23. Sep. 2019
Phytoplankton-Gemeinschaften werden aus unterschiedlichen Wassertiefen entnommen.

Phytoplankton-Gemeinschaften werden aus unterschiedlichen Wassertiefen entnommen.

Die ersten Tage auf der FS Poseidon: Ein Beitrag von Laura Margarethe Hennigs

Am 16.09. ging’s endlich los, wir liefen aus dem Hafen von Málaga aus. Nachdem die meisten von uns schon 2 Tage früher an Bord der Poseidon gegangen waren, haben wir diesen Moment sehnlichst erwartet. Endlich das Land hinter sich lassen und schon bald nur noch Meer sehen, wohin das Auge reicht. Bis zum 18.09. haben wir nun auf der Transitstrecke Zeit, alle Vorbereitungen zu treffen, bevor die Experimente starten.

Doch für mich ganz persönlich gab es schon viel früher das erste Highlight: Die erste Nacht in der Koje. Als einziger "Ersti" dieser Fahrt, die vorher noch nie länger als eine Tagesfahrt auf einem Forschungsschiff verbracht hatte, war ich sehr darauf gespannt. Die erste Überraschung kam gleich beim Betreten der Kabine, die hatte ich mir nämlich viel kleiner vorgestellt. Ich dachte, da wäre nur das Etagenbett und daneben nochmal so viel (also so wenig) Platz. Aber nein, es gibt noch eine Sitzecke, wo man sogar zusätzlich anderen Wissenschaftlern einen Platz anbieten kann, falls jemand zu Besuch kommt. Und selbst wenn der Zimmermitbewohner am Waschbecken steht und Zähne putzt, hat man garantiert noch genug Platz auf dem Fußboden, um Gymnastik zu machen. Macht man natürlich nicht. Aber könnte man.

Ein anderes Highlight war der Probealarm zur Evakuierung des Schiffes. Nicht wegen des Alarms an sich, sondern weil es Überlebensanzüge gibt, die man anziehen muss, wenn man ins Wasser geht. Ein Otto-Normalverbraucher hat diese noch nie gesehen. Sie erinnern an eine Mischung aus Astronauten- und Imkeranzug und innendrin herrschen (zumindest in der mediterranen Mittagssonne) etwa 60 °C. Noch ein Grund mehr, warum wir alle hoffen, dass diese nicht zum Gebrauch kommen.

So langsam kennt man die Tagesabläufe und Regeln auf dem Schiff. Während der ersten Tage auf See hatten wir glücklicherweise herrlichstes Wetter, sodass die Vorbereitungen der Experimente ungestört verlaufen konnten. Nur fliegende Fische und einige Delfine sorgten für ungeplante Unterbrechungen. Drücken wir die Daumen, dass das so bleibt, denn gutes Wetter kann man auf See immer gebrauchen – und in den nächsten Tagen sollen schließlich die Experimente starten.

 

Einen letzten Blick auf Malaga.

Bild: Laura Margarethe Hennings/Universität Oldenburg

Überlebensanzüge.

Bild: Laura Margarethe Hennings/Universität Oldenburg
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Einen letzten Blick auf Malaga.

Bild: Laura Margarethe Hennings/Universität Oldenburg

Überlebensanzüge.

Bild: Laura Margarethe Hennings/Universität Oldenburg

Unser Phytoplankton-Experiment: Ein Beitrag von Anna Lena Heinrichs

Am dritten Tag auf offener See ging es bei unserem Phytoplankton-Experiment dann los. Nach zwei Tagen herum probieren, kleben und Löcher bohren war der Aufbau geglückt. Die hohen Temperaturen, die um diese Jahreszeit im Mittelmeerraum anzutreffen sind, haben die größte Herausforderung mit sich gebracht. Denn damit unsere Proben auf Deck nicht den Hitzetod erleiden, müssen diese rund um die Uhr mit frischen Meerwasser gekühlt werden. Um das zu ermöglichen, erforderte es nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Kreativität.

In unserem Experiment werden wir Phytoplankton-Gemeinschaften aus unterschiedlichen Wassertiefen beproben und diese in verschiedenen Lichtbedingungen wachsen lassen. Dafür befestigten wir Lichtfolien über unseren Proben, die nur bestimmte Wellenlängen durchlassen.

Am Mittwochmorgen um 8:15 wurde dann schließlich die CTD langsam in Richtung Meeresgrund bis zu einer Tiefe von 200m runtergeschickt. Proben aus 10 verschiedenen Tiefen wurden entnommen, in unsere Zellkultur Flaschen gefüllt und schließlich in unsere Boxen mit den Lichtfolien gelegt. Nun werden wir für zwei Wochen täglich die Dichte unserer Algen messen, um zu untersuchen wie die Algen aus den verschiedenen Tiefen in den unterschiedlichen Lichtbedingungen wachsen. Die rote Folie lässt nur rotes Licht durch, welches nur wenige Meter die Wassersäule durchdringt. Am tiefsten reicht das blaue Licht. Da das Mittelmeer sehr nährstoffarm ist, gehen wir davon aus, dass das Sonnenlicht bis in relativ tiefe Schichten reicht. Deshalb haben wir sogar Proben aus 80m Tiefe entnommen und sind nun besonders gespannt, welche Arten wir dort finden werden und wie diese unter den Lichtbedingungen wachsen, die sonst nur an der Oberfläche vorzufinden sind.


Die regelmäßigen Blogeinträge der FS Poseidon finden Sie auch unter: https://icbm-auf-see.uni-oldenburg.de/category/home/fs-poseidon/