11. Dez. 2019
Für eine BGR-Studie zum weltweiten Rutilmarkt befuhr Dr. Elsner auch Gewinnungsbetriebe in Westaustralien.

Für eine BGR-Studie zum weltweiten Rutilmarkt befuhr Dr. Elsner auch Gewinnungsbetriebe in Westaustralien.

Dr. Harald Elsner ist Wirtschaftsgeologe an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und hat in Hannover und Tallahassee, Florida, studiert. Seit vielen Jahren beobachtet er die weltweiten Märkte potenziell kritischer mineralischer Rohstoffe, aber auch für alle Fragen rund um unsere heimischen Rohstoffe ist er zuständig.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich bin über die Quartärgeologie und die Sedimentologie schon vor über 25 Jahren zum Thema Schwermineralseifen gekommen. Noch immer beschäftige ich mich mit allen Aspekten von wirtschaftlich gewinn- und nutzbaren Schwermineralen, längst aber auch mit der Wirtschaftsgeologie von Seltenen Erden, Zinn, Bismut, Edelgasen und vielen anderen Rohstoffen. Ein Großteil meiner Arbeit macht indes die Beobachtung der Märkte unserer heimischen Rohstoffe (Sand/Kies, Quarzrohstoffe, Kaolin, Tone u.v.m.) aus: Wo befinden sich Abbaustellen und Vorkommen? Wer baut sie ab? Wozu werden die Rohstoffe genutzt?

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Die Wirtschaftsgeologie steht an der Spitze der geologischen Lagerstättenforschung und -erkundung. GeowissenschaftlerInnen in aller Welt versuchen Rohstoffvorkommen mit immer neuen und technisch verfeinerten Techniken zu finden. Hierfür wird viel Geld investiert. Aber was nutzt alle Erkundung, wenn ein Vorkommen nicht wirtschaftlich abbaubar ist? Welche soziopolitischen, infrastrukturellen und ökologischen Fragestellungen spielen eine Rolle? Wirtschaftsgeologinnen und -geologen bewerten diese und andere Kriterien und vergleichen sie in einem weltweiten Maßstab. Das ist eine verantwortungsvolle, spannende und auch interessante Aufgabe, denn Wirtschaftsgeologen sind in der ganzen Welt unterwegs.

Nicht nur in Namibia sollte man bei Reifenpannen immer einen Ersatzreifen dabeihaben.

Bild: Harald Elsner / BGR
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Nicht nur in Namibia sollte man bei Reifenpannen immer einen Ersatzreifen dabeihaben.

Bild: Harald Elsner / BGR

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Morgens lese ich im Büro zuerst meine E-Mails. In meinem Postfach laufen vor allem nachts Rohstoffmeldungen aus aller Welt ein. Anschließend recherchiere ich im Internet entweder zur weltweiten Marktsituation einzelner Rohstoffe, zurzeit Rutil, oder ich arbeite an Broschüren für die Fachöffentlichkeit über die Gewinnung, Nutzung und Wertschöpfung unserer heimischen mineralischen Rohstoffe, zuletzt von Spezialtonen und -sanden. Auch die Beantwortung von Anfragen aus der Politik, der Öffentlichkeit und von Medien gehören zu meinen täglichen Aufgaben.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Mein Arbeitgeber, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, unterstützt neben der Teilnahme an internationalen Fachveranstaltungen auch Bergwerksbefahrungen im Ausland. Nur so ist auch wirklich eine praxisnahe Beratung der Bundesregierung und der deutschen Industrie in Rohstoffragen möglich. Ich war bereits auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis und habe mir schon die unterschiedlichsten Rohstoffvorkommen angesehen.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung in Zukunft gerne vertiefen?
Meine Tätigkeit wird stark von der internationalen Rohstoffpolitik beeinflusst. Gerade bei Versorgungsengpässen ist die Expertise der BGR besonders gefragt. Aber noch konnten wir - mit der Ausnahme von Xenon -  immer Entwarnung geben. Dabei hat sich so manche Befürchtung als voreilig erwiesen. Das gilt im Augenblick auch für die Diskussion über die weltweite Knappheit von Sand. Zu diesem Thema werden wir künftig unsere Arbeiten etwas breiter aufstellen. Wir wollen Wüstensand untersuchen, der ja zu stark gerundet sein soll, um als Baurohstoff in Betracht zu kommen. Mal sehen, vielleicht kommen wir ja zu einem anderen Ergebnis …