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Wasser für die Welt

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 19.06.2009 13:11

Das 21. Jahrhundert wird im Zeichen des Wassers stehen. Wasserknappheit gibt es in vielen Regionen der Welt bereits heute und die Situation wird sich noch verschärfen, weil mehr Menschen mit höherem Verbrauch um schwindende Ressourcen konkurrieren werden. So blau unser Planet von außen aussieht, so gering ist der genießbare Anteil am Gesamtwasseraufkommen. 96,5 Prozent davon sind nämlich salzig und können nur mit erheblichem Technik- und Energieaufwand trinkbar gemacht werden. Von den 3,5 Prozent Süßwasser sind mehr als zwei Drittel, nämlich 2,4 Prozent in den Eiskappen an den Polen und in den Gletschern gespeichert und stehen daher auch nur eingeschränkt zur Verfügung. Von den übrig bleibenden 1,1 Prozent hängt alles Leben auf dem Planeten ab.

Austrocknende WasserpfützenBereits heute wird nach UN-Angaben rund eine Milliarde Menschen nicht ausreichend mit Trinkwasser versorgt. Dafür wird die Bevölkerung bis 2050 auf etwa neun Milliarden Menschen anwachsen, von denen 86 Prozent in Entwicklungs- und Schwellenländern leben werden. Kein Wunder, dass sich die UN sich schon von einem ihrer Jahrtausend-Ziele verabschiedet, nämlich den Anteil der Menschen ohne ausreichend Trinkwasser zu halbieren. „Wenn sich die Entwicklung seit 1990 bis 2015 fortsetzt“, schreibt UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon  in seinem jüngsten Bericht über die „Millenium Development Goals“, „wird die Menschheit dieses Ziel um 600 Millionen Menschen verfehlen.“ Und dabei ist fraglich, ob die UN-Experten schon berücksichtigt haben, dass die Trinkwasserreserven vielerorts schon heute stärker geleert werden, als sie sich regenerieren können.

„Das für sich genommen größte Problem der Welt ist die Überbevölkerung“, betont der Public-Health-Spezialist Professor Philip Weinstein von der Universität von Westaustralien in Perth, „eine der Konsequenzen wird sein, dass wir nicht mehr genügend Süßwasser für die wachsende Bevölkerung haben.“ Derzeit kommt der größte Teil unseres Trinkwassers von der Oberfläche, nämlich aus Stauseen, Flüssen oder Seen. In Zukunft wird das nicht mehr reichen und die Menschheit muss die Grundwasservorkommen verstärkt anzapfen. Selbst in Europa wird das Oberflächenwasser knapp. “Im Grundwasser sind 1,1 Prozent des Wassers auf der Erde gespeichert“, erklärt Bo Olofsson, Professor für Umweltphysik an der Königlichen Technischen Hochschule in Stockholm, „die Menge an Wasser in Flüssen und Seen beträgt nur ein Zehntel davon, heute ist das Grundwasser also noch nicht knapp.“ Zumindest gilt das global betrachtet.
Doch gibt es Gegenden, die zeigen, wohin die Reise geht.


Pumpstation in GazaDer Gazastreifen ist so eine Region, die derzeit bereits die Folgen des Raubbaus an ihren Wasserressourcen zu spüren bekommt. Gaza ist zwar ein Extremfall, aber das muss nicht so bleiben. Der Großteil der Weltbevölkerung lebt bereits jetzt in maximal 60 Kilometer Entfernung von den Küsten der Kontinente - und dieser Trend wird sich verstärken. Denn die Küstenregionen zählen zu den fruchtbarsten, die wir zur Verfügung haben und bieten auch verkehrsmäßig oder klimatisch Vorteile. Hinzu kommt, dass sich die Menschen immer stärker zusammenballen: Seit dem vergangenen Jahr lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, und auch dieser Trend wird sich verstärken. Immer mehr Megastädte mit zehn Millionen und mehr Einwohnern werden entstehen, bevorzugt eben in den Küstenregionen. Und diese Städte werden die Trinkwasservorkommen sehr stark belasten.

Hinzu kommt, dass durch den Klimawandel das Wasserangebot in ariden und semiariden Gebieten drastisch verringert wird. Ein auf der Weltwasserwoche in Stockholm vorgestellter Technischer Bericht des Weltklimarates IPCC hat die Entwicklung der Wasservorkommen für die kommenden 100 Jahre abgeschätzt. Gaza ist wieder mit von der Partie, denn den Mittelmeerraum wird es besonders hart treffen. Mit Ausnahme von Südfrankreich und Ägypten werden alle Regionen rund ums Mittelmeer zwischen 20 und 40 Prozent ihres jährlichen Niederschlags einbüßen, für Südfrankreich und Ägypten werden Einbußen zwischen zehn und 20 Prozent prognostiziert. Ähnlich übel wie den Mittelmeerraum wird es die Anrainer von Schwarzem und Kaspischem Meer treffen, den Südwesten der USA, das südliche Afrika, Mittelamerika, Chile und die Karibik sowie den Westen Australiens.

WasserSchon heute verbrauchen viele dieser Gegenden mehr Wasser als über Niederschlag oder Flüsse und Bäche nachströmt. Diese Übernutzung geht zu Lasten der Grundwasserleiter, die sich über Jahrtausende, Jahrhunderttausende, ja sogar Jahrmillionen gebildet haben. „Ein großer Teil des Grundwassers in Regionen wie Australien, Afrika oder Arabien stammt noch aus feuchteren Zeiten der Erdgeschichte“, erklärt KTH-Wasserexperte Bo Olofsson aus Schweden, „es ist eine endliche Ressource, mit der Schluss ist, wenn sie verbraucht ist.“ Der dramatisch fallende Grundwasserspiegel auf der arabischen Halbinsel zeigt, dass in manchen Gegenden der Zeitpunkt der Erschöpfung näher rückt. Auch für den Südwesten der USA werden drastischer Wasserengpässe prognostiziert, wenn sich der Konsum auf dem derzeitigen Stand hält.

Grundwasserwiederauffüllungsanlage, Orange CountyDaher beginnen manche Kommunen in den betroffenen US-Bundesstaaten damit, die Wasserverschwendung einzudämmen. Eine solche Maßnahme des kalifornischen Landkreises Orange County wurde jetzt auf der Weltwasserwoche mit dem Industriepreis ausgezeichnet. Die Behörden dort bereiten das Abwasser so weit auf, dass es wieder zurück in den Grundwasserleiter gespeist werden kann. Sinnvoll eingesetzt werden können solche Lösungen freilich nur in Gegenden, die wie Südkalifornien weitgehend frei von Industrie oder Landwirtschaft sind.  Dennoch erwartet der wissenschaftliche Direktor des Internationalen Wasser-Instituts in Stockholm, dass es bald zahlreiche solcher Anlagen auf der Erde geben wird. „In vielen Regionen der Erde, die unter großer Trockenheit leiden, wird in Zukunft Abwasser genutzt werden müssen“, so Per-Arne Malmqvist, „es ist eine unerschöpfliche Quelle.“

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