11. Jun. 2018

Unsere treuen Besucher: Albatrosse.

Im letzten Eintrag erwähnte Kollegin Karen Strehlow bereits den Begriff "WOWing". Was das genau ist und wie sich die Ausfahrt 376 der JOIDES Resolution bisher gestaltet, erklärt Expeditionsmitglied Philipp Brandl.

Der Begriff "WOWing" ist eigentlich eine Abkürzung für "Waiting-On-Weather", also Warten-Aufs-Wetter und bedeutet, dass Wetter- und beziehunsweise oder die Seebedingungen zu schlecht sind, um eine sichere Fortführung unserer Tätigkeiten zu gewährleisten. Leider trat dies bereits einige Male während unserer Expedition ein. Beim letzten Mal legte der Wind auf 8 bis 9 Windstärken Beaufort zu (um die 40 Knoten) und die Wellen erreichten Höhen um die 8 Meter. Einige der Wellen schüttelten uns durchaus ordentlich durch, doch insgesamt stand die JR wie ein Fels in der Brandung. Nicht zuletzt dank der 12 Thruster, die uns beständig auf Position halten – selbst unter diesen Bedingungen liefen sie auf maximal 50 Prozent Leistung. Da aber auch der Hub in der Mitte des Schiffes 5 Meter Höhenunterschied erreichte (und das ist das Limit unseres Hubkompensators am Bohrgestänge), mussten wir unsere Operationen stoppen und WOWen. Mittlerweile hat sich das Wetter aber beruhigt und wir sind zurück im Geschäft.

Die letzten Tage verbrachten wir damit, direkt im 360 Meter tiefen Bohrloch am Dom von "Brothers" Messungen durchzuführen ("downhole logging"). Die Beobachtung, dass es im Bohrloch, nachdem wir aufgehört hatten kontinuierlich Meerwasser hinein zu pumpen, sehr heiß und auch sauer (mit Bezug auf den pH Wert) ist, kam dabei wenig überraschend. Und was auch immer wir vom Inneren des Vulkans heraufholen, der Geruch verfaulter Eier kann kaum verleugnet werden. Der Grund dafür sind die großen Mengen Schwefel, die aus jeder einzelnen Ritze des Vulkans strömen.

Modell des Hydrothermalsystems von Brothers.

Modell des Hydrothermalsystems von Brothers.

Bild: verändert nach de Ronde et al., 2011
Die Blog-Autoren Philipp Brandl und Karen Strehlow auf dem Bug der JR.

Die Blog-Autoren Philipp Brandl und Karen Strehlow auf dem Bug der JR.

Bild: Hyde/IODP
Stetiges Wachstum unserer Kernsammlung.

Stetiges Wachstum unserer Kernsammlung.

Bild: Philipp Brandl
Die Brücke der JR.

Die Brücke der JR.

Bild: Philipp Brandl
Der

Der "Dynamic Positioning"-Raum, von hier aus wird das Schiff auf Position gehalten, während wir auf Station sind. In der Mitte zu sehen ist Kapitän Terry Skinner.

Bild: Philipp Brandl
Wellen brechen am Bug.

Wellen brechen am Bug.

Bild: Philipp Brandl
Ein bisschen Farbe im Sturm.

Ein bisschen Farbe im Sturm.

Bild: Philipp Brandl
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Modell des Hydrothermalsystems von Brothers.

Bild: verändert nach de Ronde et al., 2011

Die Blog-Autoren Philipp Brandl und Karen Strehlow auf dem Bug der JR.

Bild: Hyde/IODP

Stetiges Wachstum unserer Kernsammlung.

Bild: Philipp Brandl

Die Brücke der JR.

Bild: Philipp Brandl

Der "Dynamic Positioning"-Raum, von hier aus wird das Schiff auf Position gehalten, während wir auf Station sind. In der Mitte zu sehen ist Kapitän Terry Skinner.

Bild: Philipp Brandl

Wellen brechen am Bug.

Bild: Philipp Brandl

Ein bisschen Farbe im Sturm.

Bild: Philipp Brandl

In einer Skizze haben wir versucht aufzuzeichen, wie das Hydrothermalsystem von "Brothers" funktionieren könnte. Die Abbildung ist eine für diese Expedition modifizierte Version eines Modells, ursprünglich publiziert von einem unserer Co-Chiefs, Dr. Cornel de Ronde von GNS Science in Neuseeland (de Ronde et al., 2011). Unsere aktuelle Bohrstelle ist dabei illustriert und man kann sehen, wie groß der vermutete magmatische Eintrag an der Site auf dem Dom ist. Auch wenn der Vulkan also gerade zu schlafen scheint ist er dennoch alles andere als inaktiv und nach wie vor ziemlich heiß im Inneren!

Mittlerweile haben wir die makroskopische Beschreibung der letzten Bohrkerne abgeschlossen und arbeiten hart daran, auch alle mikroskopischen Beschreibungen der Gesteinsdünnschliffe fertigzustellen, bevor wir beginnen werden tiefer zu bohren. Davor müssen wir aber zuerst noch das Bohrloch säubern. Eines unserer Bohrlochmessgeräte, der Kuster Fluid-Beprober, hatte sich nämlich während der Messung von seinem Drahtseil verabschiedet und ging am Ende des Bohrlochs verloren. Einige Versuche, das Gerät mit unserer Fischerausrüstung zu bergen, schlugen fehl. Dabei handelt es sich natürlich nicht um eine Angelrute, sondern um massive Hardware um Objekte im Bohrloch zu greifen. Jetzt müssen wir einen Bohrkopf einsetzen, der erstmal alles klein mahlt, um unser Bohrloch zu reinigen und deshalb für weitere Operationen zu retten. Danach werden wir wieder damit beginnen Kerne zu bohren. Haltet eure Daumen gedrückt für eine Fortsetzung unserer erfolgreichen Aktivitäten.

Diese Woche feierten wir außerdem "Hump Day" oder Bergfest, wie es auf deutschen Forschungsschiffen heißt. Das bedeutet, dass wir die Hälfte unserer Expedition geschafft haben. Jetzt freuen wir uns noch auf weitere dreieinhalb Wochen voller aufregender wissenschaftlicher Bohrungen im Kermadec Arc nördlich von Neuseeland.

Es grüßt von Bord der Joides

Philipp Brandl (IODP-Expedition 376 "Brothers Arc Flux")