24. Jan. 2019
Soeren, Kai, Jan-Hendrik, Hannah, Steffen und Lennart beobachten die CTD unter Wasser.

Sören, Kai, Jan-Hendrik, Hannah, Steffen und Lennart beobachten die CTD unter Wasser.

Am dritten Tag auf See erreicht die Crew ihr erstes Arbeitsgebiet und schon wird die erste Nacht durchgearbeitet. Eine harte aber abwechslungsreiche Lektion für die jungen Wissenschaftler: Coole Proben, süßes Salzwasser und giftige Überraschungen an Bord der Poseidon!

Am 21. Januar kommen wir nach zweieineinhalb Tagen Fahrt auf hoher See an unserem ersten Einsatzort an; außerhalb der Hoheitsgewässer anderer Staaten. Die Aufregung ist groß. Das erste Mal können wir einen Teil des mitgenommenen Equipments ins Wasser lassen, die ersten Daten erheben und Proben nehmen.

Eines der wichtigsten Instrumente aller Meereswissenschaftler ist die CTD. CTD steht für Conductivity (Leitfähigkeit), Temperature (Temperatur) und Depth (Tiefe). Immer, wenn es auf See geht, wird eine CTD-Rosette ins Wasser gelassen und mit ihr ein Tiefenprofil erstellt, das uns Aufschluss über den Salzgehalt, die Temperatur, die Sauerstoffkonzentration, die Trübung des Wassers und den Chlorophyllgehalt gibt, und das von der lichtdurchfluteten Oberfläche bis in die finstere Tiefsee.

Sören und Steffen bereiten die In-Situ-Kamera und den Multicorer vor. Rechts im Bild: Eine CTD-Rosette.

Sören und Steffen bereiten die In-Situ-Kamera und den Multicorer vor. Rechts im Bild: Eine CTD-Rosette.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Das Planktonnetz für die Zooplanktonbeprobung bringt ab und an interessanten Beifang an Bord...

Das Planktonnetz für die Zooplanktonbeprobung bringt ab und an interessanten Beifang an Bord...

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Wie diesen gefährlichen aber wunderschönen Besucher: eine Portugiesische Galeere.

Wie diesen gefährlichen aber wunderschönen Besucher: eine Portugiesische Galeere.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Gern gesehener Fang: Mikroskopischer Blick in eine Fytoplanktonprobe.

Gern gesehener Fang: Mikroskopischer Blick in eine Fytoplanktonprobe.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Bittersüße Akkordarbeit: Hagen, Lennart und Jan-Hendrik bei der Zucker-Extraktion von Meereswasser.

Bittersüße Akkordarbeit: Hagen, Lennart und Jan-Hendrik bei der Zucker-Extraktion von Meereswasser.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
Und jetzt? Koje! Hagen, Hannah und Jan-Hendrik nach 24 Stunden Arbeit im Labor.

Und jetzt? Koje! Hagen, Hannah und Jan-Hendrik nach 24 Stunden Arbeit im Labor.

Bild: MARUM/Univ. Bremen
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Sören und Steffen bereiten die In-Situ-Kamera und den Multicorer vor. Rechts im Bild: Eine CTD-Rosette.

Bild: MARUM/Univ. Bremen

Das Planktonnetz für die Zooplanktonbeprobung bringt ab und an interessanten Beifang an Bord...

Bild: MARUM/Univ. Bremen

Wie diesen gefährlichen aber wunderschönen Besucher: eine Portugiesische Galeere.

Bild: MARUM/Univ. Bremen

Gern gesehener Fang: Mikroskopischer Blick in eine Fytoplanktonprobe.

Bild: MARUM/Univ. Bremen

Bittersüße Akkordarbeit: Hagen, Lennart und Jan-Hendrik bei der Zucker-Extraktion von Meereswasser.

Bild: MARUM/Univ. Bremen

Und jetzt? Koje! Hagen, Hannah und Jan-Hendrik nach 24 Stunden Arbeit im Labor.

Bild: MARUM/Univ. Bremen

Die CTD-Rosette besteht aus einem Dutzend Flaschen, die offen sind und von Wasser durchströmt werden, während sie heruntergelassen werden. Diese Flaschen lassen sich individuell auf Knopfdruck bei der gewünschten Tiefe schließen. Mit diesem Gerät sammeln wir Wasserproben aus bis zu 1000 Metern Tiefe, die ganz schön "cool", also kalt, sind. Für die erfahrenen Seeleute an Bord der FS Poseidon ist es hart und anspruchsvoll, wenn sie bei wogenden Wellen auf hoher See solche großen Geräte zu Wasser lassen.

Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist bang, denn ihnen stehen 24 Stunden Arbeit bevor. Jan-Hendrik und Alek erforschen, wie die Abermillionen Mikroalgen im Ozean ihre Energie in einem langkettigen Zucker speichern, ähnlich wie Pflanzen an Land, zum Beispiel Weizen, in Form von Stärke. In den Mikroalgen heißen diese Zuckerketten Laminarin. Diese Zucker dienen wahrscheinlich Kleinkrebstierchen, den Copepoden, als Nahrung. Alek hat zur Aufgabe, nur unter Einsatz seiner Muskelkraft, ein Planktonnetz jede Stunde zehn Meter tief im Meer zu versenken und gefüllt mit den Krebstierchen wieder hochzuhiefen.

Ein ums andere Mal ist aufregender Beifang im Netz. So ist er auch nur knapp einem der gefährlichsten Meeresbewohner überhaupt entkommen. Die Portugiesische Galeere, die er um drei Uhr morgens im Netz fängt, verletzt zum Glück niemanden und schwimmt nun auf Suche nach Beute noch kleiner als Alek wieder in den Weiten des Atlantiks.

Wie wichtig sind den Meeresbewohnern die Zucker? Um das herauszufinden, verbringen Hagen und Lennart mit den anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 24 Stunden im Nasslabor des Schiffes. Hieraus sollen die wichtigen Ergebnisse für Hagens Masterarbeit "fließen" – im wahrsten Sinne des Wortes. Es werden Zucker extrahiert. Dazu läuft sechs Mal parallel vorgefiltertes Meerwasser über ein spezielles Material, welches die Zucker von Salz und Wasser trennt, sodass man sie anschließend besser analysieren kann. Insgesamt entstehen so 150 Proben von neun Uhr morgens bis neun Uhr morgens am folgenden Tag. Denn Meerwasser ist nicht nur salzig, sondern auch süß.

Doch 24 Stunden fokussiert zu arbeiten, lässt auch den erfahrensten und härtesten Forschenden nicht kalt. Nach vielen Stunden auf den Beinen um vier Uhr morgens verschwimmt die Sicht, und Arbeitsabläufe, die schon 18 Mal zuvor durchgeführt wurden, machen einen verrückt. Über keinen Witz kann mehr gelacht werden, und jedes Lied, das aus der Musikbox tönt, klingt gleich – denn die Playlist ist kurz. Die Frage, die sich einem nach dieser ermüdenden Zeit stellt, ist: Warum eigentlich? Jeder wird darauf eine andere Antwort geben. Doch eines ist allen klar: Mitten in der Nacht, nach vielen Stunden der Arbeit, können Proben nur erfolgreich genommen werden, wenn alle zusammenarbeiten; fällt mal jemand aus, muss schon der oder die Nächste in den Startlöchern stehen.

Eine müde aber zufriedene Besatzung verabschiedet sich in die Kojen!