25. Mär. 2019
IODP Technikerin Alexis Armstrong (links) erklärt dem Sedimentologieteam die Abläufe im Labor.

IODP Technikerin Alexis Armstrong (links) erklärt dem Sedimentologieteam die Abläufe im Labor.

Obwohl die JOIDES Resolution für ihre Mission in der Scotiasee bereits vor Tagen abgelegt hat, ist das Forschungsschiff bislang kaum von der Stelle gekommen. Wie sich die Crew die Wartezeit vertreibt, berichtet Thomas Ronge in seinem ersten Logbuch-Eintrag.

Während ich hier im Konferenzraum der 134 Meter langen "JR" sitze, liegt das Schiff weiterhin auf Reede vor Punta Arenas. Mich eingeschlossen, sind 33 WissenschaftlerInnen, 24 TechnikerInnen sowie das Bohrteam und die Schiffsbesatzung an Bord.

Abgelegt haben wir bereits vor drei Tagen, müssen aber – nicht untypisch für Punta Arenas – momentan darauf warten, dass die unberechenbaren patagonischen Winde nachlassen, sodass wir sicher am Bunkerterminal in Cabo Negro anlegen können um Treibstoff für Exp382 an Bord nehmen zu können.

Unsere Aufgabe wird es sein, an mehreren Positionen bis zu 600 Meter tief in den Meeresboden zu bohren. Durch unsere Untersuchungen wollen wir unter anderem lernen, wie sich antarktische Eisschilde – die schier endlosen Eismassen an Land – sowie große Ozeanströmungen und Windsysteme in der Vergangenheit entwickelt haben.

Aktuell steht die Menschheit am Scheideweg. Die von uns allen ausgelöste Erderwärmung ist zwar nicht mehr zu stoppen, aber wenn wir unverzüglich handeln, lassen sich die schlimmsten Folgen noch einigermaßen eindämmen. Um besser zu verstehen, wie diese Folgen aussehen könnten, blicken wir an Bord weit in die Vergangenheit zurück. Maureen (Mo) Raymo – eine von zwei Fahrtleitern – nannte es vor kurzem passend "Past is prologue", die Vergangenheit ist das Vorwort.

Die JR auf Reede vor Punta Arenas.

Die JR auf Reede vor Punta Arenas.

Bild: Robert Larter/BAS
Die Crew bei einer Rettungsübung.

Die Crew bei einer Rettungsübung.

Bild: Thomas Ronge/AWI
Fröhliches Wiedersehen von Freunden. Die Palmer läuft nach zwei Monaten in der Antarktis wieder in Punta Arenas ein.

Fröhliches Wiedersehen von Freunden. Die Palmer läuft nach zwei Monaten in der Antarktis wieder in Punta Arenas ein.

Bild: AWI
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Die JR auf Reede vor Punta Arenas.

Bild: Robert Larter/BAS

Die Crew bei einer Rettungsübung.

Bild: Thomas Ronge/AWI

Fröhliches Wiedersehen von Freunden. Die Palmer läuft nach zwei Monaten in der Antarktis wieder in Punta Arenas ein.

Bild: AWI

Eines unserer Forschungsfelder wird es sein zu entschlüsseln, wie sich die Gletscher in einer künftigen, wärmeren Welt verhalten werden. Diese Zeiten waren global gesehen zum Teil zwar wärmer als es heute ist, aber nie zuvor fanden Veränderungen so schnell und so massiv statt wie heute. Wenn wir verstehen, wie sich diese Regionen in der Vergangenheit verhalten haben, können wir besser abschätzen, von welchen Gebieten momentan die größte Gefahr ausgeht – zum Beispiel für den globalen Meeresspiegel.

Viele bezeichnen die JR als schwimmendes Labor, was für die anderen Forschungsschiffe wie Polarstern oder Sonne aber auch zutrifft. Für mich ist die JR jedoch eher ein schwimmendes Geo-Institut mit perfekten Arbeitsbedingungen und Laboren für Geochemikerinnen, Mikropaläonntologen, Geophysikerinnen, Sedimentologen und vielen mehr.

Die letzten Tage waren wir damit beschäftigt, uns an Bord einzuleben, das Labyrinth von Gängen, Türen, Schotts und Decks einzuprägen und mit den zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen vertraut zu machen. Die erste von vielen Sicherheitsübungen gab es dann auch bereits vorgestern. Für mich sind es 4 Decks, 7 Türen, 1 Schott und 58 Stufen von meiner Kammer im Inneren des "Upper Tween Decks" bis zu meinem Rettungsboot oben auf dem "Bridge Deck". Davor und danach weitere Vorträge und Videos über das Arbeiten unter (ant-)arktischen Bedingungen, sexuelle Belästigung, medizinische Versorgung und Mülltrennung an Bord.

Neben den Sicherheitsübungen machen sich momentan alle Arbeitsgruppen mit ihren Labors vertraut. Wir lernen die Software, die wir benutzen werden, üben an allen Maschinen, mit denen wir bald versuchen werden den Sedimenten ihre Geheimnisse zu entlocken, und spielen alle Arbeitsabläufe immer und immer wieder durch. Sind wir nicht im Labor, sitzen wir an unseren Computern und verfassen die ersten Methodik-Kapitel für unseren Fahrtbericht.

Während wir alle noch ungeduldig auf unsere Abreise warten, konnten wir gestern zusehen, wie der amerikanische Forschungseisbrecher "Nathaniel B. Palmer" in Punta Arenas eingelaufen ist. An Bord der Palmer waren viele unserer Freunde und Kollegen, die in den vergangenen zwei Monaten am westantarktischem Thwaites-Gletscher geforscht haben.

Aktuell sieht es so aus, als würden die Winde gegen Abend nachlassen, sodass wir endlich erst gen Falkland (Malvinas) und danach weiter Richtung Süden in die Iceberg Alley aufbrechen können.

Beste Grüße

Thomas Ronge (Alfred-Wegener-Institut)