22. Okt. 2018

Das Satellitenbild zeigt den Bereich West Atlantik. Das rote DBBH ist vom Wettertechniker nachträglich hinzugefügt worden.

Beinahe nirgends ist eine treffende Wetterprognose so wichtig wie auf Hoher See. Vor allem dann nicht, wenn an Bord auch noch exakte Wissenschaft und Messarbeit betrieben werden will. Damit das sicher und erfolgreich auf der Meteor möglich ist, gibt es eine eigene Bordwetterwarte, die uns Einblick in die tägliche Arbeit gewährt.

Strahlend blauer Himmel, windstill. Was Segler zum Stehen bringt, ist die optimale Voraussetzung für den Einsatz von Forschungsgroßgeräten wie den eines Tauchroboters. "Am besten Ententeich", so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Deck. Aber wie werden wir eigentlich über das Wetter und seine Entwicklung an Bord des Forschungsschiffs Meteor mitten im Atlantik informiert, wo Internet und Wetter-App nicht funktionieren? Und warum hatten wir zu Beginn unserer Reise derart heftige Stürme und wechselhafte Wetterbedingungen? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir uns in die vom Deutschen Wetterdienst betriebene Bordwetterwarte begeben.

Der Arbeitstag von Julia Wenzel (Meteorologin) und Martin Stelzner (Wettertechniker) hoch oben direkt unter der Brücke der Meteor beginnt früh. Wenn viele noch schlafen, sorgt Martin dafür, dass die automatisch gemessenen und durch Augenbeobachtung vervollständigten Wetterdaten zum DWD nach Offenbach übertragen werden, wo diese in die aktuellen Wettermodelle einfließen und damit auch für bessere Wettervorhersagen für Zuhause sorgen. Außerdem stellt er die für die Wettervorhersage benötigten Daten zusammen.

Diese aktuellen Modellläufe, Analyse- und Vorhersagekarten sowie Satellitenbilder fließen nun in die Wettervorhersage für unsere jetzige Position und die der nächsten zwei Tage ein. Das Ergebnis ist herausragend: Jeden Morgen um Punkt 8:30 Uhr präsentieren Julia oder Martin eine maßgeschneiderte Wettervorhersage als kurzen Vortrag auf der Brücke. Im Detail werden die Entstehung und Zugbahnen von Tief- und Hochdruckgebieten und die resultierenden Wetter- und Seegangsbedingungen vorgestellt. Die Leitung der Ausfahrt, also der Kapitän, die Offiziere und die leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen diesen Service, denn jetzt kann der Arbeitsplan im Wetterkontext abgestimmt werden.

Einblick in die Bordwetterwarte: Die Auswertunge, die hier ermittelt werden, entscheiden über den täglichen Arbeitsplan.

Einblick in die Bordwetterwarte: Die Auswertunge, die hier ermittelt werden, entscheiden über den täglichen Arbeitsplan.

Bild: Volker Diekamp/MARUM
Der Hurrikan Leslie auf www.windy.com: Wetter-Apps sind auf Hoher See meist nicht erreichbar.

Der Hurrikan Leslie auf www.windy.com: Wetter-Apps sind auf Hoher See meist nicht erreichbar.

Bild: Volker Diekamp/MARUM
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Einblick in die Bordwetterwarte: Die Auswertunge, die hier ermittelt werden, entscheiden über den täglichen Arbeitsplan.

Bild: Volker Diekamp/MARUM

Der Hurrikan Leslie auf www.windy.com: Wetter-Apps sind auf Hoher See meist nicht erreichbar.

Bild: Volker Diekamp/MARUM

Für Julia und Martin ist im Gegensatz zur Fernsehwettervorhersage ein Unterschied wesentlich. Wenn sie schlechtes Wetter oder einen Hurrikan vorhersagen, können sie die Emotionen ihres Publikums direkt wahrnehmen. Was in der Meteorologie Begeisterung auslöst, verursacht leider keinen "Ententeich". Nach dem Meeting erstellt Julia den ersten schriftlichen Wetterbericht, der allen an Bord schon gegen 10 Uhr vorliegt, sodass weitere Reaktionen beim Mittagessen zu erwarten sind. Ein zweiter, aktualisierter Bericht folgt am Nachmittag, und damit sind die wichtigsten Aufgaben des Tages erledigt. Martin hat derweil die Sensorik an Bord auf Funktionalität überprüft und wenn möglich, als Teil internationaler Datenerfassung, einen Ballon in die Stratosphäre aufsteigen lassen.

Wenn die Zeit es zulässt, stellen sie sich den neugierigen Fragen der Mitreisenden:
"Hallo Julia! Zuallererst: Was war denn der Grund für unser unbeständiges Wetter?"
"Hallo Jasmin! Zu Beginn der Reise befand sich südwestlich der Azoren der Hurrikan Leslie, bei dem sich die Modelle anfangs nicht einig waren, ob er auf direktem Wege über unser geplantes Arbeitsgebiet am Großen Meteortiefseeberg südlich der Azoren nach Osten ziehen oder ob er durch ein sich verstärkendes Hochdruckgebiet nach Südwesten gelenkt werden sollte. Zusätzlich zog ein Sturmtief knapp nördlich der Azoren nach Osten."

Wir standen daher im Zwiespalt. Eigentlich müssten wir vor dem Sturmtief nach Süden fliehen. Dort lauerte aber Gefahr von Leslie, die sich doch dazu entschlossen hatte, nach Osten weiterzuziehen. Unsere Lage war also verzwickt, und so konnten wir nichts weiter tun, als Arbeitsgebiete rund um die Azoren zu nutzen – immer mit der Idee im Hinterkopf, zur Not in den Windschatten einer der Inseln zu fahren, um uns vor dem Sturm und dem zunehmenden Seegang zu schützen.

So kam es nun auch: Julia hatte eine Stelle östlich der Insel Sao Miguel gefunden, an der wir abwettern konnten. Einen ganzen Tag standen wir dort und warteten bis wir die Forschung fortsetzen konnten. Aufgrund der verrückten Wetterlage war die Zusammenarbeit mit dem Fahrtleiter in diesem Zeitraum besonders eng. Es fanden öfters Besprechungen statt, um den Stationsplan den aktuellen Begebenheiten anzupassen.

"Es ist schon ungewöhnlich, gleich auf der ersten Fahrt als Bordmeteorologin einen Hurrikan handeln zu müssen – aber so bleibt die Arbeit auch spannend."
"Und wie sieht die Prognose für die nächsten Tage aus?"
"Leslie ist mittlerweile in Richtung Osten gezogen. Jetzt bestimmt ein Hochdruckgebiet unser Wetter und beschert uns im Moment die von der Wissenschaft ersehnte ruhige See."

Für ihre weiteren Fahrten auf den deutschen Forschungsschiffen wünschen wir Julia und Martin allzeit gute Fahrt und bedanken uns für den Einblick in die Bordwetterwarte!