19. Nov. 2019
Die Überlebensanzüge werden in einem Pool mit Meerwasser getestet.

Die Überlebensanzüge werden in einem Pool mit Meerwasser getestet.

Das Leben an Bord der Meteor – Ein Beitrag von Christin Jahr

 Inzwischen sind es mehr als zwei Wochen, seit wir unsere Expedition M159 von Recife nach Mindelo begonnen haben. Ich bin überrascht, wie schnell ich mich an das Leben an Bord der METEOR gewöhnt habe. Nach nur wenigen Tagen habe ich das Gefühl, schon wochenlang auf dem Forschungsschiff zu sein, doch immer noch ist alles war neu und aufregend. Ich habe eine Menge gelernt und konnte meine Kollegen und die Crew in dieser kurzen Zeit sehr gut kennenlernen. Das Leben Zuhause und bei meiner Arbeit ist nicht mit dem Leben auf dem Forschungsschiff zu vergleichen. Ganz am Anfang musste sich mein Körper erstmal an die kontinuierlichen Schwankungen des Schiffs gewöhnen. Am ersten Tag habe ich mich nicht sonderlich gut gefühlt und war unglaublich müde – offenbar die Symptome, zu denen man hier „seekrank“ sagt. Zum Glück habe ich nicht lange gebraucht, um mich an diese neuen Umstände zu gewöhnen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich immer noch Schwierigkeiten damit habe, in den Fluren geradeaus zu gehen und mich anzuziehen, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren! Aber es wird besser.

Ich habe auch gelernt, dass man seine Sachen sichern und festgurten sollte, insbesondere nachts, wenn man nicht mehrmals durch fallende und herumrollende Sachen aufgeweckt werden will. Vor ein paar Nächten hat sich das Schiff so sehr bewegt, dass es mir vorkam, als würden die Dinge in unserer Kabine zum Leben erwachen. Ich habe einen Koffer von einer Seite zur anderen rollen hören, die Türen haben gequietscht und am nächsten Morgen haben wir gesehen, dass ein Stuhl komplett umgekippt war.

Luisa Sarmionto (rechts) und Christin Jahr (links) kurz vor dem Testen der Überlegensanzüge im Pool.

Bild: Martin Visbeck
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Luisa Sarmionto (rechts) und Christin Jahr (links) kurz vor dem Testen der Überlegensanzüge im Pool.

Bild: Martin Visbeck

Um im Falle eines Notfalls an Bord sicher zu sein, denn umfallende Objekte sind nicht die einzige Gefahr, nehmen wir regelmäßig an Sicherheitsübungen teil. Bisher hatten wir zwei davon. Die letzte Übung war ziemlich interessant. Sobald der Alarm ausging, mussten wir warme Klamotten anziehen, eine Kappe, richtige Schuhe und unsere Rettungsjacken, die wir unter unseren Betten in den Kabinen aufbewahrt werden. Alle versammelten sich an Deck und eines der Crewmitglieder kontrollierte, ob alle Wissenschaftler anwesend waren. An diesem Tag haben sie uns gezeigt, wie man einen Überlebensanzug trägt, was nicht nur wichtig zu wissen ist, sondern auch Spaß macht. Ein paar von uns haben sich freiwillig gemeldet, um die Anzüge anzuziehen und sie in einem Becken voll Meerwasser zu testen. In diese grell-orangen Anzüge gequetscht sahen wir ein bisschen aus wie Teletubbies. Ich habe eigentlich nur darauf gewartet, dass jemand "Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa, Po" zu singen beginnt. Es war etwas schwierig, sich in den Anzügen zu bewegen, besonders im Pool, wo wir an der Oberfläche getrieben und zusammengestoßen sind. Aber wir hatten eine gute Zeit!

Als wir aus dem Pool kamen und die Überlebensanzüge ausziehen konnten, war es sehr gut ein bisschen Wind zu spüren. Natürlich wird es bei 28 Grad ziemlich heiß in diesen Anzügen, denn sie sind dafür gemacht, um ihre Träger vor Unterkühlung zu schützen. Dort drin wird die Körpertemperatur im kalten Meerwasser im Falle einer Evakuierung nicht unter 35 Grad sinken.

Was ich an dem Leben und der Arbeit auf dem Forschungsschiff sehr interessant finde ist, dass wir für die Dauer unserer Expedition quasi in unserer eigenen, kleinen Welt leben. Alles was wir brauchen ist an Bord. Solange wir unterwegs sind, kombiniert das Schiff Zuhause, Arbeitsplatz und Freizeit. Vor oder nach der Arbeit können wir das Fitnessstudio benutzen, Tischtennis spielen oder auf dem Affendeck sitzen, das direkt über der Brücke ist. Außerdem verliert man völlig den Überblick über die Wochentage. Jeder Tag ist wie der andere: Man hat dieselben Schichten, man sieht dieselben Leute und auch Frühstück, Mittag- und Abendessen sind immer zu selben Zeit. Zuhause schaffe ich es eigentlich nie, auch nur zwei richtige Mahlzeiten zu mir zu nehmen. Alles in allem kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, die Möglichkeit bekommen zu haben zu sehen, wie es ist, auf einem Forschungsschiff zu sein. Ich habe eine Menge über physische Ozeanographie gelernt, meine Kollegen sehr gut kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und das Leben an Bord der METOR kennengelernt.  


Die Blogeinträge der FS METEOR gibt es ebenfalls unter: https://www.oceanblogs.org/m159/