19. Nov. 2019
Johanna Beckmann an ihrem Arbeitsplatz am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Johanna Beckmann an ihrem Arbeitsplatz am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Johanna Beckmann ist Physikerin und Klimaforscherin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Hauptsächlich beschäftigt sie sich mit Eisverlust und Meeresspiegelanstieg als Folge von Extremschmelzereignissen in der grönländischen Region.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich beschäftige mich mit dem zukünftigen Meeresspiegelbeitrags Grönlands, dessen gesamte Eismasse das Potential hat den globalen Meeresspiegel um 7m anzuheben. Wir wissen, dass unter globaler Erwärmung das Eisschild schmilzt und den Meeresspiegel anhebt. Was noch ungewiss ist, ist wieviel Eis in welchen Zeitraum veloren gehen wird und welche Prozesse dabei besonders wichtig sind.  Ich untersuche wie zum Beispiel extreme Schmelzereignisse wie sie im Sommer diesen Jahres auf Grönland stattfanden, den dynamischen Eisverlust zukünftig beeinflussen könnten.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Für mich ist der Klimawandel eine der größten Bedrohungen und Herausforderungen unserer Gesellschaft. Ich möchte mit meiner Forschung Fragen zu dessen Auswirkungen - wie den Anstieg des zukünftigen Meeresspiegelbeitrags – beantworten. Als studierte Physikerin kann ich mich besonders gut mit den Fragen des dynamischen Eisverlustes beschäftigen, da diese mit physikalischen Gleichungen beschrieben werden. In diesem Forschungsfeld wurden bisher langfristige Änderungen untersucht, doch Beobachtungen haben schon jetzt gezeigt, dass diese Extremschmelzereignisse in Grönland zu großen Eisverlusten geführt haben. Weiterhin gibt es Hinweise, dass diese Extremwetterlagen in Zukunft häufiger auftreten werden. Wie sich diese Auswirkungen langfristig auf den dynamischen Eisverlust auswirken könnten, ist noch nicht untersucht und ich möchte diese Frage gerne beantworten.

Johanna Beckmann bei einer Exkursion zu einem Gebirgsgletscher mit ihren Kollegen.

Bild: Torsten Albrecht

Die Eisdicke des grönländischen Eisschilds.

Bild: Johanna Beckmann
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Johanna Beckmann bei einer Exkursion zu einem Gebirgsgletscher mit ihren Kollegen.

Bild: Torsten Albrecht

Die Eisdicke des grönländischen Eisschilds.

Bild: Johanna Beckmann

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Ich lese die neusten Meldungen zu Forschungsmethoden und Veröffentlichungen zu Grönland um natürlich auf dem neusten Stand zu sein. Für den Großteil meiner Arbeit arbeite ich am PC und programmiere. Dort analysiere ich Datensätze und bereite sie auf, um mit dem Eismodell Hochrechnungen laufen zu lassen. Diese Ergebnisse hinterfrage und diskutiere ich viel mit meinen Kollegen und gemeinsam überlegen wir uns weitere Vorgehensweisen. So entwickle ich weitere Experimente oder entwickle das Eismodell weiter. Je nach dem Stand meiner Forschung arbeite ich dann auch an einer Veröffentlichung oder Präsentation für eine Konferenz. Besonders Spaß macht mir auch das Halten öffentlicher Vorträge, nicht nur zu meiner Forschung speziell, sondern auch zum Klimawandel allgemein.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Mich fasziniert am meisten, wie viel neues man täglich lernt. Sei es durch die intensiven Diskussionen mit Kollegen, die Ergebnisse der eigenen Forschung, die neusten Veröffentlichungen oder Vorträge von Kollegen. Vor allem schätze ich die interdisziplinäre Arbeitsweise an unserem Institut. So schaut man oft über den Tellerrand des eigenen Forschungsfelds hinaus und lernt wirklich "was die Welt im Innersten zusammen hält". In der Forschungsarbeit speziell, mag ich das Ungewisse: Ich weiß nie genau welche Herausforderung als nächstes auf mich zukommt. Die Freiheit, mir eigene Lösungsstrategien zu überlegen und etwas "herauszufinden" macht mir ganz einfach Spaß. Das Thema Klimawandel wird zurzeit auch in der Öffentlichkeit stark kommuniziert. Somit bleiben Diskussionen außerhalb der Arbeit nicht aus. Dass so ein starkes gesellschaftliches Interesse besteht, motiviert mich für meine Arbeit sehr.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Ich arbeite zurzeit eng mit Atmosphären-PhysikerInnen zusammen und wir untersuchen das Entstehen der Wetterlagen, die zu den Extremschmelzereignissen auf Grönland führen. Diese Forschung möchte ich gerne intensivieren, denn wenn wir die Gründe verstehen, können wir umso bessere Zukunftsprojektionen für Grönland erstellen.