21. Feb. 2017

Endlich unterwegs: Fahrt durch die westliche Magellanstraße.

Punta Arenas, die südlichste Stadt Chiles, gelegen an der Magellanstraße zwischen Patagonien und Feuerland, ist der Ausgangsort für die Expedition PS104 in das Amundsenmeer der Antarktis. Bis kurz vor der Ausfahrt aus dem Hafen von Punta Arenas blieb es spannend, ob das Team unter der Leitung von Karsten Gohl rechtzeitig würde ablegen können. Der Fahrtleiter berichtet von Bord.

Die ersten Eisberge rufen immer wieder Begeisterung hervor. (Bild: Thomas Ronge)Mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern, Technikern und Studenten trafen wir von unterschiedlichen Orten ein, um am 5. Februar an Bord der Polarstern zu gehen. Zuvor hatte bereits eine Vorausgruppe mitgeholfen, die nicht ganz einfache Beladung und Installation unseres wichtigsten Gerätes auf dieser Expedition, das MeBo-Bohrgerät, vorzubereiten. Der Hafen von Punta Arenas besitzt nur eine Pier, an der Schiffe mit großem Tiefgang anlegen können. Und in der Sommersaison ist diese Pier sehr stark nachgefragt von Kreuzfahrt- und Containerschiffen, die gegenüber anderen Schiffen von der Hafenbehörde Priorität bekommen.

Der Polarstern wurden nur 2,5 Tage eingeräumt, bevor sie die Pier für ein Kreuzfahrtschiff verlassen musste. Eine äußerst knappe Zeit, um die Ladearbeiten für unsere Container und vor allem die Vorbereitungen für den Aufbau an Deck und dann das Verladen des schweren MeBo-Bohrgeräts zu bewerkstelligen. Die Spannung stieg am Vormittag des 6. Februar. Können die Arbeiten bis 13 Uhr erledigt werden, oder werden wir mit 2-3 Tagen Verspätung auslaufen müssen? Um 12.40 Uhr hob der extra angeforderte mobile Schwergutkran das MeBo auf sein Absatzgestell, das auf dem Arbeitsdeck der Polarstern bereits installiert war. Um 13 Uhr legte das Schiff ab. Ein perfektes „Timing“ und eine Meisterleistung der Schiffsbesatzung, der Schiffskoordination und des MeBo-Teams. Wir lagen dann noch zwei Tage in der Bucht vor Punta Arenas auf Reede. In der Zeit wurde das MeBo weiter aufgebaut und die Funktionen geprüft. Erst nachdem ein Gerätetest mit dem knapp unter der Wasseroberfläche abgesenktem MeBo bestanden wurde, konnten wir am 8. Februar bei schönstem Wetter auslaufen.

Das MeBo wird auf das Absatzgestell gehoben.

Das MeBo wird auf das Absatzgestell gehoben.

Bild: Thomas Ronge
Die ersten Eisberge rufen immer wieder Begeisterung hervor.

Die ersten Eisberge rufen immer wieder Begeisterung hervor.

Bild: Thomas Ronge
Logo der PS104.

Logo der PS104.

Bild: Alfred-Wegener-Institut
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Das MeBo wird auf das Absatzgestell gehoben.

Bild: Thomas Ronge

Die ersten Eisberge rufen immer wieder Begeisterung hervor.

Bild: Thomas Ronge

Logo der PS104.

Bild: Alfred-Wegener-Institut

Die Fahrt durch die enge westliche Magellanstraße in Richtung Pazifik ist einfach ein landschaftlicher Genuss, den keiner der 50 wissenschaftlichen Teilnehmer und 44 Besatzungsmitglieder verpasst hat. In der Nacht erreichten wir den offenen Pazifik, der uns auch sofort mit einer kräftigen Brise und einem starkem Seegang empfing. 6 Tage dauert die Überfahrt bis in unser Forschungsgebiet durch eine Region, die für ihre häufigen Stürme bekannt ist. Wir können uns glücklich schätzen, dass uns diese Stürme – bis auf den ersten Tag im Pazifik – erspart geblieben sind. Wir erleben sogar seit zwei Tagen einen ungewöhnlich ruhigen Seegang mit zeitweiliger Windstille. In der Zwischenzeit sind alle Geräte und Messinstrumente aufgebaut, und wir erwarten mit Spannung die Ankunft im Forschungsgebiet, den Kontinentalschelf des Amundsenmeeres vor der Westantarktis. Erste Eisberge sind bereits gesichtet.

Unsere Expedition geht in eine Region der Antarktis, von der vermutet wird, dass sie eine ganz entscheidende Rolle beim drohenden Abschmelzen des westantarktischen Eisschildes spielt. Um besser zu verstehen, wie sich der Eisschild in einer zukünftigen weiteren globalen Erwärmung verhält, schauen wir in die geologische Vergangenheit, und zwar in Epochen, in denen wir ähnliche Klimaverhältnisse auf der Erde hatten, wie wir sie heute und in Zukunft erfahren. Dazu wollen wir in dem Hauptprojekt dieser Expedition Proben von Meeressedimenten an verschiedenen Stellen auf dem Kontinentalschelf des Amundsenmeeres mit dem MeBo-Bohrgerät erbohren. Wir werden in den nächsten Wochenberichten mehr über das Bohrgerät, das zum ersten Mal in der Antarktis eingesetzt wird, sowie über die Arbeitsmethoden, Forschungsziele und ersten Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen berichten.

Mit besten Grüßen und Wünschen von allen Fahrtteilnehmern,

Karsten Gohl, Fahrtleiter