15. Okt. 2018
Einblick in die Lotzentrale auf der METEOR.

Einblick in die Lotzentrale auf der METEOR.

Um ihrem Forschungsobjekt – den Kaltwasserkorallen – auf den Grund zu gehen, ist das Know-how der unterschiedlichsten Forschungsmethoden, die an Bord der Meteor vertreten sind, vonnöten. Denn zunächst einmal muss der Meeresboden bekannt sein, um Korallenriffe überhaupt entdecken zu können.

Es ist vier Uhr nachts – es herrscht reges Treiben in der sonst eher ruhigen Lotzentrale. Der Raum befindet sich direkt unter der Brücke, weit oben im Schiff. Die Stühle scheinen sich sanft auf und ab zu bewegen. Es ist Schichtwechsel im Team der Hydroakustiker*innen, weitere vier Stunden Vermessung des Meeresbodens liegen vor uns. Terra incognita – über diese Landschaft unter uns ist fast nichts bekannt.

Die Oberfläche des Mars kennt man auf 100 mal 100 Meter genau (NASA Mars Odyssey), fünfzigfach besser als aktuell existierende Karten unserer Weltmeere, die die Strukturen am Meeresgrund nur mit rund 1 mal 1 Kilometern (GEBCO 2014) auflösen. Damit wir unsere Forschungsobjekte – die Kaltwasserkorallenriffe – während der Fahrt entdecken können, brauchen wir aber unbedingt Karten mit einer Auflösung von nur wenigen Metern. Das erreichen wir, indem wir das Zielgebiet systematisch mit dem Fächerecholot vermessen.

Meeresboden-Vermessung: Eine untermeerische Landschaft entwickelt sich.

Meeresboden-Vermessung: Eine untermeerische Landschaft entwickelt sich.

Bild: MARUM/Universität Bremen/V. Diekamp
Einblick in die Lotzentrale auf der Meteor.

Einblick in die Lotzentrale auf der Meteor.

Bild: MARUM/Universität Bremen/V. Diekamp
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Meeresboden-Vermessung: Eine untermeerische Landschaft entwickelt sich.

Bild: MARUM/Universität Bremen/V. Diekamp

Einblick in die Lotzentrale auf der Meteor.

Bild: MARUM/Universität Bremen/V. Diekamp

Akustische Signale werden in Richtung des Meeresbodens gesendet, von diesem reflektiert und die Laufzeit zwischen dem Ping und seiner Ankunft gemessen. Die verstrichene Zeit zwischen dem Aussenden und dem Empfangen des Schalls bestimmt die Tiefe. Bei langsamer Fahrt entwickelt sich die Landschaft am Bildschirm wie in einem Strategiespiel. Immer mehr Strukturen kommen zum Vorschein. In parallelen Streifen – sogenannten Matratzen – entsteht ein präzises Relief des Meeresbodens

Später werden sich die leitenden Wissenschaftler*innen treffen und ihre Köpfe über den Karten zusammenstecken – wo befinden sich Tiefseeberge? Wo sind Canyons? Kurz: Wo könnten sich die Kaltwasserkorallen vor uns verstecken? Gemeinsam legen sie dann die Einsatzpläne für den Tauchroboter MARUM-SQUID oder den Backengreifer fest.

Mit dem Relief kennen wir nur die Landschaft, nicht aber wieviel Sediment sich dort befindet. Für die Geräte, die dies beproben sollen, ist das Auffinden von Sedimentpaketen aber notwendig, ansonsten würden die Geräte auf dem harten Basaltboden beschädigt. Bei unserer Ausfahrt sollen dazu Kastengreifer, Multicorer und das Schwerelot eingesetzt werden. Der Parasound sendet Schallsignale mit größerer Wellenlänge, die tiefer in den Meeresboden eindringen. Die Reflektion der verschiedenen Sedimentschichten wird als Streifenmuster auf dem Bildschirm aufgezeichnet.

Leider ist das Wetter rund um die Azoren und in unserem Arbeitsgebiet aktuell sehr unbeständig, sodass wir Pläne oft mehrfach am Tag an die sich ändernden Gegebenheiten anpassen müssen. Genaue Karten sind daher für uns unerlässlich, um immer wieder neue Stationen festlegen zu können. Wenn dann das letzte Gerät wieder an Deck ist, begeben sich die Hydroakustiker*innen abermals nach oben unter die Brücke. Eine neue, lange Nacht in der Lotzentrale beginnt.

Es berichteten aus der Lotzentrale Stefanie Gaide vom MARUM und Jasmin Link und Marleen Lausecker vom IUP Heidelberg.