17. Mai. 2018
M147 Amazonas Meteor

Wissenschaftliche Fahrtleitung und Vertreter verschiedener Arbeitsgruppen planen auf Basis von Kartenmaterial die Probenahme-Strategie und genaue Lage der Beprobungspunkte für die nächsten Tage.

Auf einer Forschungsexpedition fallen so allerlei Organisationsaufgaben an: Nicht nur die Tagesabläufe für alle Crewmitglieder, die Arbeitszeiten in Laboren und an Deck und die Stationsroute wollen geplant sein, auch die Kommunikation an Bord und mit dem Land bedarf Arbeit. Während M147 ist Fahrtleiterin Andrea Koschinsky für all diese Aufgaben verantwortlich.

So mancher mag sich fragen, was eigentlich die Fahrtleiterin die ganze Zeit macht, wenn die anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Stationen fahren und ihre Proben im Labor bearbeiten. Um selbst intensiv an der Probenbearbeitung mitzuwirken, bleibt in dieser Position in der Regel keine Zeit. Die Aufgabe besteht im Wesentlichen in Planung und Organisation, Kommunikation und Informationsaustausch mit den beteiligten Arbeitsgruppen und der Schiffsleitung, Erstellen der Stationspläne und das Verfassen von Berichten, die bei verschiedenen Behörden und der Leitstelle für Forschungsschiffe vorgelegt werden müssen.

Viele Dinge sind auf einer Forschungsfahrt nicht langfristig im Voraus planbar, insbesondere, wenn man in einem so komplexen Arbeitsgebiet wie unserem, im Ausstromgebiet des Amazonas und Rio Pará, unterwegs ist. Und so ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass der Stationsplan für die nächsten ein bis zwei Tage, wie er morgens ausgehängt wird, aufgrund von Unvorhergesehenem schon nach wenigen Stunden wieder überarbeitet wird: Die Stationsplanung ist dynamisch und einem ständigen Anpassungsprozess unterworfen. Dies erfordert von allen Beteiligten eine große Flexibilität, Professionalität und auch Kreativität – und es ist immer wieder beeindruckend, was auf dem Schiff von den verschiedenen Abteilungen alles möglich gemacht wird, um schnelle und effiziente Lösungen zu finden.

Morgendliche Lagebesprechung und Tagesplanung mit Kapitän und Offizieren, Wetterdienst-Techniker, Bordarzt, leitendem Ingenieur und wissenschaftlicher Fahrtleitung auf der Brücke.

Morgendliche Lagebesprechung und Tagesplanung mit Kapitän und Offizieren, Wetterdienst-Techniker, Bordarzt, leitendem Ingenieur und wissenschaftlicher Fahrtleitung auf der Brücke.

Bild: Clive Maguire
Nach zwei Wochen intensivem Beprobungsprogramm hat unsere Route bereits ein Geflecht von Spuren auf der Karte hinterlassen, entlang dem hunderte von Proben genommen und zahlreiche Daten aufgezeichnet wurden.

Nach zwei Wochen intensivem Beprobungsprogramm hat unsere Route bereits ein Geflecht von Spuren auf der Karte hinterlassen, entlang dem hunderte von Proben genommen und zahlreiche Daten aufgezeichnet wurden.

Bild: Mapviewer
Alle zwei bis drei Tage treffen sich alle Wissenschaftler im Konferenzraum und besprechen die Stationsplanung für die nächsten Tage sowie sonstige wichtige Angelegenheiten. Das Treffen bietet auch Gelegenheit, erste Ergebnisse zu besprechen.

Alle zwei bis drei Tage wird die Stationsplanung für die nächsten Tage sowie sonstige wichtige Angelegenheiten besprochen. Das Treffen bietet auch Gelegenheit, erste Ergebnisse zu besprechen.

Bild: Clive Maguire
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Morgendliche Lagebesprechung und Tagesplanung mit Kapitän und Offizieren, Wetterdienst-Techniker, Bordarzt, leitendem Ingenieur und wissenschaftlicher Fahrtleitung auf der Brücke.

Bild: Clive Maguire

Nach zwei Wochen intensivem Beprobungsprogramm hat unsere Route bereits ein Geflecht von Spuren auf der Karte hinterlassen, entlang dem hunderte von Proben genommen und zahlreiche Daten aufgezeichnet wurden.

Bild: Mapviewer

Alle zwei bis drei Tage wird die Stationsplanung für die nächsten Tage sowie sonstige wichtige Angelegenheiten besprochen. Das Treffen bietet auch Gelegenheit, erste Ergebnisse zu besprechen.

Bild: Clive Maguire

Die Planungen beginnen in der Regel nach dem Frühstück mit einem Treffen aller leitenden Personen mit Kapitän Rainer Hammacher auf der Brücke. Hier werden das Tagesgeschäft und die geplanten Geräteeinsätze besprochen und sonstige wichtige Dinge diskutiert. Die detaillierten Stationsplanungen organisiere ich zusammen mit meinem Co-Fahrtleiter Martin Frank und leitenden Vertretern der anderen Arbeitsgruppen; auf Basis von Kartenmaterial und weiteren Daten, z.B. Satellitendaten zur Verbreitung von Chlorophyll im Ausstromgebiet oder dem Salzgehalt des Oberflächenwassers, der die Ausbreitung der Süßwasserfahne anzeigt, wird eine Route für das Schiff erstellt, entlang der an verschiedenen Stationen Wasser- und Sedimentproben genommen werden.

Da die Fahrtzeiten zwischen den Stationen oft kurz sind und auch der Geräteeinsatz bei den sehr geringen Wassertiefen von zum Teil nur 10 bis 20 Meter sehr schnell sind, muss die für die Bearbeitung der Proben zwischen den Stationen nötige Zeit einkalkuliert werden. Mal ist das Wasser trüb und voller Partikel und gelöster Stoffe, mal klar mit sehr kleinen Gehalten an Metallen und organischen Stoffen; die Wassertiefe ändert sich an der Schelfkante in kurzer Entfernung von circa 100 Meter weit über 1000 Meter. Manchmal müssen Geräteeinsätze wiederholt werden, z.B. wenn der Multicorer auf sandigen Untergrund mit Muschelstückchen und Steinen trifft und die Kernrohre nicht ausreichend gefüllt sind – oder wenn das Sediment so weich ist, dass es beim Entnehmen aus dem Gerät aus den Rohren läuft.

Auch das Wetter spielt eine entscheidende Rolle – zu starker Wind und Seegang oder auch zu starke Strömungen können Geräteeinsätze erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen. Entlang der Küste wurde unsere Fahrtroute mehrfach durch intensive Fischereiaktivitäten beeinflusst; dicht an dicht treibende Fischernetze und Langleinen, die oft nur schwer auszumachen sind, erfordern eine sehr hohe Aufmerksamkeit auf der Brücke und teils ein Anpassen der Route, denn ein Verfangen von Fischereigerät in der Schiffsschraube könnte ein jähes Ende der Forschungsarbeiten bedeuten. Auch die Gezeiten verkomplizieren dieses ohnehin schon sehr komplexe System einer Flussmündung noch weiter – manchmal trieb uns die Flut die höheren Salzgehalte vom Meer entgegen, und die Ebbe trieb sie dann von uns weg, so dass wir weitere Strecken hinterherfahren mussten, um das Oberflächenwasser in den entsprechenden Mischungsverhältnissen mit dem Meerwasser beproben zu können.

Und schon ist der sorgfältig ausgearbeitete Zeitplan hinfällig, es muss neu überlegt und alle Betroffenen über die beschlossenen Änderungen informiert werden. Kaum ein Tag, an dem es anders wäre! Was sehr stressig klingen mag, ist in der Praxis allerdings nur halb so schlimm, da hier an Bord alle die komplexen Bedingungen verstehen und mit großer Bereitschaft an Lösungen mitarbeiten – auch wenn es weit über das normale Maß hinaus geht. Insbesondere die sehr angenehme und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Kapitän und seinen Teams macht sehr viel Spaß. Niemand von uns – weder wir Wissenschaftler noch die Besatzung der Meteor – hat bisher in einer solch dynamischen und komplexen Umgebung gearbeitet und so bietet jeder Tag neue Herausforderungen, die wir meistern. Es bleibt spannend bis zum letzten Tag!

Es grüßt im Namen der gesamten Besatzung

Andrea Koschinsky (Fahrtleiterin der Ausfahrt M147)