09. Mai. 2019
Seebestattung Joides Resolution Wallace Broecker

Vier Doppelschläge der Schiffsglocke. Damit endet die Seebestattung an Bord der Joides. Und so endet Wallys letzte Fahrt.

Stille. Auf der Joides Resolution kehrt für einen Moment Ruhe ein, denn die Teilnehmer der Expedition 382 haben an diesem Tag – neben ihren vielen anderen – eine besondere Aufgabe zu erfüllen. Die Joides Resolution begleitet den Vater der Paläozeanographie, den Großvater der Klimaforschung, den Löwen aus Lamont, Dr. Wallace S. Broecker, auf seinem letzten Weg auf dieser Erde, für die er sich sein Lebtag eingesetzt hat.

Crossing the bar

Sunset and evening star,
   And one clear call for me!
And may there be no moaning of the bar,
   When I put out to sea,

But such a tide as moving seems asleep,
   Too full for sound and foam,
When that which drew from out the boundless deep
   Turns again home.

Twilight and evening bell,
   And after that the dark!
And may there be no sadness of farewell,
   When I embark;

For tho' from out our bourne of Time and Place
   The flood may bear me far,
I hope to see my Pilot face to face
   When I have crost the bar.

(Alfred, Lord Tennyson)

Kapitän Terry Skinner (Kommandant der JR, oben rechts) verliest das traditionelle Gedicht Crossing the bar, bevor die Schiffsglocke zur Beisetzung schlägt. Am Bug Kapitän Harm Nienhuis (nächster Kapitän der JR) und Kapitän Diego Mello (Eisbeobachter) mit der Urne.

Kapitän Terry Skinner (Kommandant der JR, oben rechts) verliest das traditionelle Gedicht Crossing the bar, bevor die Schiffsglocke zur Beisetzung schlägt. Am Bug Kapitän Harm Nienhuis (nächster Kapitän der JR) und Kapitän Diego Mello (Eisbeobachter) mit der Urne.

Bild: Sarah Katchovich/IODP
JOIDES Resolution im ruhigen Nebel des Scotiameers am Tag der Seebestattung Wallace S. Broeckers.

JOIDES Resolution im ruhigen Nebel des Scotiameers am Tag der Seebestattung Wallace S. Broeckers.

Bild: Thomas Ronge/AWI
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Kapitän Terry Skinner (Kommandant der JR, oben rechts) verliest das traditionelle Gedicht Crossing the bar, bevor die Schiffsglocke zur Beisetzung schlägt. Am Bug Kapitän Harm Nienhuis (nächster Kapitän der JR) und Kapitän Diego Mello (Eisbeobachter) mit der Urne.

Bild: Sarah Katchovich/IODP

JOIDES Resolution im ruhigen Nebel des Scotiameers am Tag der Seebestattung Wallace S. Broeckers.

Bild: Thomas Ronge/AWI

Als einer der ersten Wissenschaftler weltweit hat Dr. Wallace S. Broecker schon vor Jahrzehnten die Alarmglocken wegen des menschgemachten Klimawandels geläutet. Dr. Broecker – in der Wissenschaftsgemeinschaft ehrfürchtig Wally genannt – hat den Begriff globale Erwärmung (global warming) maßgeblich geprägt. Während seiner fast 70-jährigen Karriere hat er beinahe im Alleingang dafür gesorgt, dass viele Konzepte der Ozean- und Klimaforschung einer breiten Öffentlichkeit, weltweit, bekannt gemacht wurden.

Wallace Broecker wurde 87, bevor er im Februar diesen Jahres in Manhattan verstarb.

Auch das Konzept des Globalen Förderbandes der Ozeane, den Strömungen, die alle Ozeanbecken miteinander verbinden, verdanken wir ihm. Über zehntausende von Kilometern zieht sich dieses Geflecht von Strömungen, vom Arktischen Nordatlantik, über den Südozean hin in alle Weltmeere. Auch der warme Golfstrom, der maßgeblich zum milden Klima in Europa beträgt, ist Teil dieses Systems. Dieses einfache Konzept erklärt anschaulich, wie Ozeane und auch das Klima miteinander verknüpft sind und wird auch heute noch gleichermaßen in wissenschaftlichen Publikationen und allgemeinen Medien verwendet.

Reden wir über Wallace Broecker, sprechen wir von ihm oftmals als "Großvater der Klimaforschung" und "Vater der Globalen Erwärmung". Wally hat diesen Titel immer gehasst und hat seinen Studierenden sogar 200 US-Dollar geboten, wenn sie zeigen können, dass der Begriff schon vor seiner Publikation über den Klimawandel aus dem Jahre 1975 verwendet wurde. Sie konnten!

Doch obwohl er nicht der Erste war, hat er den Begriff weltweit geprägt. Dr. Broecker sagte einst, dass er hofft, dass "Vater der Globalen Erwärmung" nicht eines Tages auf seinem Grabstein stehen möge. Wallys Hoffnung ging in Erfüllung. Einen Grabstein wird es nicht geben.

Wenige Monate vor seinem Tode bat er seine Freundin und Kollegin Dr. Sidney Hemming seine Asche auf ihrer nächsten Expedition im Ozean zu verstreuen. Expedition 382 war Sidneys nächste Expedition. Und so wurde uns am 06.05.2019 die Ehre zuteil dem Löwen aus Lamont, dem überlebensgroßen Dr. Wallace S. Broecker (1931-2019) die letzte Ehre zu erweisen. Um 16:29H (UTC) wurde seine Asche im Antarktischen Zirkumpolarstrom verstreut. Wally wurde auf ewig Teil "seines" Globalen Förderbandes der Ozeane.

Wir bedanken uns, Teil seiner letzten Reise gewesen sein zu dürfen.