17. Apr. 2018
Beim selbstorganisierten Tischtennisturnier entspannt sich das Forschungsteam..

Beim selbstorganisierten Tischtennisturnier entspannt sich das Forschungsteam.

Allmählich geht die wunderschöne Zeit auf der Meteor vorüber und wir kehren zurück von einer Reise, die sich durch die lange Anreise von über einer Woche sehr gezogen hatte, aber dann gespickt war von kurzen Transitfahrten, unerwarteten Entdeckungen und Faszinationen am Henry Seamount.

Ich habe vergessen mich vorzustellen! Ich bin Jan-Niklas, Bachelorstudent an der Universität Bremen im Fachbereich Geowissenschaften mit dem Schwerpunkt Geophysik. An Ausfahrten fasziniert mich vor allem die grenzenlose Weite des Ozeans in allen Dimensionen, auf dem man ohne GPS nahezu aufgeschmissen wäre. Schau man morgens auf die Online-Karte, sieht man… ein Wollknäuel aus Schiffstracks. Ähmm? Okay, wo sind wir jetzt langgefahren? Und was wird heute gemacht? Jeden Tag wird entschieden, was an den folgenden Tagen untersucht werden soll. Das macht die Planung zu einer Herausforderung, da alle Arbeitsgruppen einen vergleichbar großen Forschungsanteil haben möchten. Alles in allem führt dies zu abwechslungsreichen Arbeiten und 24/7-Schichtbetrieben an Bord.

Doch vor lauter Arbeit sollte auch eines nicht fehlen: Freizeit. Diese kann sich an Bord trotz des begrenzten Raumes als sehr vielseitig erweisen. So findet der ein oder andere Filmabend, das Grillfest oder ein selbstorganisiertes Tischtennisturnier statt. Dazu gibt es die Möglichkeit, in den Fitnessraum oder in die Sauna zu gehen, auf dem Peildeck die Sonne auf den Körper brutzeln zu lassen, oder in die Bar zu gehen und 6er-Mensch-ärgere-dich-nicht-Spezial oder anderes zu spielen.

Bei meiner ersten Ausfahrt wurde ich gefragt, ob ich auf dem Schiff nicht zu dem Thema arbeiten wollte, das ich gerade an der Uni in einer Prüfung behandelt hatte. Meine Augen leuchteten, als ich davon erfuhr. Nur wenige Monate später ging es schon los. Das war im Herbst 2017 von Mindelo, Kapverden, zum Mittelatlantischen Rücken auf Äquatorhöhe. Ein unbeschreibliches Gefühl. Vor allem, weil ich neue Leute kennengelernt habe, die mich sehr stark geprägt haben. Dies ist mittlerweile meine zweite große Ausfahrt und ich muss sagen, dass jede Expedition anders ist. Natürlich sind andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Bord, es werden unterschiedliche Disziplinen ausgeübt und auf jeder Fahrt lernt man immer mehr dazu. Als Input liefert man immer seine eigenen Erfahrungen zu seinem speziellen Fachgebiet, aber nur zusammen wird ein Schuh draus.

Überdimensionales Thermometer: In fast 4000 Meter Wassertiefe misst die 1,8 Tonnen schwere Stahllanze die Temperatur im Sediment.

Überdimensionales Thermometer: In fast 4000 Meter Wassertiefe misst die 1,8 Tonnen schwere Stahllanze die Temperatur im Sediment.

Bild: Daria Nazarenko
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Überdimensionales Thermometer: In fast 4000 Meter Wassertiefe misst die 1,8 Tonnen schwere Stahllanze die Temperatur im Sediment.

Bild: Daria Nazarenko

Meine Aufgabe ist es, zusammen mit meiner Arbeitsgruppe den Wärmestrom bzw. Wärmefluss zu bestimmen. Hierfür benutzen wir eine acht Meter lange und 1,8 Tonnen schwere Stahllanze, an der Thermistoren (Temperaturfühler) in einer Eisenröhre befestigt sind. Ähnlich wie beim Fiebermessen handelt es sich um ein überdimensionales Thermometer, dass in fast 4000 Metern Wassertiefe im Sediment versenkt wird. Gemessen wird die Temperatur mit der Zeit. Beim Fiebermessen bedarf es, wie auch in der Meeresforschung, einer Angleichzeit, bis die richtige Temperatur vom Sensor gemessen wird. Durch kleinste Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen Sensoren können so aufsteigende Fluide und vulkanische Aktivitäten gefunden werden. Bevor wir jedoch mit der Lanze in den Untergrund pieksen, muss geklärt sein, um was für ein Sediment es sich handelt. So liefert die marine Geophysik Methoden, mit denen man in der Lage ist, in den Untergrund zu blicken, um uns eine Penetration zu ermöglichen und eine Interpretation zu fördern.

Am Ende einer Fahrt kommen gewaltige Datenmengen von über einem Terabyte auf das Festland zurück. Eine große Menge an Daten, die sicher auf Festplatten verstaut werden will. Datensicherung ist alles, daher wird alles doppelt und dreifach abgespeichert. Ich hoffe, dass alles, was an Daten gesammelt wird, auch ankommt - so wie wir.

In dem Sinne, bis bald!

Jan-Niklas Schmidt