06. Jan. 2020
Dr. Thomas Martin in Gran Bajo de San Julian, Argentinien.

Dr. Thomas Martin in Gran Bajo de San Julian, Argentinien.

Dr. Thomas Martin ist Professor der Paläontologie und studierte u.a. in Mainz und Tübingen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Evolution von frühen Säugetieren im Dinosaurierzeitalter. Seit 2006 hat er einen Lehrstuhl für Paläontologie in der Universität Bonn inne und übt seit 2009 das Amt des Vizepräsidenten der Paläontologischen Gesellschaft aus, außerdem ist er Gastprofessor an der Shenyang Normal University in Shenyang, China.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich beschäftige mich mit der Evolution früher Säugetiere, die im Mesozoikum (Erdmittelalter, 251-66 Millionen Jahre vor heute), dem Zeitalter der Dinosaurier, gelebt haben.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Mesozoische Säugetiere sind besonders spannend, da sie unsere weit entfernten Vorfahren sind. Früher dachte man, dass die mesozoischen Säugetiere als kleine spitzmausartige Kreaturen ein tristes Dasein im Schatten der Dinosaurier geführt haben. Heute wissen wir dank spektakulärer Funde aus China, dass die frühen Säuger erstaunlich divers und oftmals hoch differenziert waren. Viele von ihnen gleichen in ihrer Ökomorphologie modernen Säugetieren ganz verblüffend. Offenbar bringt die Natur immer wieder ganz ähnliche Anpassungsformen hervor. An den frühen Säugetieren lassen sich exemplarisch generelle Phänomene der Evolution untersuchen.

Dr. Thomas Martin in der Universidad Autónoma in Madrid 2012.

Bild: Thomas Martin / Privat

Dr. Thomas Martin und Kollegen in Madrid 2014. Von links: T. Martin, J. Marugán-Lobón, R. Vullo und Z.-X. Luo

Bild: Thomas Martin / Privat
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Dr. Thomas Martin in der Universidad Autónoma in Madrid 2012.

Bild: Thomas Martin / Privat

Dr. Thomas Martin und Kollegen in Madrid 2014. Von links: T. Martin, J. Marugán-Lobón, R. Vullo und Z.-X. Luo

Bild: Thomas Martin / Privat

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Während des Semesters sitze ich im Büro oder halte Vorlesungen, da bleibt nur wenig Zeit für eigene Forschung. Ich treffe mich regelmäßig mit meinen Doktoranden und Studenten, um mit ihnen über ihre Arbeiten zu diskutieren. In der vorlesungsfreien Zeit gehe ich auf Expedition, um neue Funde zu machen. Zurzeit habe ich zum Beispiel gemeinsame Geländeprojekte mit russischen Kollegen in Sibirien. In China bearbeite ich neue Säugerfunde zusammen mit chinesischen und amerikanischen Kollegen.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Mich fasziniert am meisten die Entdeckung von Dingen, die bisher noch niemand gesehen hat. Besonders aufregend sind die Ausgrabungen in fernen Ländern und die Aussicht auf neue Entdeckungen. In Yakutien (Nordost-Sibirien) haben wir beispielsweise subpolare Säugetiere aus der Kreidezeit gefunden. Damals war das Klima wesentlich wärmer als heute, sodass die Säugetiere dort zusammen mit Dinosauriern leben konnten.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung in Zukunft gerne vertiefen?
Die mesozoischen Säugetiere aus dem Nordosten Chinas sind für mich im Moment besonders spannend. Aus dieser Region kommen auch andere spektakuläre Funde wie z. B. gefiederte Dinosaurier. Aber auch in Deutschland ist es uns in den letzten Jahren gelungen, die ersten Säugetierreste aus dem Jura zu finden. Die sind zwar nicht so vollständig wie die Funde aus China, aber dennoch hochinteressant. Neben den chinesischen und russischen mesozoischen Säugern möchte ich die aus Deutschland in den nächsten Jahren näher unter die Lupe nehmen.