14. Feb. 2020
Mirjam Perner leitet seit 2018 die Arbeitsgruppe Geomikrobiologie am GEOMAR in Kiel.

Mirjam Perner leitet seit 2018 die Arbeitsgruppe Geomikrobiologie am GEOMAR in Kiel.

Prof. Dr. Mirjam Perner lehrt Geomikrobiologie an der Christian-Albrechts-Universität und am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Dort führt sie seit Januar 2018 die Arbeitsgruppe Geomikrobiologie. Bis Dezember 2017 war sie Juniorprofessorin an der Universität Hamburg und leitete dort die Arbeitsgruppe Molekularbiologie mikrobieller Konsortien.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich interessiere mich für die mikrobiellen Stoffumsätze am Meeresboden und die Mikroorganismen, welche diese katalysieren. Im Fokus steht hierbei der Kohlenstoffkreislauf sowie die Rolle, die Eisen und Wasserstoff hierfür spielen. Diese Prozesse untersucht meine Arbeitsgruppe vor allem in marinen Sedimenten und an hydrothermalen Tiefseequellen.

Da der Großteil der Mikroorganismen noch nicht kultiviert wurde und viele Gene bzw. deren Produkte (z.B. Enzyme) nicht beschrieben sind, ist es teils sehr schwierig, einen Einblick in die Bedeutung der verschiedenen Mikroben in einem Habitat zu bekommen. Meine Arbeitsgruppe verfolgt verschiedene Ansätze um diese (z.Zt.) nicht-kultivierte mikrobielle Mehrheit und ihre Prozesse besser zu verstehen. Zum einen setzen wir auf die "klassische" Kultivierung und messen Stoffumsätze in Umweltproben und Anreicherungen. Zum anderen entwickeln wir neue aktivitäts-basierte Screeningverfahren, um in Umweltproben (Metagenomen) nach Enzymen mit spezifischen katalytischen Funktionen zu suchen, die wir dann beschreiben und Gensequenzen zuordnen können.

Mirjam Perner und Dr. Stefanie Böhnke besprechen die Funktionsweise eines Enzyms eines nicht-kultivierten Bakteriums.

Bild: Marion Liebetrau/Geomar
1 / 1

Mirjam Perner und Dr. Stefanie Böhnke besprechen die Funktionsweise eines Enzyms eines nicht-kultivierten Bakteriums.

Bild: Marion Liebetrau/Geomar

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Der Meeresboden und seine Bewohner haben mich schon immer fasziniert. Obwohl der Meeresboden einen riesigen Lebensraum darstellt, wissen und verstehen wir immer noch vergleichsweise wenig über die Organismen, die dort leben und ihn prägen. Der Ozeanboden beherbergt viele uns vollkommen unbekannte Mikroorganismen, die eine wichtige Rolle für den globalen Stoffkreislauf spielen könnten. Diese zu erforschen, ihre Funktion in den Habitaten verstehen, welche biogeochemischen Prozesse sie katalysieren und welche Bedeutung sie für den Ozean haben, ist ungemein spannend.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Drei kleine Kinder lassen den Tag in der Regel sehr früh beginnen. Mein Arbeitsalltag ist sehr variabel und umfasst Arbeiten am Schreibtisch, wie z.B. das Schreiben von Manuskripten und Anträgen, aber auch die Mitarbeit in verschiedenen Gremien, die Lehre und viele tolle wissenschaftliche Gespräche mit Mitarbeitern/-innen und Kollegen/-innen. Der berufliche "Alltag" ist aufgrund von Forschungsfahrten und Tagungsteilnahmen sehr abwechslungsreich.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Meine Arbeiten ermöglichen es mir immer wieder, in Bereiche vorzudringen, die vorher noch nie von einem Menschen gesehen und untersucht wurden. Gerade auch das Arbeiten mit unkultivierten Mikroorganismen, über die wir lediglich wissen, dass sie da sind, finde ich sehr spannend.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung in Zukunft gerne vertiefen?
Viele meiner derzeitigen Arbeiten haben die Limitierung, dass wir sie nur im Labor unter bestimmten Bedingungen ausführen können. Die Weiterentwicklung von diesen Experimenten und entsprechenden Messungen, die im Feld, also direkt am Meeresboden, durchgeführt werden können, ist ein wesentliches Augenmerk meiner zukünftigen Arbeiten. Insbesondere ist auch die Weiterentwicklung von molekularbiologischen Tools einer meiner Schwerpunkte, um an die Fülle von unkultivierten Mikroorganismen und deren Enzymen bzw. Stoffwechselwegen heranzukommen.