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Vulkan angebohrt

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 05.01.2009 17:02

Eine unerwartete Begegnung mit dem Magma des Kilauea hat ein Geothermieprojekt auf Hawaii in Schwierigkeiten gebracht. In nur 2,5 Kilometern Tiefe traf der Bohrkopf, der die Speisebohrung für das Puna-Geothermie-Projekt ins Vulkangestein fräste, auf 1050 Grad heißes Material, zu erwarten wären in dieser Tiefe nur 350 Grad. Durch die unerwartete Hitze verlor der Bohrkopf viele seiner Zähne aus extrem hartem Karbid, mit denen das Gestein zermahlen wird, und der gesamte Bohrstrang wurde in Mitleidenschaft gezogen. Um fünf bis zehn Meter stieg das Magma das Bohrloch empor, bevor es beim Kontakt mit der kalten Bohrflüssigkeit erstarrte.

Der jüngste Ausbruch des Kilauea vom November 2004Dennoch war Bruce Marsh, Geologieprofessor an der Johns-Hopkins-Universität in Maryland an der US-Ostküste geradezu entzückt über das Missgeschick: „So etwas habe ich noch nie gesehen, damit erhalten wir die außergewöhnliche Gelegenheit, Magma in seiner natürlichen Umgebung zu untersuchen.“ Gewöhnlich lernen Wissenschaftler Magma erst kennen, wenn es als Lava aus dem Vulkan ausströmt - dann aber ist es abgekühlt, hat bereits Gase und Dämpfe verloren.


Der Zufall wollte es zudem, dass die Bohrmannschaft ein ganz außergewöhnliches Magma anzapfte, zumindest für den Vulkanarchipel Hawaii. 90 Prozent der Inselkette besteht aus eisenreichem Basalt, aus dem die einfache Ozeankruste auch besteht. Teile des Magmas im Bohrloch ähnelten jedoch viel stärker Granit, dem Material, aus dem die Kontinente zum größten Teil bestehen. Granit besteht zu 75 Prozent aus Quarz, Basalt nur zu 50 Prozent, das Magma aus dem Bohrloch lag bei 67 Prozent. Weil das Kontinentalmaterial leichter ist als das der einfachen Krustenplatten, schwimmen Kontinente fast wie Schaumkronen über die Erdoberfläche.


Der Kilauea auf der Hauptinsel von Hawaii bei seinem jüngsten Ausbruch im November 2004Da in dem erstarrten Gestein im Bohrloch sowohl Basalt als auch granitisches Material gefunden wurde, gehen die beteiligten Wissenschaftler davon aus, dass sie einen Umwandlungsprozess von einfacher basaltischer Kruste in komplexere kontinentale Kruste beobachtet haben. „So könnte es ausgesehen haben, als sich Kontinente auf der Erde bildeten“, so Marsh. Überraschend war auch, dass das Magma nur wenig Gasblasen enthielt.


Die ehemalige Geothermiebohrung soll jetzt in ein geologisches Observatorium umgewandelt werden. Der Rest des Puna-Projektes liefert dagegen planmäßig Strom - rund ein Fünftel der auf der Großen Insel des Archipels benötigten Elektrizität wird hier gewonnen.