05. Apr. 2018

Die Studentinnen Anne-Christin Melcher und Laura Kramer im Kühlraum beim Vorbereiten der Kerne für die geochemische Beprobung.

Moin, mein Name ist Anni und ich bin eine der wissenschaftlichen Fahrtteilnehmerinnen der Meteor-Ausfahrt M146 zu den Kanarischen Inseln, genauer gesagt dem Henry Seamount bei der Insel El Hierro. Vor ziemlich genau drei Jahren war ich das erste Mal auf einem Forschungsschiff, ebenfalls auf der Meteor. Damals ging es bei ebenso warmen Temperaturen wie jetzt in eine ganz andere Richtung, in den Golf von Mexico.

Zum Zeitpunkt meiner ersten Expedition war ich noch Bachelorstudentin an der Universität Bremen und hatte nur wenig Ahnung von Geochemie. Auf der Meteor habe ich das erste Mal gelernt, wie es ist, bei schaukelndem Seegang Proben zu nehmen und präzise zu arbeiten, was man sonst an Land ohne Schaukeln mit links macht. Die Begegnung mit der Seekrankheit damals war eine der vielen Erfahrungen, die ich gemacht habe, und im Wesentlichen hat sich daran bis heute nichts geändert. Die ersten paar Tage muss ich mich einschaukeln, und hin und wieder werde ich auch mal etwas grün um die Nase. Für solche Fälle gibt es aber Reisetabletten, die super helfen!

Jetzt bin ich wieder auf der Meteor und durfte den Atlantik samt Äquator überqueren. Dabei wurde nach altem Brauch Neptun ein bisschen Schnaps gehuldigt. Während der etwas über einer Woche dauernden Anfahrt zum Arbeitsgebiet richtete ich mein erstes eigenes kleines Labor ein. Mittlerweile bin ich Master-Studentin, nach wie vor an der Universität Bremen, und auf dieser Ausfahrt die einzige Geochemikerin an Bord. In den letzten drei Jahren habe ich viel Erfahrung bei der Arbeit an Land und auf See gewonnen. Dass Pipettieren und Arbeiten am Abzug bei Seegang zur Tortur werden können oder dass eine Waage auf einem schaukelnden Schiff nutzlos ist, zählt dazu. Aber auch schöne Momente, wie die vielen Sonnenuntergänge mit dem weiten Horizont und gemeinsame Spieleabende nach der Arbeit, gehören zu den tollen Erfahrungen, die ich machen durfte.

Nun bin ich glücklich, hier an Bord zu sein und mich um die geochemischen Beprobungen kümmern zu dürfen. Natürlich half hier jeder jedem beim Aufbau, und somit war nach wenigen Tagen alles fertig eingerichtet. Mein Ziel auf dieser Fahrt ist es zum einen, Sedimentkerne zu beproben, aber auch die Sedimentkerne mit der Hilfe der anderen FahrtteilnehmerInnen zu beschreiben und mit Fotos zu dokumentieren. Dazu werden Schwerelote benutzt, das sind Rohre, die sich mit hohem Gewicht in den Meeresboden rammen und so je nach Sedimentbeschaffenheit bis zu 12 Meter lange Kerne ausstanzen. Die Kerne werden, nachdem sie wieder an Bord gekommen sind, in ein Meter lange Segmente geteilt und aufgesägt.

Die Ein-Meter-Segmente werden an Bord mit Sägen halbiert und für die Kernbeschreibung und Beprobung gesäubert.

Die Ein-Meter-Segmente werden an Bord mit Sägen halbiert und für die Kernbeschreibung und Beprobung gesäubert.

Bild: P. Wintersteller
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Die Ein-Meter-Segmente werden an Bord mit Sägen halbiert und für die Kernbeschreibung und Beprobung gesäubert.

Bild: P. Wintersteller

Die Arbeitshälfte wird direkt in den Kühlraum bei 4 Grad gebracht, und dort stehe ich zusammen mit einer Kollegin bereit, um unmittelbar mit der Beprobung zu beginnen. Dazu stecken wir kleine Rhizone mit 0,2 Mikrometer großen Filtern (das ist weniger als ein Hundertstel eines Haardurchmessers!) in die Kerne und saugen mit einer Spritze das Porenwasser heraus. Davon brauchen wir ein paar Milliliter, die dann in kleine Glasfläschchen gefüllt und kühl gelagert werden. Ziel ist es herauszufinden, welche verschiedenen Elemente und Stoffe im Sediment gelöst vorhanden sind, um Rückschlüsse daraus zu ziehen, ob Fluide aus der Tiefe durch das Sediment in das Meer gelangen-

Die andere Hälfte ist die Archivhälfte, diese wird fotografiert und detailliert beschrieben. Dazu gehören Farbe, Strukturen und andere Merkmale. Da wir so nahe an Vulkanen sind, hoffe ich, dass wir ein paar Aschelagen und andere interessante Details finden können. Wenn wir uns diese detailliert ansehen wollen, fertigen wir sogenannte Smear Slides (Schmierproben) an. Unter einem Mikroskop können wir uns dann ansehen, was in dem Sediment zu finden ist und woraus es besteht. Das können kleine Mikroorganismen, Ascheteilchen oder Minerale sein, die uns helfen herauszufinden, was am Henry Seamount passiert ist.

Das Spannendste an unserer Reise ist, dass dieser Seamount noch quasi unerforscht ist und wir hoffentlich neue Strukturen und Erscheinungen entdecken werden. Man fühlt sich ein bisschen wie der Weltentdecker Kolumbus, nur ein bisschen komfortabler mit drei warmen Mahlzeiten am Tag und etwas mehr technischem Know-how.

In diesem Sinne, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

Anne-Christin Melcher