsgipfel in Berlin, auf dem die Ergebnisse dieser Diskussion bekanntgegeben wurden, signalisierte Schavan auch direkt, worauf diese Forschung gerichtet sein wird: „Wirtschaftsleben unter dem Vorzeichen der Nachhaltigkeit heißt nicht Verzicht, sondern intelligentere Lösungen.“ Nicht Klimaforschung im Sinne reiner Erkenntnis um das Wesen und die Veränderungen des Klimas war der Gegenstand der beiden Gipfel. Stattdessen Klimaforschung als markt- und produktorientierte Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Mit effizienteren Produkten und Lösungen soll Kohlendioxid eingespart werden, damit man die Reduktionsziele von 20 oder 30 Prozent bis 2020 oder gar die von Klimaforschern geforderten 50 bis 60 Prozent bis zur Jahrhundertmitte erreichen kann. Dafür wird das Forschungsministerium in den kommenden fünf Jahren rund ein Milliarde Euro in der Erwartung zur Verfügung stellen, dass die Privatwirtschaft für jeden Euro Bundesmittel bis zu fünf eigene Euro investiert. Am Ende sollen Produkte stehen, die dem Klimaschutz dienen und deshalb auf dem Weltmarkt reüssieren können. „Die Hightech-Strategie fördert die schnellere Umsetzung, sie verbindet Klimaschutz mit Innovationen, die Arbeitsplätze schaffen und Wohlstand sichern“, begründete Schavan den Ansatz.

Vehikel dieser neuen Art von Klimaforschungsförderung sind Innovationsallianzen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, die ganz konkrete Entwicklungsziele verfolgen. Vier davon gibt es bereits, und einige mehr sollen folgen. „Der Markt entscheidet letztlich, was Innovationen sind“, erklärte Professor Joachim Milberg, Präsident des Konventes für Technikwissenschaften acatech. Und der Markt soll nicht nur Deutschland sein, sondern die Welt. Denn: „Deutschland hat einen Anteil von zwei Prozent am globalen Kohlendioxidausstoß, da wirken sich selbst drastische Verbesserungen nur hinter dem Komma aus“, erklärte Professor Hermann Requardt, Leiter Corporate Technology von Siemens. Klimaschutztechnologien sollen daher deutsche Exportschlager werden, und das BMBF engagiert sich mit der Hightech-Strategie genau auf diesem Feld. Orchestriert wird dieses Engagement von einer Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Die Verfasser erwarten, dass in den kommenden Jahrzehnten eine fünfstellige Milliardensumme weltweit in den Klimaschutz investiert werden wird und der Markt bis 2030 um durchschnittlich acht Prozent im Jahr wachsen wird. „Deutschland wird sich von diesem Kuchen ein ganz großes Stück abschneiden“, sagte HWWI-Chef Professor Thomas Straubhaar anlässlich der Vorstellung.

Die BMBF-Milliarde kommt dabei keineswegs nur Großunternehmen zugute, kleine und mittlere Unternehmen der Industrie und des Handwerks sollen an den Innovationsallianzen gleichermaßen teilnehmen. Parallel zu den BMBF-geförderten Innovationsallianzen stellten Banken und Versicherungen ihre Initiative eines „Finanz-Forums Klimawandel“ vor. Angestrebt wird ebenfalls eine Internationalisierung der Allianzen.