11. Okt. 2018
Frau Prof. Dorothee Dzwonnek (DFG) informiert sich bei Prof. Dierk Hebbeln (MARUM) über die ersten Ergebnisse.

Frau Prof. Dorothee Dzwonnek (DFG) informiert sich bei Prof. Dierk Hebbeln (MARUM) über die ersten Ergebnisse.

Bevor sich die Meteor auf den Weg zur ersten Forschungsstation machen kann, steht eine Stippvisite derjenigen an, dank derer die Ausfahrt M151 überhaupt erst auf den Weg gebracht werden konnte. Eine erste Herausforderung für die bunt gemischte Forschungstruppe an Bord.

Wir sind an einem Montag mit 27 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in See gestochen. Ziel unserer Reise ist es, entlang einer Kette von Tiefseebergen südlich der Azoren nach Kaltwasser-Korallen zu suchen.

Unsere Meteor-Reise trägt den Kurznamen ATHENA –Göttin der Weisheit und Strategie. "Nomen est Omen" – und so hoffen wir Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, dass unsere Strategie aufgeht und diese Meteor-Expedition zu den Tiefseebergen südlich der Azoren erfolgreich sein wird. Die Weisheit über die Klimageschichte in dieser Region soll mit unseren Untersuchungen wachsen.

Athena und Poseidon, auf dessen Gunst wir als Seefahrer natürlich angewiesen sind, werden hoffentlich nicht mehr an ihren Streit denken und uns wohl gesonnen sein.
Worum geht es? Mit der chemischen Zusammensetzung der Kalkskelette fossiler und rezenter Korallen – sowie der sie umgebenden Sedimente und des Meerwassers – können wir die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Wassermassen in der Vergangenheit rekonstruieren. Und wir wissen bereits, dass es in diesem Seegebiet seit der letzten Eiszeit zu massiven Veränderungen kam. Korallenökosysteme waren häufiger und ihr Lebensraum deutlich kälter als heutzutage. Aber wieviel kälter wirklich? Dieser und weiteren Fragen werden wir nachgehen und über unsere Arbeiten und das Leben an Bord regelmäßig berichten.

Das Team um Prof. André Freiwald (SAM) inspiziert die Backengreifer Ausbeute mit Korallenbruchstücken und lebenden Organismen.

Das Team um Prof. André Freiwald (SAM) inspiziert die Backengreifer Ausbeute mit Korallenbruchstücken und lebenden Organismen.

Bild: MARUM/Universität Bremen/V. Diekamp
Lebende Steinkoralle (Eguchipsammia c.f. cornucopia) mit dem Backengreifer aus 314 Meter Wassertiefe geborgen.

Lebende Steinkoralle (Eguchipsammia c.f. cornucopia) mit dem Backengreifer aus 314 Meter Wassertiefe geborgen.

Bild: MARUM/Universität Bremen/V. Diekamp
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Das Team um Prof. André Freiwald (SAM) inspiziert die Backengreifer Ausbeute mit Korallenbruchstücken und lebenden Organismen.

Bild: MARUM/Universität Bremen/V. Diekamp

Lebende Steinkoralle (Eguchipsammia c.f. cornucopia) mit dem Backengreifer aus 314 Meter Wassertiefe geborgen.

Bild: MARUM/Universität Bremen/V. Diekamp

Begonnen hat unsere Expedition aber schon fünf Tage zuvor. Ein "Vortrupp" hatte routiniert die Labore für die geplanten Arbeiten eingerichtet und den Unterwasserroboter MARUM-SQUID vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen – für den ersten Einsatz vorbereitet. Dies verlief reibungslos dank der gewohnt ausgezeichneten Unterstützung der Mannschaft.

Eine leichte Aufregung lag auf uns Wissenschaftlern. Ist doch eine Delegation der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), unser Geldgeber, unserer Einladung zu einer Stippvisite gefolgt, um einen Einblick in unsere Arbeiten auf der Meteor zu bekommen. Der Plan war, gemeinsam mit der von Generalsekretärin Prof. Dorothee Dzwonnek angeführten Delegation die regionalen Kaltwasser-Korallen-Ökosysteme nahe der Azoreninsel Sao Miguel mit einem Tauchgang zu erkunden.

Der Plan war gut – das Wetter ließ uns jedoch im Stich und der Einsatz des Tauchroboters musste aufgrund zu rauer See abgesagt werden. Ein Plan B musste her. Die Leitenden Wissenschaftler Norbert Frank, Dierk Hebbeln und André Freiwald – alles ausgewiesene Kaltwasserkorallen-Experten – entschieden sich nach einer detaillierten Bodenvermessung entlang eines Vulkankraters (José Gaspar) für den Einsatz von Backengreifern. Am Fuß des kleinen Vulkankegels fanden wir sandige Proben mit nur wenigen kleineren, teils fossilen Korallenfragmenten. Hangaufwärts allerdings wurden dann die Biologen und auch die DFG-Delegation belohnt mit einem schönen, aktiven Korallenriff mit Korallen der Art Eguchipsammia c.f. cornucopia.

Danke, Frau Dzwonnek, dass Sie uns begleitet haben! Nach ihrem Eindruck gefragt, sagte sie, dass ihr insbesondere das interdisziplinäre und sehr teamorientierte Hand-in-Hand an Bord positiv aufgefallen sei. So machen wir weiter – denn genau das braucht eine erfolgreiche Expedition.

Es grüßt von Bord der Meteor die gesamte Crew!