06. Aug. 2019
Beim Auslesen von Foraminiferen (kalkschalige Mikroorganismen) am Binokular.

Beim Auslesen von Foraminiferen (kalkschalige Mikroorganismen) am Binokular.

Maximilian Vahlenkamp, PostDoc am MARUM Zentrum für marine Umweltwissenschaften, widmet seine Arbeit dem Fachgebiet Paläozeanographie. 2018 erhielt er den MARUM-Forschungspreis für seine Dissertation "Midd­le Eo­ce­ne Pa­leo­cea­no­gra­phy and As­tro­chro­no­lo­gy in the Wes­tern North At­lan­tic".

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?

Mein Forschungsschwerpunkt ist die Untersuchung natürlicher Klimaschwankungen verursacht durch Veränderungen in der Verteilung der Sonnenenergie auf der Erde. Diese zyklischen Schwankungen entstehen durch Änderungen der Erdbahnparameter (z.B. der Neigung der Erdachse). Zeitlich konzentriere ich mich dabei vor allem auf die letzte Treibhausepoche der Erdgeschichte, das Eozän, vor etwa 34-56 Millionen Jahren. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen untersuche ich mit unterschiedlichen geochemischen Methoden Sedimente und die Schalen von am Meeresboden und in der Wassersäule lebenden Mikroorganismen aus Tiefseebohrkernen, um Aussagen über das Klima und die Ozeanzirkulation treffen zu können.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?

Der anthropogene Klimawandel ist die größte Herausforderung unserer Generation. Das Verständnis natürlicher Klimaschwankungen während vergangener Treibhausepochen trägt dazu bei, die Reaktion des Klimasystems auf einen höheren CO2-Gehalt der Atmosphäre und somit die Konsequenzen des Verbrennens fossiler Energieträger zu verstehen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Meine Arbeit teilt sich vor allem in Laborarbeit und Büroarbeit auf. Im Labor werden Sedimentkerne beprobt, Proben vorbereitet und die chemische Zusammensetzung der Proben und der Schalen von Mikroorganismen gemessen. Die Daten werden dann am Computer ausgewertet, interpretiert, mit den Ergebnissen von Klimamodellen verglichen und als wissenschaftliche Artikel veröffentlich. Die Büroarbeit macht den größten Teil meines Arbeitsalltags aus. Dazu kommen in unregelmäßigen Abständen Schiffsexpeditionen, wissenschaftliche Konferenzen und Lehrveranstaltungen.

Im Bremer Bohrkernlager des International Ocean Discovery Program (IODP).

Bild: Maximilian Vahlenkamp/MARUM

An Bord des Forschungsschiffs Sonne vor Japan im Sommer 2012.

Bild: Maximilian Vahlenkamp/MARUM
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Im Bremer Bohrkernlager des International Ocean Discovery Program (IODP).

Bild: Maximilian Vahlenkamp/MARUM

An Bord des Forschungsschiffs Sonne vor Japan im Sommer 2012.

Bild: Maximilian Vahlenkamp/MARUM

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?

Meine Arbeit bietet mir die Möglichkeit, selbstständig und kreativ aber auch im Austausch mit Experten weltweit an bisher ungelösten wissenschaftlichen Problemen zu arbeiten. Außerdem fasziniert es mich, dass jeder neue Datensatz Erkenntnisse über die Funktion des Klimasystems und der Bedeutung seiner Komponenten mit sich bringen kann. Das erlaubt uns Forschern an der Entwicklung des kollektiven Wissens der Menschheit teilzuhaben.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?

In den nächsten Jahren möchte ich mich weiter mit den klimatischen und tektonischen Voraussetzungen für die Entstehung der Nordatlantischen Umwälzzirkulation beschäftigen. Diese ist für das Klima in Nordwesteuropa wichtig, weil sie Wärme aus den niedrigen Breiten in den Nordatlantik transportiert und hier an die Atmosphäre abgibt. Das trägt stark zum milden Klima in Nordeuropa bei. Für die Zukunft werden signifikante Veränderungen dieses Prozesses mit bedeutenden klimatischen Konsequenzen vorhergesagt.