16. Mai. 2018

Leere Kernhüllen warten auf ihre Befüllung.

Jahrelange Vorbereitung und etliche Stunden am Schreibtisch gehören zu einer Expedition wie der IODP376 dazu. Alles für den einen Augenblick, in dem Geologin oder Geologe die magischen Worte "Kern an Deck" hört und hoffen darf, Fragen beantwortet und Thesen bestätigt zu bekommen. Doch der Untersee-Vulkan "Brothers" macht es Dr. Karen Strehlow vom GEOMAR und ihren Kolleginnen und Kollegen an Bord der JOIDES nicht leicht.

Wie die meisten Wissenschaftler verbringen auch Geologinnen und Geologen den Großteil ihrer Arbeitszeit vor einem Computer (d.h. dem "hard place") – je nach Fachgebiet manchmal unterbrochen von Laborarbeiten. Das Beste an der Geologie aber ist, dass wir außerdem Geländekampagnen oder Ausfahrten nutzen, um Ablagerungen und Landschaften an Land und unter Wasser zu untersuchen.

So schwer dies für "normale Menschen" zu verstehen sein mag, wir genießen diese Zeiten, in denen wir Steine anschauen! In Detektivarbeit können wir Gesteine nutzen, um die Geschichte einer Formation zu entschlüsseln und die Dynamiken unseres faszinierenden Planeten besser zu verstehen. Und nicht zuletzt bringen uns unsere Kampagnen oft an wilde, exotische und besondere Orte.

Frische Lava von

Frische Lava von "Brothers".

Bild: Philipp Brandl
Eine steife Brise weht uns entgegen.

Eine steife Brise weht uns entgegen.

Bild: Philipp Brandl
Zeitvertreib: Eine Tour durch den Maschinenraum.

Zeitvertreib: Eine Tour durch den Maschinenraum.

Bild: Philipp Brandl
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Frische Lava von "Brothers".

Bild: Philipp Brandl

Eine steife Brise weht uns entgegen.

Bild: Philipp Brandl

Zeitvertreib: Eine Tour durch den Maschinenraum.

Bild: Philipp Brandl

Diese Faszination für Gesteine treibt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Expedition 376 immer wieder zum "catwalk", wo sie aufgeregt wie kleine Kinder an Weihnachten darauf warten, den Kern in Empfang zu nehmen. Und das macht es umso schwerer, wenn er sich als leer herausstellt. Leider ist uns genau das bei unserem ersten Bohrloch passiert: Von den 100 Metern, die wir in den Ozeanboden gebohrt haben, haben es nur ungefähr 1,3 Meter Gestein an Deck geschafft!

Wir haben jetzt mit dem Bohren des zweiten Lochs begonnen, haben aber momentan technische Probleme und daher die magischen Worte "Kern an Deck" lange nicht gehört. Was haben wir also die ganze Zeit gemacht?

Leider müssen wir auch an Bord viel Zeit am Computer verbringen. Das Kernbeschreibungs-Programm und die Labore müssen vorbereitet und viele Berichte geschrieben werden, auch bereits zu diesem Zeitpunkt. Das Gute an der Sache ist, dass wir mit dem Schreiben sehr gut vorrankommen und wir hervorragend für den nächsten Kern vorbereitet sind. Außerdem haben wir alle Analyse-Möglichkeiten an Bord ausgereizt – wie einer unserer Wissenschaftler sagte: "Dies wird vermutlich der am besten untersuchte Meter an Gestein der Geschichte."

Wir hatten auch ein paar Besucher: Fünf Vögel haben auf der JOIDES Schutz vor einem Sturm gesucht. Sie wurden mit einem schönen Plätzchen, Wasser und einer Auswahl an Futter versorgt. "Scout" und "Jonathan" sind bereits wieder entflogen, die drei anderen genießen weiterhin die Versorgung an Bord. An dieser Stelle mal ein dickes Dankeschön an die magischen Heinzelmännchen an Bord, die auch uns Wissenschaftler mit Essen versorgen, unsere Kammern sauber halten und sogar unsere Wäsche waschen!

"Brothers" hat es bisher allen Expeditionen in der Vergangenheit am Anfang schwer gemacht. Jetzt heißt es also Daumen drücken, dass er sich in Zukunft etwas gnädiger zeigt und ein paar seiner Geheimnisse preisgibt!

Mit erwartungsvollen Grüßen von Bord der JOIDES Resolution

Karen Strehlow (IODP-Expedition 376 "Brothers Arc Flux")