12. Feb. 2018

Stürmische Begrüßung im Atlantik: Blick von der Brücke des FS Maria S. Merian auf die aufgewühlte See.

Die Merian hat den Hafen von Las Palmas kaum verlassen, da steht sie schon vor ihrer ersten Aufgabe: Eine stürmische Ligurische See heißt die Crew willkommen. Ein guter Anlass, um sich die Ziele der Expedition – trotz getrübter Sicht – genau vor Augen zu halten. Direkt von Bord berichtet Fahrtleiterin Heidrun Kopp.

Mit einigen Stunden Verspätung konnten wir den Hafen von Las Palmas verlassen und uns auf den Weg in die Ligurische See machen. Der Start der 71. Reise des FS Maria S. Merian gestaltet sich indes sehr stürmisch: Bei Windstärken um 7 Bft und Böen bis 10 Bft (bei einem Windstärkenbereich von 12  auf der Beaufortskala (Bft) spricht man von einem Orkan!) mit Wellenhöhen um 6 Meter im Atlantik bekamen wir direkt hinter der Kaimauer "eins auf die Mütze". Dennoch sind alle an Bord wohlauf und schaukeln sich so langsam ein.

Das Ziel unserer Expedition ist es, die tiefen Wurzeln der Alpen zu erforschen und die Gebirgsbildung besser zu verstehen. Moment mal, die Alpen? Wie jetzt? Warum fährt man
zur See, wenn man die Alpen erforschen will – das passt doch gar nicht zusammen? Da wäre es doch angebrachter, ein paar gute Bergschuhe und einen Wanderstock einzupacken,
anstelle von Schwimmwesten und Sicherheitshelmen. Tatsächlich ist es so, dass sich die Alpen an der Grenze zweier großer Erdplatten befinden: Europa und Afrika. Diese "Knautschzone"
zieht sich bis in die Ligurische See vor den Küsten Frankreichs und Norditaliens, wo sich die Gebirgsfront unter dem Meer fortsetzt. Zwischen den beiden großen Platten sind eine ganze
Anzahl kleinerer Mikroplatten im alpinen Raum gefangen. Hört sich komplex an? Ist es tatsächlich auch und daher ist unsere Ausfahrt nur ein Puzzleteil in einem großen europäischen Projekt, zu dem sich 50 Institute aus 18 europäischen Nationen zusammengeschlossen haben, um den Alpenraum mit einem engmaschigen Netz von Erdbeben-Seismometern zu überdecken und so die Signale aus der Tiefe in hoher Auflösung zu registrieren.

Unsere Aufgabe ist es, mit Hilfe von Ozeanbodenseismometern diese Signale auch am Meeresboden aufzuspüren. Entsprechend international ist unser Team besetzt: Neben Forschern vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und der Universität Kiel begleiten uns Kollegen aus Frankreich, Holland und China. Zugleich unterstützen uns an Land Forscher aus Italien, die in Ligurien und auf Korsika Seismometer während unserer Ausfahrt installieren werden. Dazu aber später mehr....jetzt dampfen wir zunächst nach Norden, versuchen dem Wind und den Wellen zu trotzen und bereiten uns auf einen ersten Gerätetest morgen vor.

In diesem Blog werden wir über den Fortschritt unserer Experimente sowie auch über das Leben und Arbeiten an Bord berichten. Forschungsschiffe sind ungewöhnliche Arbeitsplätze auf engem Raum und auch hierzu werden wir Einblicke geben.

Wir freuen uns, unsere Tage hier auf der Merian mit Ihnen über den Blog teilen zu können.

Heidrun Kopp
(Fahrtleitung MSM-71, auf See)