18. Jul. 2019
Die Beprobung eines Permafrostkernes im Kobuk Delta

Matthias Fuchs (links) bei der Beprobung eines Permafrostkerns im Kobuk Delta.

 Matthias Fuchs ist PostDoc am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Vorrangig beschäftigt er sich mit Permafrost in arktischen Deltas und dessen Veränderung durch die globale Erwärmung.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Ich erforsche die Kohlen- und Stickstoffmengen in Permafrostböden der Arktis. Im Moment fokussiere ich mich vor allem auf Arktische Deltas in Permafrostlandschaften. Diese sind sehr dynamisch und komplex, da sie einerseits vom Meer und den Flüssen, aber eben auch durch tauenden Permafrost beeinflusst sind. Zusätzlich weisen Deltaablagerungen eine große Mächtigkeit auf, wodurch sehr viel Kohlen- und Stickstoff in diesen Ablagerungen gespeichert ist. Durch das Tauen des Permafrostbodens kann nun allerdings dieser Kohlenstoff freigesetzt werden und somit könnten zusätzlich Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Die Arktis fasziniert mich und es ist für mich ein Privileg, in diesen entlegenen Regionen arbeiten zu können. Durch die globale Erwärmung verändert sich der Permafrost, was man aber auf den ersten Blick noch nicht so drastisch wahrnimmt wie zum Beispiel den Rückzug von Gletschern. Veränderungen im Permafrost sind aber nicht nur eine Auswirkung der Erwärmung, sondern können diese Erwärmung noch weiter anheizen. Und das macht es für mich so interessant daran zu forschen und an der Beantwortung vieler offener Fragen mitzuarbeiten.

Eiskernbohrung im Lena Delta.

Fuchs und ein Kollege nehmen eine Eiskernbohrung im Lena Delta vor.

Bild: O. Ogneva
Matthias Fuchs auf Winter-Expedition im Lena Delta.

Matthias Fuchs auf Winter-Expedition im Lena Delta.

Bild: J. Strauss
Das Kobuk Flussdelta in Nordwest Alaska.

Das Kobuk Flussdelta in Nordwest Alaska.

Bild: M. Fuchs
Die Bohrung eines Permafrostkerns.

Die Bohrung eines Permafrostkerns.

Bild: G. Grosse
1 / 4

Fuchs und ein Kollege nehmen eine Eiskernbohrung im Lena Delta vor.

Bild: O. Ogneva

Matthias Fuchs auf Winter-Expedition im Lena Delta.

Bild: J. Strauss

Das Kobuk Flussdelta in Nordwest Alaska.

Bild: M. Fuchs

Die Bohrung eines Permafrostkerns.

Bild: G. Grosse

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Einen typischen Arbeitstag, der sich immer wiederholt gibt es bei mir eigentlich nicht. Zuerst unterscheiden sich die Tage, ob ich im Feld, im Labor oder im Büro arbeite. Auf einer Expedition arbeite ich vor allem mit den Händen und schwerem Gerät, wie zum Beispiel beim Bohren von Permafrost und Eiskernen. Im Labor muss ich filigran mit Pinzette und Pipette arbeiten, um Proben für exakte Messungen vorzubereiten. Im Büro ist dann vor allem mein Kopf gefragt bei der Auswertung der Feld- und Messdaten sowie bei der Veröffentlichung der Resultate. Natürlich verbringe ich die meiste Zeit im Büro, jedoch ist auch da der Arbeitsalltag unterschiedlich. Mal plane ich die nächste Expedition oder Konferenzteilnahme, schreibe oder begutachte einen Artikel, oder ich beschäftige mich mit den gesammelten Daten.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Die Abwechslung im Arbeitsalltag ist sicherlich einer meiner Gründe für die Faszination in der Forschung zu arbeiten. An erster Stelle steht aber das Forschungsthema. Wenn man auf einer Expedition direkt vor Ort sieht, wie sich so eine Permafrost-Landschaft verändert, dann möchte ich die Ursachen und Auswirkungen dessen verstehen. Immer mehr ins Detail zu gehen, versuchen das System zu erfassen, das macht es für mich spannend und faszinierend. Es ist für mich wie ein Puzzle. Jede neue Erkenntnis oder jeder neue Forschungsartikel ist ein kleines Teilchen, das man hinzufügen kann.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Ich würde gerne vermehrt in kleineren, bisher kaum untersuchten arktischen Deltas forschen. Der Klimawandel mit seinen Auswirkungen in der Arktis (tauender Permafrost, veränderte Abflussmengen von arktischen Flüssen, Rückzug des Meereises, Küstenerosion) wird seine Auswirkungen vor allem auch auf Deltas haben. Es ist mein Ziel, an dieser Schnittstelle zwischen Land und Ozean den Einfluss des Klimawandels zu verstehen. Dabei geht es nicht nur um Kohlenstoff in Permafrost, sondern auch darum, andere Aspekte der Deltas, wie zum Beispiel die Auswirkungen auf die Menschen vor Ort und ihre Dörfer und Gemeinden, oder auf die Habitate für Wasservögel und andere Tiere in Deltas miteinzubeziehen, um ganz generell den Effekt des Klimawandels auf arktische Deltas zu verstehen.