19. Feb. 2018

OBS neben der Bordwand des FS Maria S. Merian wartet auf die Bergung.

Forschung auf See hat ihre ganz eigenen Spielregeln. Für Fahrtleiterin Heidrun Kopp gleicht die Arbeit manchmal fast dem DFB-Pokal: Man bereitet alles über Monate penibel vor, durchdenkt alle Möglichkeiten, sichert alles doppelt und dreifach ab, spielt taktische Variationen durch und am Ende kommt alles anders, als man denkt...

Wie im vorherigen Beitrag beschrieben, sind unsere Ozeanbodenseismometer oder OBS sowohl mit einem starken Blitzlicht, als auch mit einem Radiosender und zu guter Letzt mit einer leuchtend orangefarbenen Fahne ausgestattet. All dies dient dazu, die Geräte gut auffinden zu können, sobald sie an der Oberfläche auftauchen – und dies sowohl bei Tag als auch bei Nacht. Zusätzlich braucht man natürlich eine gute Mannschaft (ganz wie beim Pokal), sonst läuft gar nichts. Haben wir alles an Bord, sind wir bestens vorbereitet. Umso überraschter sind wir, dass dann doch nicht alles so läuft, wie wir es geplant haben (also auch so wie beim Pokal).

In unserem Fall sind es die Sender und Blitzer, die uns im Stich lassen. Beide Komponenten werden über die Leitfähigkeit gesteuert und gehen erst dann in Betrieb, wenn sie an der Wasseroberfläche aus dem Wasser herausragen. Dies ist sinnvoll, um über die lange Einsatzzeit am Meeresboden keine Batterieleistung zu verschwenden, denn dort werden Sender und Blitzer ja nicht benötigt. Taucht das Gerät aber flach an der Wasseroberfläche auf und steht nicht senkrecht im Wasser, so liegen Sender und Blitzer weiterhin im Wasser – genauso wie die Fahne, denn ein Unglück kommt bekanntlich selten allein.

Eisscheinwerfer vor dem Bug der Merian.

Eisscheinwerfer vor dem Bug der Merian.

Bild: H. Kopp/GEOMAR
Der kleine helle Punkt im Lichtstrahl ist unser Gerät.

Der kleine helle Punkt im Lichtstrahl ist unser Gerät.

Bild: Y. Xia/GEOMAR
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Eisscheinwerfer vor dem Bug der Merian.

Bild: H. Kopp/GEOMAR

Der kleine helle Punkt im Lichtstrahl ist unser Gerät.

Bild: Y. Xia/GEOMAR

So müssen wir unsere Geräte also visuell suchen, und dabei sind echte Adleraugen gefragt. Nur gut, dass wir die auch an Bord haben: Unser Joker ist Anke D.. Sie ist gleichzeitig unser Libero, das heißt, auf allen Positionen einsetzbar. Vom DFB-Pokal weiß man ja bekanntlich, dass der Joker zusammen mit einer Top-Mannschaft spielentscheidend ist.

Mit dieser Aufstellung können wir unsere Geräte auffinden, wenn sie an der Oberfläche sind. Tagsüber ist dies schon nicht ganz trivial, da helfen viele Augenpaare, am besten junge. Gut also, dass wir viele Studentinnen und Studenten mit an Bord haben! Richtig spannend wird es aber erst nachts, denn im Trüben zu fischen ist besonders schwierig. Auf See sind die Nächte zudem besonders dunkel, anders als vielerorts an Land. Da uns der Mond ebenfalls nicht zur Hilfe kommt, sind wir doppelt froh, dass die Merian mit guten Eis-Suchscheinwerfern steuerbords und backbords ausgestattet ist. Wir suchen die Wasseroberfläche also so lange ab, bis wir unser Geräte entdecken – und hierbei erzielt Anke die meisten Tore, um beim Pokal-Vergleich zu bleiben. In der ersten Nacht können wir zudem die Geräte mit Hilfe des Eisradars der Merian scannen, da die See sehr ruhig ist.

Und wie beim DFB-Pokal ist es am Ende das Quäntchen Glück, das entscheidend ist. In unserem Fall ist es die momentan sehr ruhige See, die uns entscheidend hilft, unsere Geräte auch nachts erfolgreich zu bergen.

Heidrun Kopp
Fahrtleitung MSM-71, auf See

P.S. Einen Lukas Podolski haben wir übrigens auch an Bord: Unser Ingenieur Patrick S. hat auch dann immer noch einen lockeren Spruch parat, wenn alles zwischenzeitlich ganz düster aussieht. Und vom Fußball weiß man ja bekanntlich auch, wie wichtig die Psyche ist. Von daher haben wir für den Rest der Fahrt "vom Feeling her immer noch ein gutes Gefühl" (Podolski-Zitat).