09. Sep. 2019
Kerstin Jantke findet ihre Forschungsobjekte auf der ganzen Welt. Hier ein Landschaftsschutzgebiet im niedersächsischen Stade.

Kerstin Jantke findet ihre Forschungsobjekte auf der ganzen Welt. Hier ein Landschaftsschutzgebiet im niedersächsischen Stade.

Kerstin Jantke ist Umweltwissenschaftlerin am Zentrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg. Den Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die Planung und Beurteilung von Naturschutzgebieten. Aufgrund des drastischen aktuellen Verlusts an biologischer Vielfalt ist ihre Forschung von großer Wichtigkeit.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich bin Umweltwissenschaftlerin mit dem Fokus auf die systematische Planung und Beurteilung von Schutzgebieten. Wir wissen, dass die Schutzflächen vielfach zu klein und zerstückelt sind, und außerdem oft nicht dort liegen, wo sie am meisten Wirkung entfalten könnten. Also versuche ich herauszufinden, welche Arten und Ökosysteme bereits ausreichend geschützt sind und welche nicht. Für diejenigen, die unzureichend unter Schutz stehen, versuche ich Methoden und Strategien zu entwickeln, um deren Lage verbessern zu können.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Wir erleben gerade den umfangreichsten Verlust an biologischer Vielfalt seit der Entwicklung des Menschen – auch das sechste Massenaussterben genannt. Obwohl in Deutschland und weltweit immer mehr Flächen unter Naturschutz gestellt werden, verschwinden Tier- und Pflanzenarten weiterhin mit steigender Geschwindigkeit. Herauszufinden, warum das so ist und natürlich vor allem Lösungen beizutragen, das ist meine Motivation.

Der Great Barrier Reef Marine Park schützt einen großen Teil der australischen Korallenriffe. Tourismus, Fischerei, Schifffahrt, Erholung, wissenschaftliche Forschung und traditionelle indigene Nutzung sind zum Teil im Park erlaubt.

Bild: Kerstin Jantke

Vorstellung von Forschungsergebnissen auf Konferenzen, hier der Internationale Naturschutzkongress in Finnland 2018.

Bild: Anke Müller

Amphibien gehören zu den gefährdetsten Tiergruppen weltweit. Hier ein Bergmolch-Weibchen.

Bild: Kerstin Jantke

Präsenz in den sozialen Medien gehört mittlerweile zum Wissenschaftleralltag dazu.

Bild: Kerstin Jantke
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Der Great Barrier Reef Marine Park schützt einen großen Teil der australischen Korallenriffe. Tourismus, Fischerei, Schifffahrt, Erholung, wissenschaftliche Forschung und traditionelle indigene Nutzung sind zum Teil im Park erlaubt.

Bild: Kerstin Jantke

Vorstellung von Forschungsergebnissen auf Konferenzen, hier der Internationale Naturschutzkongress in Finnland 2018.

Bild: Anke Müller

Amphibien gehören zu den gefährdetsten Tiergruppen weltweit. Hier ein Bergmolch-Weibchen.

Bild: Kerstin Jantke

Präsenz in den sozialen Medien gehört mittlerweile zum Wissenschaftleralltag dazu.

Bild: Kerstin Jantke

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
In meinem Büro am Zentrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg arbeite ich meist am Computer mit großen Datenbanken und Simulationsmodellen zur Verteilung der Schutzgebiete weltweit, zur Verbreitung von Arten und Ökosystemen, zu Landpreisen und Landnutzungen. Dann schreibe ich an wissenschaftlichen Artikeln und tausche mich mit Kollegen über die einzelnen Forschungsprojekte aus. Nicht jeden Tag, aber gelegentlich gehören auch Vorträge in Lehrveranstaltungen und auf internationalen Konferenzen, Gutachtertätigkeiten oder auch mal ein Forschungsaufenthalt am anderen Ende der Welt dazu. 

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Mich fasziniert vor allem, dass wir noch gar nicht so sehr viel über die Lebensformen auf dieser Erde wissen. Wir können davon ausgehen, dass die meisten Arten noch überhaupt nicht entdeckt wurden – und viele werden allerdings auch aussterben, bevor wir sie zu Gesicht bekommen haben. Es bleibt also spannend, was wir alles noch erfahren werden über die Vielfalt des Lebens.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Gern würde ich vermehrt daran forschen, wie Netzwerke aus Schutzgebieten sinnvoll geplant werden können, ohne dass es zu größeren Interessenskonflikten mit konkurrierenden Landnutzungen kommen muss. Die Ausweisung von weiteren Schutzgebieten hat ja nicht nur Nachteile – wie es verständlicherweise zum Beispiel derjenige Land- oder Forstwirt sieht, der direkt von einer Ausweisung auf seinen Flächen betroffen ist. Auf der anderen Seite erbringen intakte Ökosysteme ihre Leistungen für den Menschen – wie sauberes Grundwasser, Abmilderung von Hochwasserrisiken, Erhalt der Bodenfunktionen für gute Ernteerträge, Speicherung von Treibhausgasen, aber auch Erholung in der Natur - erheblich besser. Wie kann man hier einen Ausgleich der Interessen erhalten, damit wir insgesamt als Gesellschaft profitieren? Das sind Themen, die ich mir gern genauer ansehen möchte.